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Karl Freudenberg

Category: Geschichte der Naturwissenschaften, insbesondere der Chemie Published: Monday, 05 May 2014 Written by Daniel
KARL FREUDENBERG
 
INHALT
 
Vorwort
 
1. STATIONEN DES LEBENS
 
 
2. FACETTEN DER PERSÖNLICHKEIT
 
2.2  Lehrer
     2.3.1  Institutsdirektor
     2.3.2  Wiederaufbau
     2.3.3  Rektor 
     2.3.5  Das Forschungsinstitut
2.5  Mensch
 
Zum Schluss
 
 
 
Vorwort
Das lange Leben Karl Freudenbergs bildet einen wichtigen Teil der Geschichte der deutschen Chemie, der Universität Heidelberg und der Stadt Heidelberg überhaupt. Obwohl über ihn nicht wenig publiziert wurde (s. Literatur , dort auch die Abkürzungen und die angenommene Form der Quellen- und  Literaturhinweise), scheint es jedoch eine ausführlichere Darstellung aufgrund der Quellen nicht übrig zu sein.
Bezüglich der Biographie von seinen Vorgänger bemerkte Freudenberg einmal, dass die Zweiteilung in persönlichen und wissenschaftlichen Teil "vom Standpunkt des Geschilderten sicher nicht richtig [ist], denn die Arbeit bildet doch ein stetiges Erlebnis, das sich  vom persönlichen Leben gar nicht absondern lässt" (An Bror Holmberg, 12. Dez. 1959, Rep. 14-198). Dasselbe gilt natürlich für Freudenberg selbst, aber für den Verfasser wäre es kaum möglich, dieses reiche, vielseitige Leben  darzustellen, ohne seine Facetten eine nacheinander zu schildern. Deswegen wird dieses Werkchen geteilt, obwohl alle Teile ein Ganzes widerspiegeln und bilden sollten.
Überall, wo es möglich war, ist das Wort Freudenberg selbst gegeben. 
 
1. STATIONEN DES LEBENS [nach oben]
1.1  Weinheim und Frankfurt, 1886-1904
Freudenberg wurde am 29. Januar 1886 in die fest gefügte Welt hineingeboren - als drittes von zehn Kindern des erfolgreichen Weinheimer Fabrikanten Hermann Freudenberg (1856-1923) und seiner Frau Helene, geb. Siegert (1855-1939) (Weinges, S. 707). 
Es ist wohl richtig, dass der Mensch durch seine Kindheit bestimmt wird. 
Die Kinder wuchsen im Wohlstand auf, jedoch streng zu Verantwortung, Ordnung und Sparsamkeit angehalten. "Wie die Erziehungspraktiken auch gewesen sein mögen, die Atmosphäre war so gesund, dass alle, wie man so sagt, geraten sind. Im ganzen waren wir, so glaube ich, ein wenig zu brave Kinder; ob von Natur oder durch Erziehung, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich einiges von beiden." (R., S. 45).
Liebend und sorgfaltig herstellt Freudenberg Aufzeichnungen seiner Kindheit - sie war recht glücklich. Er erzählt, unter anderem, über seine kleine Besessenheiten. "Wenn ich nach meiner Gewohnheit wochen- oder monateweise mit einer Sache recht intensiv abgab bis zur Vernachlässigung der Schulpflichten, hieß es in der Familie, ich sei wieder von einem "Raptus" befallen....In den Schmetterlingskästen sammelten sich die häufigen, aber auch manche seltenen Exemplare... Raupen wurden gesammelt und zum Verpuppen und Schlüpfen gebracht, und das Raupenfutter musste oft von weither geholt werden. Auch Käfer und Briefmarken wurden gesammelt und Herbarien angelegt, wenn auch völlig planlos bis auf die Orchideen." (R., S. 33).
Diese leidenschaftliche Einstellung zu Sachen, mit denen er sich beschäftigte, bewahrte Freudenberg durchs Leben.
Karl Freudenbergs Kindheit kann man also als eine glückliche bezeichnen. Die wohlhabende bürgerliche Familie mit großem sozialem Verantwortungsgefühl gab ihm einerseits eine gesunde Erziehung und eine gute Ausbildung, andrerseits auch die festen Lebensprinzipien, den Freudenberg immer treu blieb.
Als sein langes Leben fast vollendet war, konnte Freudenberg sagen: "Ich bin seit mehr als 70 Jahren aus dem engeren Verband des Elternhauses entlassen und habe alle die Jahrzehnte und bis heute eine Geborgenheit empfunden, die weit über den materiellen Rückhalt hinausging, dessen ich teilhaftig sein durfte." (Schriften, III, S. 249)
 
Kindheit und die ersten Schuljahre in Weinheim (1886-1902) prägten wohl viele wichtige Wesenszüge Freudenbergs: Verantwortung, Vernunft, eingeborene Gesundheit, aber auch seine Fühlung an die Natur, die er bis zum Lebensende bewahrte.
 
Mit sechs Jahren ging Freudenberg in die Weinheimer "Bender-Schule" (nach dem Namen des Direktors Bender), die dann in das Real-Gymnasium verwandelte, im Jahre 1902 folgte er in das  klassische Goethe-Gymnasium in Frankfurt/M.
Eine notwendige Komponente seiner Ausbildung war Aufenthalt im Ausland in den Schulferien - in England und besonders in französischem Teil der Schweiz. Das Brachte ihm ein gutes Französisch und die ständige Liebe zur Schweiz. (1904 wurde Familienchalet in Champex in Wallis, Schweiz eingerichtet, wo Freudenberg später durchs Leben fast jährlich erholte).
Im Frühjahr 1904 kam seine Schulzeit zum Ende. Laut seinem Abschlusszeugnis vom 7. März 1904 (Rep. 14-845), war er ziemlich guter, aber nicht ausgezeichneter Schüler: "Sein Betragen war gut, sein Fleiß zuletzt recht befriedigend. Religionslehre - genügend; Deutsch - genügend; Lateinisch - genügend; Griechisch - gut; Französisch - gut; Geschichte und Erdkunde - genügend; Mathematik - gut; Turnen - genügend; Handschrift - gut."
Das Beste, was ihm das Gymnasium lieferte, war das "Verlangen nach Geistesgütern" - eine weite humanistische Einsicht, die für Freudenberg lebenslang typisch war.
 
1.2 Bonn, 1904-1907 [nach oben]
Über seine weitere Ausbildung hatte er damals nur eine ganz allgemeine Vorstellung, dass er Naturwissenschaften, vielleicht Botanik, studieren werde. Seine Umgebung konnte ihm keinen detaillierten Ratschlag schaffen, so erwies sich erstes Studienjahr - Freudenberg wählte mehr oder wenig zufällig die Universität Bonn - gar nicht leicht.
Dies war die erste Kraftprobe von vielen, die ihm das Schicksal bereitete. Nämlich verstand Freudenberg weder die Chemievorlesung (im Gymnasium lehrte man so gut wie keine Chemie) noch die Botanikkurse, die er zuerst hören wollte.
Nach mehr als 40 Jahren erzählte Freudenberg, damals Rektor, seinen Studenten, wie unangenehm er sich damals fühlte: "Meine Nachbarn auf der Hörsaalbank konnten von Salzsäure und Ammoniak sprechen, als wenn sie diese Stoffe mit der Muttermilch eingesogen hätten." "Die Krise habe ich voll und ganz auskosten und überwinden müssen und bin heute noch froh darüber" (EE).
Ihm half seine gesunde Vernunft, so dass er die unverständlichen Vorlesungen beiseite ließ: Er entschied von Anfang an zu beginnen, aber diesmal aus einer anderen Seite: Nun begann er mit praktischen Arbeiten im chemischen Laboratorium. Nach einem Semester im Labor erschienen  die Vorlesungen verständlich und nützlich.
 
Nach dem erfolgreichen Sommersemester 1905 entschied Freudenberg seinen Militärdienst abgelegen zu haben: Damals war es eine selbstverständliche Pflicht für jeden gesunden Junge. "Militärdienst war für körperlich Unbehinderte eine unausweichliche Leistung, die je nach Lebenslage und Auffassung mit Begeisterung, Gleichgültigkeit oder Verdruss erfüllt wurde." (R., S. 24). Freudenberg dachte mit Recht, dass je früher die Pflicht vollendet werde, desto weniger Nachteil sein Studium erleiden werde. So ging er als "einjähriger Freiwilliger" nach Ludwigsburg, wo man ihm zum 1. Oktober 1905 der 5. Schwadron der gelben Ulanen ("ein gutes und anständiges Regiment", so Freudenberg (R., S. 98)) zugeteilt hat. Für den Neunzehnjährigen mit aktiver Einstellung zum Leben war es ein gutes Abenteuer. Ein altes Photo zeigt uns Freudenberg als Reiter in aller Pracht eines gelben Ulanen. Also kehrte er  nach Bonn zurück gesund, munter und entschieden, weiter zu studieren.
Schon im zweiten Praktikumssemester hatte er Glück, Hans Meerwein, damals Saalassistent, zu treffen.  Dieser wurde eigentlich der erster Chemielehrer für Freudenberg, der ihn, wohl auch beiden unbewusst "den Weg in die wissenschaftliche Laufbahn gewiesen hat" (An Meerwein, 19. Mai 1954, Rep. 14-233). Die beiden wurden durch enge Freundschaft bis zum Meerweins Tod verbunden.
 
Zu bedeutenden Erlebnissen dieser Studienzeit - Freudenberg studierte in Bonn insgesamt fünf Semester - gehört seine Teilnahme an "Bonner Kreis". Das war eine lose Studentenvereinigung, in der um einen Kern (Verein) von Altphilologen, Althistoriker und insbesondere Archäologen sich Studenten aller Fakultäten gruppierten. "Das war eine sehr lebensfähige Konstruktion, - urteilte Freudenberg nach vier Jahrzehnten. - Die Enge einen Fachvereins, der immer äußerst langweilig ist, wurde aufgehoben durch die Gegenwart der Angehörigen anderer Fakultäten, und doch gab der Verein als Mittelpunkt dem Ganzen eine bestimmte Haltung, die ein Charakteristikum des Bonner Kreises ausmachte." (An Dr. Arnold v. Buttlar, 7. Dez. 1953, Rep. 14-130). Über das Niveau des Bonner Kreises spricht die Tatsache, dass kein damaliges Mitglied dem Nationalsozialismus verfallen war. "Das scheint mir kein Zufall zu sein", - betonte Freudenberg indem er eine solche Vereinigung den Heidelberger Studierenden als Muster empfahl (EE).
(Bonner Kreis besteht noch heute. Freudenberg stand mit ihm in Verbindung wenigstens bis 1965. Insbesondere wohnte er mit seiner Frau das 100jährige Fest im Jahre 1954 bei.)
 
1907 konnte Freudenberg sein Verbandsexamen ablegen. Man verlangte damals in Bonn gar nicht viel und dies veranlasste ihn ein ernsteres Chemiestudium zu suchen - und zwar in Berlin bei Emil Fischer, Nr. 1 der organischen Chemie in Deutschland von jener Zeit.
 
In die Bonner Zeit fiel aber nicht nur die erste Hälfte seines Studiums, sondern auch die folgenschwere Bekanntschaft mit Doris Nieden, Tochter des angesehenen Bonner Augenarztes Adolf Nieden.
Freudenberg hatte sie an der Hochzeit seines älteren Bruders Hermann kennengelernt: Doris war eine Freundin der jungen Schwägerin. Während eines Jahres - trotz bester Freundschaft mit Doris - ging ihm schwer. "Wer war ich denn auch? Unteroffizier oder Vizewachtmeister der Reserve in meinem schwäbischen Ulanenregiment, im Berufsstudium bestenfalls ein «hoffnungsvoller» Anfänger der Chemie. Mein Zustand wurde offenkundig, und ich erhielt sehr ernste Vorhaltungen vom Vater. Ich verdrehe einem Mädchen den Kopf, ohne selbst etwas bieten zu können. Die Ermahnung bestärkte mich in der Zurückhaltung, aber in der Sache hatte sie, wie zu erwarten, keine Wirkung; nur mein Kopf wurde noch dicker." (Schriften, III, S. 246-247). Das Entscheidende war aber, dass "ein Freudenberg (wenigstens jener Generation) aufs Ganze geht und keinen Spaß versteht, wenn er verliebt ist." (R., S. 112)
Vorgreifend ist hier zu berichten, dass die Verlobung am 5. Februar 1908 stattfand und die Hochzeit nach Freudenbergs Promotion am 30. Juli 1910 in Bonn gefeiert wurde.
 
Doris war "Ein Mensch von kraftvoll warmer Ausstrahlung, wie ich ihn selten in meinem Leben getroffen habe", so Freudenbergs Schüler Fr. Cramer. Freudenberg selbst schrieb ihm in einem Brief 1974. "Meine wohlgemute Frau mit ihrem klaren Unterscheidungsvermögen für Ziemliches und Unziemliches hat in all den Jahren den Rückhalt meines Daseins gebildet. Wir stimmten überein, ob es sich über Religion, Kindererziehung, Kunst, Politik oder was auch sonst handelte. Wenn ich heim kam, trat ich immer in klare Räume ein." (Cramer, S. 69)
Aus dieser glücklichen Ehe gingen drei Töchter und zwei Söhne hervor.
 
Aber zurück in das Jahr 1907, als Freudenberg nach Berlin kam.
 
1.3 Berlin, 1907-1914 [nach oben]
Nach einem Semester im Laboratorium nahm ihn, dank einer Empfehlung, Emil Fischer als seinen Doktorand. Bei diesem überaus anspruchsvollen Lehrer lernte Freudenberg "Geduld, Beharrlichkeit und Ehrfurcht vor der unerbittlichen Natur." Erst nach zwei oder sogar drei Semestern ging ihm die Arbeit von der Hand und sie fand den Beifall des Meisters. "Er hat mich gelernt, der kleinsten Beobachtung nachzugehen, ein gefundenes Ergebnis von allen Seiten zu prüfen und es erst dann für richtig zu halten, wenn kein Einwand mehr vorstellbar ist." (EE). Fischer verlangte große Selbständigkeit, "ich hatte wieder manche Krise durchzumachen",  - erzählte Freudenberg. Erst nach der Doktorprüfung (am 15. Juni 1910), als Freudenberg als unbezahlter Assistent in Fischers Privatlaboratorium eintrat, "begann ein frohes Arbeiten". 
In den Jahren 1910-1914 erschienen sechs Abhandlungen zusammen mit E. Fischer.
Nun entschied Freudenberg für eine akademische Laufbahn und Anfang 1913 fang an, ein selbständig gewähltes Thema (über die Stereochemie von zwei organischen Säuren) zu bearbeiten. Die gelungene Arbeit zeigte aber, dass der Verfasser sich in wissenschaftlicher Hinsicht "in voller geistiger Abhängigkeit" von seinem Lehrer befand und Gefahr lief, an seiner Selbständigkeit Schaden zu nehmen. "Ich entschloss mich wegzugehen, obwohl mir die Trennung von ihm [Fischer] und der prachtvollen Berliner Arbeitsatmosphäre sehr schwer fiel." (Lebensbeschreibung, 21.7.1945, Rep. 14-13).
Freudenberg verkaufte sein inzwischen erbautes Haus in Dahlem und zog mit der Frau und zwei Kindern nach Kiel um, wo es eine Assistentenstelle bei Professor C. D. Harries gab, - ein Schritt des Mannes, der seinen eigenen Weg durchsetzt. 
Übrigens war das der erste von 11 Umzügen, die der Familie bevorstanden. "Dieser viele Wechsel war natürlich insbesondere für meine Frau mühsam. Aber sie hat jedes Mal die Arbeit des Umzugs freudig auf sich genommen und wir haben uns dadurch geholfen, dass wir auf jeder Station uns so eingerichtet haben, als wäre es für die Dauer. Das ist ein Rezept, das ich ... empfehlen möchte. Nichts macht einen weniger beliebt, als wenn man erklärt, dass man wieder weg möchte. Und nichts macht einen mehr beliebt als die Bemühung, sich mit den vorhandenen Verhältnissen zurechtzufinden und sie zu nehmen, wie sie sind." (An G. Cardinale, 5. Jan. 1965, Rep. 14-153).
 
1.4  Kriegsjahre 1914-1918 [nach oben]
Freudenberg tritt in die Stelle am 1. April 1914 und bald begann mit seiner Habilitation. Seine Probevorlesung in Kiel (über "Entwicklung der Gerbstoffchemie") trug er am 16. Juli 1914. Dann wurde seine akademische Karriere durch den Krieg unterbrochen: Am 1. September musste er sich auf den Weg zu seinem Regiment machen.
Mitte September erhielt er den Befehl, als Adjutant des 3. Bataillons, Reserveregiment 109, zu melden und wurde aus einem Ulanen zum Infanterist. Bis zum Ende 1915 blieb er in der Eigenschaft eines Bataillonsadjutanten an der Somme im Nord-Frankreich.
Die ersten zwei Wochen befand sich das Regiment an den vorgeschobenen Positionen und hat etwa ein Drittel verloren, bevor 10. Oktober die Ablösung erfolgte. "Nur eine an sich grausige Tatsache macht die Lage erträglich, -  schrieb Freudenberg am 8. Oktober 1914. - Die Toten werden allabendlich begraben, die Verwundeten abtransportiert; so ist man immer von gesunden Menschen umgeben, und die Not der Gegenwart lässt das Vergangene vergessen." (R., S. 291). Dass Freudenberg auch als Soldat verantwortlich wirkte, sieht man daraus, dass ihm bald (am 20. Oktober) das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen wurde. "Es ist eine schöne Gabe, dieses Kreuz. Man muss, um es zu erhalten, zumindest seine Schuldigkeit getan haben, und das sieht man anerkannt bei dieser großen Sache." (R., S. 298-299).
Mit seinem Bataillonkommandeur, Hauptmann Neuenstein, hatte Freudenberg "das Glück..., großartig zurechtzukommen", dieser ließ "keine unnütze Arbeit machen." (R., S. 305). Freudenberg machte seine Arbeit gewissenhaft, merkte aber: "Es fehlt an Organisation, und die mangelnde Schlagfertigkeit des Ganzen prägt ihren Stempel dem einzelnen auf" Man wird ... bitter, wenn man Blut fließen sieht und weiß, wie das hätte vermieden werden können." (6. Jan. 1915, R., S. 319-320).
Über Verbrüderungen (die bald verboten wurden): "Hätte man die Soldaten gewähren lassen, so hätten sie an manchen Stellen geradezu verbrüdert. Je furchtbarer der Krieg, umso näher ist der Sinnlosigkeit; deutlicher hätte es einem nicht gezeigt werden können." (23. Dez. 1914). Und nach drei Wochen über einen anderen Fall: "Die Bewegung war spontan und ohne Führung. Sie machte mir einen tiefen Eindruck und gab über den Sinn des Krieges zu denken. Ist hier der Weg gewiesen, den schönsten Krieg zu sabotieren?" (R., S. 313 und 326).
Im März 1915 durfte Freudenberg einen kurzen Urlaub nach Kiel haben, um seine Habilitation zum Ende zu bringen: Am 4. März hielt er dort seine öffentliche Antrittsvorlesung "Die Verwendung von Säurechloriden zu Synthesen" (Rep. 14-847). Dann ging es wieder ins Feld.
Am Weihnachten 1915 bekam Freudenberg die Versetzung zum Gasdienst (Gasabwehr im Felde) im Stab des Armeeoberkommandos in St. Quentin. Von dieser Zeit gibt es nur einige spätere knappe Erinnerungen, teilweise humorvolle. Über den wirklichen Krieg schwieg Freudenberg. Wir kennen aber, dass Anfang 1916 wurde er für zwei Monate nach Berlin abkommandiert: Nach Anforderung von E. Fischer sollte er eine Experimentalarbeit über die Eignung der Lignosulfonsäure als Gerbmittel ausführen. Das war das erste Treffen Freudenbergs mit dem rätselhaften Stoff Lignin. Aufenthalt in Berlin war Fischers Geschenk seinem Schüler auch darum, dass Freudenberg alle Sonntage in Kiel bei der Familie verbringen konnte.
1917 hatte Freudenberg Heimaturlaub und einen Gaskurs, um das Neueste zu lernen. Zum 1. Januar 1918 wurde er an die Heergasschule nach Berlin versetzt. Gleichzeitig durfte er, dank E. Fischer, einen Arbeitsplatz im Chemischen Institut haben. So konnte Freudenberg vormittags sein Dienst als Lehrer an der Gasschule abhalten, nachmittags im Laboratorium seine Forschungen weiterführen (über die Konstitution des Alkaloids Guvacin und über die Tannase). "Diese Arbeiten setzten mich in den Stand, später in Kiel die Arbeit wieder aufzunehmen." (R., S. 167).
Insgesamt vermochte Freudenberg den Krieg dank seiner gesunden und robusten Natur vergleichsmäßig leicht durchzustehen und heimzukommen - "schäbig, in fremder Kleidung, aber gesund nach der soeben überstandenen Grippe." (R., S. 169).
 
1.5  Wanderschaftsjahre: Kiel, München, Freiburg, Karlsruhe, 1918-1926 
[nach oben]
In Kiel hatte Freudenberg keinen anregenden Kreis gefunden, bekam aber nützliche Erfahrungen in der Technik des Vortrages und in dem Abhalten von Prüfungen. Er
konnte hier auch sein erstes Buch, "Die Chemie der natürlichen Gerbstoffe" (1920) verfassen, das er seinem Vater zugeeignet hat. "Das Milieu, in dem die Arbeit entstand, war die einzig geheizte Stube im Haus, in der sich vier spielende Kinder, ein Säugling und die rundum beschäftigte Hausfrau aufhielten zusammen mit einer Kinderfrau." (R., S. 171). 
Ende dieses Jahres übersiedelte die Familie nach München: R. Willstätter hatte Freudenberg einige Arbeitsplätze für ihn und mitkommenden Doktoranden bewilligt. Nach der Umhabilitation (als Habilitationsschrift wurde das eben erwähnte Buch vorgestellt) bekam Freudenberg die Venia legendi und danach einen Professorentitel.
Die Zeit in München war das einzige Jahr in seinem ganzen akademischen Leben, wo er keine Unterrichtspflichte hatte und sich nur der Forschung widmen konnte. "Von diesem einen Jahr zehre ich noch heute", - sagte Freudenberg 1937 (Ansprache). Gerade damals schuf er sich sein Bild über die Konstitution der Zellulose, das er danach jahrelange weiter erarbeitete und unterstützte.
Die Arbeit "Zur Kenntnis der Cellulose" (April 1921) festigte Anerkennung, die Freudenberg bereits gewonnen hatte; dies führte zu Berufung als etatmäßiger Extraordinarius an das Chemische Institut von Heinrich Wieland in Freiburg. "...ich bin bei ihm als junger Dozent in Lehre gewesen und glaube, dass ich keine bessere hätte haben können, -  sagte Freudenberg im Alter. - Seine Sachlichkeit und Gründlichkeit, das handwerksmäßige Können, sein weiter, auf große Ziele gerichteter Blick und seine unerschütterliche Bescheidenheit haben mir immer tiefen Eindruck gemacht und haben in mir eine dankbare Verehrung groß werden lassen." (An G. v. Hevesy, 5. Febr. 1960, Rep. 14-198). Das waren vorbildliche Erfahrungen für Freudenberg. Wieland gewährte ihm große Freiheit in der Arbeit, die Zahl seiner Doktoranden wuchs. Als Freudenberg zum Wintersemester 1922 dem Ruf nach Karlsruhe als Ordinarius folgte, konnte er 15 Studenten mitnehmen. (An M. Bergmann, 22. Juli 1922, Rep. 14-111). Die Freiburger Periode dauerte also auch nur ein Jahr.
 
Dieser ziemlich rascher Aufstieg von einen Assistenten zu Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektor war das Ergebnis einerseits eigener wissenschaftlichen Bemühungen Freudenbergs, die ihm Ansehen geschafft haben, andrerseits aber auch einer Reihe glücklicher Umstände, allererst des H. Wielands "akademischen Schachspiels" (R., S. 180), die Freudenberg die Stelle eines planmäßigen Extraordinarius in Badischer Stadt Freiburg brachte; dann entstand die vakante Stelle in Karlsruhe und weitsichtiger Hochschulreferent Victor Schwoerer hat Freudenberg für diese Stelle ausgewählt. (s. R., S. 183-184).
Man muss auch an anderen wichtigen Faktor erinnern: materielle Unterstützung des Vaters erlaubte Freudenberg ausschließlich auf seine Wissenschaft zu konzentrieren, ohne um das tägliche Brot für die Familie zu sorgen.
Im Alter gab Freudenberg zu: "Diese Zeit der Wanderschaft war auch die meiner stärksten beruflichen Anspannung." (An K. v. Marval, 11. Juli 1969, Rep. 14-235).
 
Seine Lehrtätigkeit in Karlsruhe öffnete Freudenberg mit der Antrittsvorlesung "Die Farben des Laubes und der Blüten" und fang an, sein Grundkurs der Chemie vorzubereiten. Gleichzeitig kümmerte er um Beschaffung eines arbeitsfähigen Personals. So nahm er sich als Assistent "mit Sondervertrag" einen tüchtigen jüngeren Chemiker, Willstätters Schüler Otto Th. Schmidt, der ihm seitdem viele Jahre zur Seite stehen sollte. Freudenberg beschäftigte sich auch mit der Einrichtung des Instituts. Dabei konnte er wichtige Hilfskräfte
gewinnen. Als Mechaniker, anstatt "des faulen und unfähigen Institutsmechanikers" (R., S. 189) fand er Karl Dezenter, mit dem er an der Front gewesen war. Für die Glasbläserwerkstatt, die Freudenberg im Institut errichten konnte, lud er einen glänzenden Glasbläsermeister Silverius Lohr ein.
"Als ich, - erinnerte sich Freudenberg im Alter, - nach Karlsruhe kam, ... war ich trotz der Inflation in der angenehmen Lage, nicht mehr auf mein weiteres berufliches Fortkommen sehen zu müssen. Ich beschloss Themata auf lange Sicht und unsicheren Ausgangs aufzugreifen. Ich war 36 Jahre alt und durfte nach menschlicher Voraussicht einer langen Arbeitszeit entgegensehen." (R., S. 362). Eben in Karlsruhe, im Jahre 1923 hat er seine Forschung über die Konstitution des Lignins angefangen, die mehr als 40 Jahre dauerte.
 
Die Arbeit in Karlsruhe war schon in vollem Gang, als Freudenberg einen Ruf nach Heidelberg bekam. Der Lehrstuhl an der ältesten deutschen Universität, wo der Ruhm des Dreigestirns Helmholtz, Kirchhoff, Bunsen noch wehte, sah sehr ehrenvoll aus. Aber das dortige chemische Institut hatte damals einen elenden Zustand. "Die eine Hälfte ist von Bunsen gebaut, die andere von Victor Meyer; der Krieg und das Alter meines verehrten Vorgängers Curtius haben das ihre getan, und ich muss das Institut sachlich und moralisch neu organisieren," - so sah Freudenberg seine Aufgabe (An Hixon, 16. Dez. 1925, Rep. 14-103).
 
1.6 Heidelberg, 1926-1933 [nach oben]
Vor dem Umzug nach Heidelberg hatte Freudenberg sieben Monate, um seine Antritt in das dortige Amt vorzubereiten. Diese Zeit benutzte er effektiv: Er erarbeitete ein Plan der Rekonstruktion des furchtbar veralteten chemischen Institut zu Heidelberg und erkämpfte die notwendigen Mittel vom Karlsruher Ministerium. "Im übrigen ist es mir ungeheuer zu Gute gekommen, - meinte Freudenberg vor dem Umzug nach Heidelberg, - dass ich die Übernahme seit mehreren Monaten und ganz aus der Nähe vorbereiten konnte und das Ministerium hier an Ort hatte; so ist in organisatorischer Hinsicht schon ein großer Teil der Arbeit getan und ich glaube, dass selbst dieses alte Heiligtum noch einmal zu einem brauchbaren Institut werden kann." (An B. Helferich, 5. März 1926, Rep. 14-85).
"Ich habe einen Berg von Arbeit vor mir, über den ich zunächst nicht schauen kann, denn ich muss in Heidelberg so ziemlich alles vollständig ändern: Unterricht, Raumverteilung, Verwaltung u.s.w. Die Ausstattung des Instituts muss so gut wie neu beschafft und die bauliche Herrichtung ergänzt werden". (An W. Glund, 5. Febr. 1926, Rep. 14-110).
Am 1. April 1926 trat Freudenberg in neuen Dienst an, der dreißig Jahre dauerte. Sein erstes Semester war anstrengend. Von 7 bis 8 morgens hielt er täglich seine Chemievorlesung und dann arbeitete meistens organisatorisch.
Nach diesem Semester teilte Freudenberg seinem Kollege und Freund Max Bergmann nicht ohne Humor mit:  "Mein erstes Semester hier ist nun herum und ich hoffe, alsbald aus einem Maurermeister wieder ein Chemiker zu werden und sogar soweit zu kommen, dass ich die Literatur der Gebiete, auf denen ich arbeite, wieder lesen kann. Sie sehen also an hohen Zielen fehlt es nicht. Meine Hauptarbeit hier bestand bisher in Abbaureaktionen: Verstaubte Sofas, Bauschutt, Azide, ein Verwaltungsdirektor, überflüssige Architekturteile, Gipsbüsten und was nicht alles sonst musste Waggonweise abgefahren werden. Aber auch Aufbauend ist schon manches geleistet: Die Bibliothek besitzt nunmehr einen Meyer-Jacobson und sogar Houben-Weygl.[„Meyer-Jacobson“ ist ein fundamentales „Lehrbuch der organischen Chemie“, „Houben-Weygl“ – die vierbändigen „Methoden der organische Chemie“.]  Das Wort Komplexverbindungen ist bereits mehrmals gefallen, ohne dass das Institut über die Erschütterung zusammenfiel." (An M. Bergmann, 14 Sept. 1926, Rep. 14-112).
Der letzte Satz hier bezieht sich auf Vorlesungen des talentvollen Walter Hieber, dem Freudenberg die anorganische Abteilung anvertraute. Die organische Abteilung kam an anderem jungen Talent Karl Ziegler. Beide wurden durch Freudenberg bereits während der Karlsruher Übergangsperiode für Heidelberg gewonnen. (Bekanntlich gehören heute W. Hieber und K. Ziegler zu Klassikern der Chemie des 20. Jahrhunderts). Im Ganzen schuf Freudenberg ein Team der Dozenten und Forscher, das Ansehen der Heidelberger Chemie wieder hergestellt hat.
Das fand äußeren Ausdruck in vermehrten ausländischen Kontakten Freudenbergs. Im Sommer 1927 nahm Freudenberg am großen internationalen Kongress für physiologische Chemie teil; im 1929, vom Juni bis September hatte er dreimonatige Reise nach Afrika, wobei er am Kongress der Britischen Association für Beförderung der Wissenschaft im Kapstadt vortrug. Bald danach hatte er drei Vorträge im Imperial Institute in London.
Besonders wichtig war für ihn seine Gastprofessur in den USA, Universität von Wisconsin, im Februar-Juni 1931. Dabei bekam er auch mehrere Einladungen, Vorlesungen und Vorträge in anderen Institutionen und Hochschulen zu halten; insgesamt war es 30 Vorträge in 16 Orten. Außer professionellen und menschlichen Kontakten, außer wichtigen Erfahrungen, auch sprachlichen, bekam Freudenberg Eindrücke zur demokratischeren als in Deutschland Lebensweise der Amerikaner; er bemerkt insbesondere: "Der feierlich reservierte, unnahbare Professor existiert nicht und würde lächerlich wirken." (Bericht über einen Aufenthalt als Gastprofessor an der Universität von Wisconsin, UB Heidelberg, Heid. Hs. 4071, C.1.6). Und weiter: "Wonach man sich hier sehnt, ist das, was bei Ihnen das Beste ist, nämlich die Einfachheit im Verkehr von Mensch zu Mensch. In der Hinsicht könnte Europa unermesslich viel lernen, und es wäre manches besser hier, wenn die Menschen weniger kompliziert sein wollten. Ich bilde mir nicht ein, dass der Amerikaner an sich weniger kompliziert ist als der Europäer; aber der Amerikaner wirft die Kompliziertheit von sich weg, während der Europäer sich gern hinein verbohrt." (An Dr. Karl Paul Link in Madison, 10. Okt. 1931, Rep. 14-221).
Nach der Rückkehr aus den USA wurde Freudenberg zum Dekan gewählt - ein Zeichen seines wachsenden Ansehens von der Seite der Kollegen.
Eigene Arbeiten Freudenbergs, teilweise mit dem Physikochemiker Werner Kuhn, ergaben dann die Erklärung der Struktur nicht nur der Zellulose, sondern auch des anderen wichtigen Polysaccharids, der Stärke. Die ersten glücklichen Jahre in Heidelberg wurden durch das große Kollektivwerk "Stereochemie" gekrönt, das Freudenberg 1933 herausgab und das für Jahrzehnte zum Standardwerk wurde.
Die "gesegnete Zeit" in damaligem Heidelberg erinnerte sich Freudenberg bis zum Lebensende.
 
1.7 Heidelberg 1933-1945 [nach oben]
Die ersten Treffen mit dem Nationalsozialismus wurden durch Auseinandersetzungen mit dem Geheimrat Ph. Lenard, bekannten Physiker und krasseren Nationalisten bedingt: Als Dekan musste Freudenberg sich aktiv mit Lenards Nachfolge am Lehrstuhl der Physik beschäftigen (s. Mußgnug, S. 172-174).
[Es scheint ratsam, hier Freudenbergs Meinung über Lenard zu zitieren: ?Einer innerlich zerrissenen Natur wie seiner fehlte jegliches Gefühl für den Wert der Persönlichkeit? Vor der Hitlerzeit, in seinem Amte, war er bekannt für die schonungslose Ausübung seiner Macht ? Knechtung der Assistenten und Angestellten, Gewinnsucht. Später nutzte er seine politische Macht in weiteren Rahmen, ebenso skrupellos aus. Was waren seine Ziele? Ich bin in jahrelanger Beobachtung zu der Ansicht gelangt, dass er an Machtgier litt und alle bekämpfte, denen er auf seinem Fachgebiet nicht folgen konnte. Und diesen Kampf führte er schlau und heimtückisch aus der Verborgenheit.? (Lenard, nach Antrag des Rektors, 12. Febr. 1946, Rep. 14-222; s. auch Neumann; Heiber, S. 378-380).
"Als 1933 Hitler die Macht übernahm, war ich bereits ein abgestempelter Nazigegner und Judenfreund mit dem ehrenden Prädikat «nicht aufbaufähig»", - erinnerte sich Freudenberg im Alter (Schriften, III, S. 5). Sein Versuch - damals als stellvertretender Dekan - die Entlassung der Juden zu hemmen auf dem Grund, dass es "eine einheitliche arische oder deutsche Rasse nicht gibt, ... ebenso wenig gibt es eine einheitliche jüdische Rasse", war freilich vergeblich. (UA Heidelberg, Akten der Naturwissenschaftlich-mathematischen Fakultät, Schreiben Freudenbergs vom 15. April 1933).
Zuerst rechnete man im Nazilager damit, dass Freudenberg ausreichend nicht arisch sei, um sofort entlassen zu werden. Das erschien nicht der Fall. "Der «Kanzler» der neu besetzten Universität hat in einem größeren Kreis den Anspruch getan: «Der Freudenberg ist untragbar, aber es ist ihm nicht beizukommen»", - erzählte Freudenberg später (R., S. 230).
 
"Prof. Freudenberg war nach 1933 einer der bei den Nazis in Heidelberg bestgehassten Männer. Dozenten- und Studentenschaft veranstalteten gegen ihn wahre Kesseltreiben" - so lautet Karl Zieglers Zeugnis (Brief an stellvertretenden Dekan vom 2.3.1946, Rep. 14-16).
Wirklich, die Angriffe ließen sich nicht warten. Bereits im Mai 1933 hatte Freudenberg sich gegen verleumderische Schrift, er sei "Dreifachverdiener", (in der Heidelberger-Bürger-Zeitung vom 21. Mai 1933) zu verteidigen; die Sache dauerte bis zum Herbst 1933. (Rep 14-582) Die Fakultätsverhältnisse charakterisierte Freudenberg später wie folgt: "Der Fakultätsausschuss bestand aus dem damals allmächtigen «Vize-Kanzler» Professor Hans Himmel, dem Fachschaftsleiter für Naturwissenschaft Kubach, dem Professor Wesch und einigen anderen nazistischen Professoren. Hinter Kubach und Wesch stand Lenard. Die Gruppe Himmel, Kubach und Wesch diktierte. Auch der damalige Direktor des «Lenards Instituts» Professor Becker war von diesen Herren abhängig." (Erklärung, 16. Aug. 1946, Rep. 14-59) In diesen Umständen wurden auch Freudenbergs Bemühungen, das normale Fakultätsleben vor Verfall zu retten "begraben durch Geheimhaltung von Absichten und Entschlüssen, welche die Lehrstuhlinhaber und die Gesamtheit der Fakultät angehen." (Freudenberg an Dekan, 18. Jan. 1943, Rep. 14-313)
 
Dauernde offene und unterirdische Angriffe verstärkten sich um 1935/36. Hier ist Zeugnis Freudenbergs vom 28. Nov. 1945: "Der lange Zeit latente Kampf war dadurch lichterlich entbrannt, dass ich einen meine Belange als Institutsdirektor berührenden Anschlag der Studentenführung vom schwarzen Brett entfernt hatte. Nun ging eine Hetze in Versammlungen gegen mich und das Institut los, während einer ausländischen Vortragsreise wurde sogar eine Hetzversammlung im Institut abgehalten. Man gewann einen der Assistenten - Dr. Bader - für Spionendienste und nun war der Teufel los. Damals nahm [Otto Theodor] Schmidt mit meinem Wissen Beziehungen zum Dozentenbundsführer auf. Als es uns gelungen war, Bader loszuwerden, hielt Schmidt von nun an Ordnung unter den Assistenten mit dem Erfolg, dass das Institut von da an Ruhe hatte. Das war für mich und das Institut ein ungeheuer Dienst und bleibt unvergessen." (Rep. 14-58).
"Aber der Ton in der Universität, verbunden mit dauernden Verleumdungen, war unleidlich." (Schriften, III, S. 5; einige weitere Einzelheiten s. Mußgnug, S.176-177).
Die Hilfe kam von der Seite der Industrie in Person von Karl Krauch, damals Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung im Reichsamt für Wirtschaftsausbau. Im Oktober 1937 Vertreter dieses Amtes machten Freudenberg den Vorschlag, ein Vierjahresplaninstitut bei ihm zu errichten, weil seine Arbeiten über Zellulose und Lignin im Sinne der Autarkie wichtig seien. Freudenberg erwiderte, dass man aus ihm keinen technischen Chemiker machen könne. Dann wurde präzisiert, dass man lediglich seine bisherige Richtung unterstützen wolle, ohne Forschungsaufträge zu stellen. Bei weiterer Besprechung, schon in Berlin mit K. Krauch, war dieser einverstanden, dass das geplante Institut nach außen nicht in Erscheinung trete, sondern im Innern des vorhandenen Chemischen Instituts untergebracht würde, so dass Freudenberg in seiner Stellung als Direktor des Chemischen Instituts nicht beeinträchtigt werde. Die Gegenleistungen, die man von der Seite Freudenberg verlangte, waren ganz annehmbar: die Forschungsergebnisse mussten vor der Veröffentlichung dem Reichsamt für Wirtschaftsausbau mitgeteilt werden; Freudenberg durfte keine Gutachten für die Industrie geben (gemeint wurde die Zellstoff-Fabrik Waldhof in Mannheim). Anstatt erhielt er erhebliche Mittel: Einmalig 50000 RM zur Herrichtung der Räume und Anschaffung der nötigsten Apparate, dabei der Jahres Etat war zuerst auch etwa 50000 RM und stieg später auf etwa 170000 RM. Das zusätzliche Gebäude wurde erworben und als Laboratorium hergerichtet.
Das Institut kam im Frühjahr 1938 (offiziell ab 1. April) in Gang. Es unterstand nicht der Universität, sondern dem Reichsamt für Wirtschaftsausbau. Das "war ungemein nützlich, denn die Besuche der Herren Himmel und Genossen hörten schlagartig auf, man hatte Respekt vor der Einrichtung und ließ uns in Ruhe." (Antworten auf die Fragen von Dr. R. Bollmus, 24. März 1969, Rep. 14-28).
Nennenswert ist auch, dass mehrere "Nichtarier" unter diesem Dach eine Zufluchtstätte finden konnten, die keine andere Chance für Arbeit hatten.
Es wäre falsch, sich Freudenberg als offener Kämpfer gegen Nationalsozialismus vorzustellen. Er war stiller, aber zäher Gegner, der um Tarnung kümmern musste. So schildert er sich in seinen damaligen Briefen nach Ausland als Anhänger der Regierung. (An G. Barger, 17. Juli 1933, Rep. 14-111; An McLaughlin, 3. Mai 1940, Rep. 14-222).
Später gab Freudenberg zu: "...Alles was Lüge im Naziregime. Man musste Briefe mit Heil Hitler unterschreiben. Die  «Nationalhymnen» musste man, anfangs wenigstens, kauen, d. h. man musste durch leichte Bewegung der Kiefer nicht ganz untätig bleiben. Man musste das Abhören ausländischer Sender selbst vor Freunden geheim halten, wusste man doch nie, ob nicht ein Unvorsichtiger es weiter erzählte. In Stammgesprächen mussten Decknamen gebraucht werden ? und was der Halbheiten und Unaufrichtigkeiten mehr waren. Waren sie nötig? Wer im Amt stand, musste durch kleine Konzessionen die Aktionsfreiheit im Großen einkaufen. Anders ging es nicht es sei denn, dass man ganz in die innere Emigration ging."
(Begegnungen mit dem Nationalsozialismus. 15. März 1946, Rep. 14-13).
Freudenberg hatte auch eine gipserne Hitlerbüste in seinem Institut zu dulden. Als die Amerikaner kamen, konnte Freudenberg mit seinem treuen Hausmeister Dezenter diese Büste zusammenschlagen und in den Müllhaufen schmeißen. "So war doch schließlich die Substanz des Instituts gerettet", erinnerte er später in einem Brief. (An R. Juza, 10. Dez. 1974, Rep. 14-47).
(Allerdings wurde diese Hitlerbüste im Institut als Zeugnis der nationalsozialistischen Gesinnung Freudenbergs in Denunziationen gegen ihn benutzt. Darüber aber später).
 
Der Krieg brachte Unglück in die Familie. Im Juni 1940 wurde Hermann bei einem meteorologischen Erkundungsflug über Frankreich abgeschossen. Ein Jahr später kam Bescheid über den Tod des jüngsten Sohns Klaus an der Ostfront. Freudenberg verbirgt seine Not, nur zwei Gedenksteine in seinem Garten sagen davon. Umso mehr sorgt er für das Überleben des Rests der Familie. Sei hier ein Dokument zitiert werden, von dem es keine Kopie im Nachlass Freudenbergs gibt (es ist handgeschrieben):
"Am 22. stellt sich bei Ihnen der Schüler von Hans Fischer, Herr Dr. Hans Plieninger vor.
Dr. Pl. Ist der einzige Sohn seines im Weltkrieg gefallenen Vaters. Auf ihn trifft daher die Verfügung über «letzte Söhne» zu, von denen der Führer wünscht, dass sie in rückwärtigen Stellungen usw. verwandt werden.
Dr. P. ist mein zukünftiger Schwiegersohn. Wegen des Soldatentods meiner beiden Söhnen ist es mir ein Anliegen, dass zur U. K.-Stellung des Dr. P. von dieser Verfügung mit allem Nachdruck Gebrauch gemacht wird. Es handelt sich hierbei nicht meinen eigenen Kinderkreis, sondern auch um die Nachwuchsfrage der weiteren Familien. Das Weinheimer Haus hat in diesem Kriege bereits 5 Gesellschafter verloren, andere sind bei Fallschirmjägern u. der U-bootwaffe usw. auf das Schwerste gefährdet.
Dr. Plieninger wird vermutlich diese Frage nicht berühren. Ich bitte auch, ihn von diesem Brief keinen Kenntnis zu geben." (An W. Reppe (IGF, Ludwigshafen),  21. Dez. 1941, Unternehmensarchiv der BASF, Personalakten H. Plieninger).
Diese Bitte hat geholfen.
Auch in seinem Institut musste Freudenberg sich um die Anerkennung einer möglichst hohen Kriegswichtigkeit der Arbeiten bemühen - um seine Mitarbeiter vom Militärdienst zu retten. "In dem Dritten Reich konnte man sich manchmal nur mit Übertreibungen seiner Haut wehren, besonders dem allmächtigen Militär gegenüber", - erklärte er später (Bericht über das Institut für die Chemie des Holzes und der Polysaccharide. 27. Jan. 1946, PA 3804). Es gelang ihm, in sehr mühsamer Arbeit bei dem Wehrbezirkkommando Heidelberg und dem Rüstungskommando in Mannheim, mehr als zehn Männer den ganzen Krieg hindurch vom Militär freizuhalten, obwohl gab es auch Fälle, wo er seinen Kampf verlieren sollte. So wurde 1939 sein Kollege Prof. Otto Th. Schmidt einbezogen und erst 1942 zurückgesetzt. 
Hier kam zum Glück eine neue Verordnung: Ab 1943, dank Initiative von Krauch, wurde es möglich, Studierende, Assistenten und Professoren der Chemie, Physik und technischer Fächer vom Heerdienst zurückzuziehen - um sie nach "Endsieg" sofort zur Stelle sein könnten (sogenannte "Osenberg-Aktion"). "Meine alte Praxis als Bataillonsadjutant kommt mir noch zu guterletzt zu gute. Es geht bei uns manchmal wie in einer  Militärschreibstube zu." (An C. Schöpf,  15. Jan. 1945, Rep. 14-91). Später erzählte Freudenberg: "[Ich war] ganz enorm beschäftigt mit Institutsangelegenheiten, insbesondere mit der Zurückberufung von Chemikern, die dem Institut angehörten: Laboranten, Studenten, bis zum Kollegen Schmidt. ... Ich konnte 40 Leute zurückholen, um nach «Endsieg» sofort die Arbeit aufnehmen zu können. Einer kam noch 14 Tage vor den Amerikanern zu diesem Zwecke bei mir an."  (An Fr. Cramer, 13. Nov. 1974, Rep. 14-137).
Die Lebensumstände des letzten Kriegsjahres werden in einem der damaligen Briefe so widerspiegelt: "Unsere Arbeit ist tatsächlich durch die vielen Alarme sehr gestört, wenn auch zurzeit weniger als vor 14 Tagen. Unangenehmer noch sind die Gassperrstunden. Die Studenten helfen sich, indem sie einen mit Spülalkohol beladenen Luftstrom in die Bunsenbrenner führen; aber das ist ein Notbehelf... Abgesehen davon geht das Leben seinen ruhigen Gang. Die Angriffe auf Darmstadt und vor allem Bonn haben uns geängstigt. Wir sehen keinen Grund mehr, warum Heidelberg verschont bleiben sollte, wenn die Kriegshandlungen näher rücken. Von Metz her hört man dauernd Kanonenlärm. Militärische Sachverständige beruhen uns mit das Aussage, dass Heidelberg für den Gegner militärisch uninteressant sei. Hoffen wir das." (An Dr. Telchow, 25. Okt. 1944, Rep. 14-92).
 
1.8 Die ersten Jahre nach dem Krieg, 1945-1949 [nach oben]
Für Heidelberg kam der Krieg zum Ende am 30. März 1945 als die Stadt durch die amerikanischen Truppen (7. Armee) besetzt wurde. Eben vor dem hat Freudenberg sein Institut geschlossen. Neben der Vernichtung der Hitlerbüste ergriff er noch eine Vorsichtsmaßnahme: Alle Platingeräte wurden geheim aus dem Institut genommen und in Freudenbergs Garten sorgfältig vergraben bis zu besseren Zeiten. 
Während April und Mai war seine Hauptsorge das Bewahren des Instituts vor Besetzung durch eine oder andere Militärabteilung. Er schrieb viele Petitionen an amerikanische Besatzungsmächte, unter anderem mit den Hinweisen auf Haagsche Konvention und hatte Glück, das Verständnis bei Thomas Emmet, dem damaligen Special Agent CIC (Counter Intelligence Corps [Spionageabwehr]) zu finden, so dass auch sein eigenes Haus von Beschlagnahme zuerst verschont wurde. Der Schutzbrief unterschrieben durch Emmet ist mit 11. April 1945 datiert [In denselben Tagen, am 10. April hat sich Professor Ernst Müller, Leiter der anorganischen Abteilung des Chemischen Instituts, das Leben genommen nach Beschlagnahmen seines Hauses durch Amerikaner.]. Das war der Teilnahme Freudenbergs in dem beratenden Ausschuss zu danken, der durch eine Aufforderung von Emmet gebildet wurde und den Neuanfang der Universität konzipieren sollte. In der Geschichte der Universität ist er als "Dreizehner Ausschuss" bekannt.
 
Der Ausschuss tagte bei dem Juristen Gustav Radbruch unter Vorsitz zuerst von Theologen Martin Dibelius, dann unter dem von Freudenberg, der inzwischen zum Dekan der naturwissenschaftlich-mathematischen Fakultät nicht ex officio, sondern als Person gewählt wurde. Insbesondere erwirkte der Ausschuss bei der amerikanischen Seite die Wahl zum Senat, die am 8. August 1945 stattfand. Bekanntlich wurden Chirurg K. H. Bauer zum Rektor, Historiker Fr. Ernst zum Prorektor und Philosoph K. Jaspers zum "ersten Senator" gewählt. Freudenberg als Dekan der Naturwissenschaftlich-mathematischen Fakultät war nun Mitglied des Senats.
Um die Wiedereröffnung der Universität durchzusetzen, brauchte der Senat die volle Anstrengung seiner Kräfte. Zu rührenden Zeugnissen der damaligen Zeit gehört die dem Senat 1945 durch den Herausgeber zugeeignete Sammlung von Dokumenten und Reden von 1945/46. Hier nur ein Zitat daraus: 
"Die Schließung der Universität, die zahlreichen Beschlagnahmen, die Entlassungen des größeren Teiles des Lehrkörpers, des größten Teiles der Verwaltungsbeamten, die finanzielle Blockade, anderseits der riesige Ansturm der Studierenden mit ihren so vielseitigen Nöten und Sorgen, übergangsbedingte Angriffe von verschiedenen Seiten, die Denazifizierung und nicht zuletzt die allgemeine Not ringsum, das alles brachte manche scheinbar ausweglose, ja verzweifelte Situation." (Bauer, 1947, S. V).
Die Wiedereröffnung der Universität war durch den Ausschuss und Senat schrittweise durchgesetzt: Zuerst wurden die medizinische und theologische Fakultäten und am 7. Januar 1946 die ganze Universität geöffnet. 
Diese Fortschritte waren möglich allererst dank der "mit innerem Feuer betriebenen Arbeit" des Dreizehner Ausschusses und des Senats - "eine stets einige geschlossene nie wankende und auch nie erschütterte Phalanx" (Bauer, 1946, S. 7), aber auch dank dem Verständnis des amerikanischen Offiziers, von Oktober 1945 bis März 1946 zuständigen für die Universität, Major Earl Crum [Earl L. Crum (1891-1961), im Zivilberuf Professor der klassischen Philologie an der Lehigh University in Pensilvania. 1949, als er Gastprofessor in Heidelberg war, verlieh ihm die Universität die Würde eines Ehrensenators. 13. Juni 1951 schrieb Crum an den Senat der Universität: ?Die Studenten der Universität sollten niemals die edlen und unaufhörigen Bemühungen des Ersten Senats und anderer Mitglieder des Lehrkörpers vergessen, die unermüdlich tätig waren, um eine gespaltete Universität zu stabilisieren und wieder stark zu machen? (UA Heidelberg, B-1884/8).].
 
Leider bekam die Universität auch die Widersache in Gestalt des für Heidelberg zuständigen CIC-Offizier Daniel Pencham. Er begegnete die Universität mit doppeltem Misstrauen - gegen das Volk Hitlers im Allgemeinen und gegen die deutsche Universität als einer "Brutstätte der Reaktion". Pencham, der nach Wort von Fritz Ernst, "persönlich integer und hochbegabt war, aber zweifellos ein schwerer schizoider Psychopath" (Ernst, 1996, S. 68), versuchte die Universität wieder zu schließen und brachte viel Ärger auch für Freudenberg persönlich.
Am 26. Januar 1946 verhaftete man Freudenberg als angeblichen aktiven Nazi. Nach dem scharfen Schreiben des Rektors Bauer an die amerikanischen Behörden wurde Freudenberg am übernächsten Tag befreit und nach Hause gebracht - eben vor seinem 60. Geburtstag. Nach einer Woche publizierte die "Rhein-Neckar-Zeitung" (6. Febr. 1946) eine verleumderische Information von Deutschen Allgemeinen Nachrichtenagentur, dass Freudenberg sich als "überzeugter Vertreter faschistischer Ideologie" zeigte. Dies erregnete Empörung und mehrere Proteste in Heidelberg. Trotzdem war Freudenberg durch den amerikanischen Befehl vom 14. Februar 1946 von der Universität entlassen.
Nachträglich wurde folgendes bekannt: Bei Pencham ("ein äußerst gewissenlosen und leichtgläubiger Offizier", - charakterisierte ihn Freudenberg ganz gelinde) erschien ein Student (Fr. W. Bayer), der nach dem Einmarsch der Amerikaner "in unerwarteter Weise ein extremer Nazifresser geworden war (sein Vater hatte eine Schnapsfabrik aus jüdischer Hand übernommen)" und eben dieser Bayer hat Freudenberg "an allen Ecken und Enden denunziert." (An Fr. Cramer, 11 Nov. 1974, Rep. 14-137).
Dazu kamen später auch falsche Anzeigen von dem a.o. Professor für Zoologie Joseph Spek, der auf diese Weise die Stelle des Direktors des Zoologischen Instituts für sich erwerben wollte. (Freudenberg hielt ihn für untauglich und war dagegen). Seine Anklagen waren schamlos, so, Freudenberg Anhänger der NSDAP sei weil, seine Söhne im Krieg teilnahmen.
 So sollte Freudenberg gegenüber amerikanisches Militärgericht verantworten wegen angeblicher Verletzung der Verfügungen zur politischen Säuberung.
Die Lage war damals bitter ernst. "Denn niemand wusste was eigentlich alles vorlag und es hätten ... unbekannte Sünden zu Tage zu kommen", schrieb Freudenberg an Rektor später. (An K. H. Bauer, 30. Sept. 1946, Rep. 14-23).
Die Anklageliste - vier Hauptpunkten auf fünf Blättern wurde erst 4. Juni 1946 beendet. Sie schlossen ganz verschiedene Punkte ein und basierten auf der Nichtausführung von der Militärregierung erlassenen Anordnungen. Zum Beispiel, Freudenberg verschwiege die Auszeichnungen (die Orden für das Erste Krieg, die Alexander Mitscherlich Münze usw.). Oder: Freudenberg habe während 2 Monate nach seiner Entlassung "weiterhin seinen Einfluss in der Leitung der Universität gemacht". Besonders erhebliche Quelle der Anklagen bildete das Forschungsinstitut, das angeblich eine Parteiinstitution war und Kriegsbedürfnisse bediente.
Mit der Hilfe des erfahrenen Rechtsanwalten Dr. Wilh. Zutt, der viele positive Zeugnisse für Freudenberg herangezogen hat, wurden alle Anklagen widerlegt. Am 10. Juli 1946, nach dreitägiger Verhandlung, wurde Freudenberg freigesprochen (PA 3804). "'Not guilty' liegt mir noch in die Ohren", - schrieb Freudenberg in seinen Lebenserinnerungen (R., S.  251).  "Es ist ein merkwürdiges Erlebnis, mit einem Schlage wieder unter vollberechtigten Zeitgenossen zurückversetzt zu sein. Ich hoffe nun in kürzester Zeit äußerst uninteressant zu werden." (An Cl. Schöpf,  15. Juli 1946, Rep. 14-276).
Wiedereinsetzung ins Amt folgte aber erst Ende September: deutsche Behörden in Karlsruhe und in Stuttgart eilten gar nicht. (s. auch Mußgnug, S. 183)
Irgendeine Stabilität - im Vergleich mit dem Sommer 1945, gezeichneten von Hunger und Unsicherheit, und großen Hoffnungen - stellte sich ein. Das Leben wurde aber nicht leichter. Als Nachspiel der Entlassung im Februar erfolgte die Umsiedlung: Im August 1946 musste Freudenberg sein Haus den Amerikanern abgeben und zusammen mit den Familien seiner Töchter für drei Jahre eine ziemlich enge Wohnung beziehen. 
Jedoch konnten die Freudenbergs sich nun eine kurze Erholung in Oberstdorf erlauben. "Es war die Zeit, in der alle Welt Pilze suchte. Wir trockneten die unsrigen an langen Schnüren in der Sonne. Bald kehrten wir zurück, beide mit geschwollenen Füßen." (R., S. 253).
Lebensmittel waren knapp. Allerdings ging es den Freudenbergs besser als der Mehrheit der Bevölkerung dank der Hilfe von den Freunden aus dem Ausland. Hier sind zwei Abschnitte aus seinen damaligen Briefen:
"Ihre freundliche Frage, ob Sie mit Lebensmitteln helfen können, muss ich leider mit ja beantworten. Die Lage ist so, dass ein Minimum, mit dem man bei Schonung aller Kräfte gerade auskommt, vorhanden ist, und dass es nun gerade darauf ankommt, etwas darüber hinaus zu haben, wenn man sich ein wenig regen soll. Fett, Käse, Trockenmilch sind am begehrtesten und ähnliche Hilfen auf dem Gebiete der Fette und Eiweißkörper. Entschuldigen Sie, dass ich so ausführlich bin über diesen Punkt, aber ich glaube, man kann sich draußen schwer vorstellen, was am meisten nottut." (An E.  Hägglund, 19. Juli 1946, Rep. 14-196).
Und ein Dank für Lebensmittelpaket: "Ich habe meiner Frau vorgeschlagen, einfach eine Reihe von Tagen hintereinander daraus zu leben und sich auf diese Weise von der strapaziösen Nahrungssuche zu erholen. Bei unserer Ernährungslage ist nämlich der Mangel nicht der einzige Nachteil, das wenige, das man bekommt, muss sehr mühsam von der Frauen durch ewiges Schlangestehen zusammengeholt werden. Wenn sie dann ein oder zwei Stunden gestanden haben unter lauter missmutigen Menschen und schließlich mit weniger als erwartet oder mit gar nicht heimkommen, ist es oft schwer, den guten Mut oben zu behalten. Was die Frauen heute leisten, kann gar nicht genug gerühmt werden. Die Kinder sehen immer noch verhältnismäßig gut ernährt und gehalten aus. Das ist zum größten Teil das Verdienst der fleißigen und tüchtigen Hausfrauen." (An W. F. Zimmerli,  21. Dez. 1946, Rep. 14-319).
 
Die damaligen Umstände machten große Anforderungen an Studenten wie auch an Dozenten. So, waren Gas und Strom während des größten Teils des Tages abgestellt. "Morgens zwischen 5 und 7 konnte man destillieren oder Tiegel glühen." (Cramer, S. 68).
Als Zeichen der damaligen Verhältnisse - eine Bitte, die am Schluss des Programms für die Tagung der Chemiedozenten stand, sie fand im April 1947 in Heidelberg statt: "Die Glasvorräte des Chemischen Instituts der Universität erlauben es nicht länger, die Anfänger unter den Studierenden der Chemie und des Lehrfaches mit dem nötigen Gerät auszufallen. Der Einzelne kann nichts kaufen. Uns fehlen in diesem Jahr etwa 100 Anfängergarnituren." (Rep. 14-541).
"Wir sahen Freudenberg fast täglich, - erinnerte Fr. Cramer. - Er war zu jener Zeit ein wenig müde, manchmal abwesend, unterernährt. Rückblickend muss ich sagen, dass er mit 90 jünger und lebendiger wirkte, als in den ersten Jahren nach dem Kriege, in denen er auch innerlich noch so vieles aufzuarbeiten hatte." (Cramer, S. 68).
"Die wissenschaftliche Arbeit geht langsam voran, weil die Arbeitskraft der Mitarbeiter geschwächt ist. Sie sind schlecht ernährt, haben nicht genügend Nachtruhe wegen der Überfüllung der Wohnungen, müssen sich Geld hinzuverdienen, müssen Lebensmittel beischaffen und haben zu wenig Chemikalien und Glas. Das kann nur langsam besser werden." (An R. M. Hixon,  4. Nov. 1947, Rep. 14-195).
Außer dem materiellen Elend war die Arbeit auch durch die fehlende Information gehindert. "Was in der Welt seit 10 Jahren erschienen ist, kann ich wohl erst feststellen, wenn ich einmal ins Ausland komme und Bibliotheken sehe. Wir hängen noch schlimm in der Luft", konstatierte Freudenberg im Mai 1947. (An H. Mark, 8. Mai 1947, Rep. 14-231). 
Die ersehnte Fahrt nach Ausland konnte erst im Frühjahr 1948 stattfinden, nach langen Bemühungen bei den amerikanischen Behörden. Es war Schweden, wo Freudenberg nach der jahrelangen wissenschaftlichen Isolation fahren durfte. 
"In wissenschaftlicher Hinsicht fühle ich mich, - schrieb Freudenberg nach der Rückkehr, - wie ein Kompanieführer, der nicht mehr im Nebel herumtappt, sondern mit seiner Truppe rechts und links den Anschluss in der Frontlinie gefunden hat." (An Prof. Hägglund, 6. Juli 1948, Rep. 14-196). "Das lähmende Gefühl, im Leeren zu arbeiten und die Arbeitskraft der Mitarbeiter vielleicht an überholten Aufgaben zu vergeuden, ist mir genommen." (Bericht vom 13. Mai 1948, Rep. 14-559).
"Das war eine großartige Auffrischung. Weiß ich doch wieder, wo ich stehe mit meinen Arbeiten. Ich bin mit einem gefestigten Arbeitsprogramm zurückgekommen und spure schon, dass mehr Zug hinein kommt, auch bei meinen Mitarbeitern". (An Berthold Reuter, 13. Okt. 1948, Rep. 14-257). Freudenberg hatte damals wichtige Literatur seiner Arbeitsgebiete gesammelt, viele Laboratorien besucht und mit einem Programm für die weiteren Forschungen zurückgekehrt. Außerdem war es eine große Erholung, bei fehlenden 25 kg seines Gewichts hatte er in neun Wochen 5 kg zugenommen.
Gleich nach der Rückkehr, erzählte Freudenberg, "bin [ich] in einen wahren Strudel geraten, war schon mehrmals verreist, habe Vorträge gehalten und 2 Enkel getauft. Jetzt hält uns die Währungsreform gehörig in Atem. Zahllose Studenten haben ihre kleinen Ersparnisse verloren und müssen aufhören. Diese Auswahl nach dem Besitz ist äußerst unglücklich. Das Währungsgesetz hat den kleinen Sparer nicht berücksichtigt und wirkt in dieser Hinsicht sehr unsozial. In anderer Hinsicht ist es wieder gut, am besten stellt sich der in fester Arbeit stehende. Wie es im Gesamten ausgeht, kann man noch nicht wissen." (An Prof. Hägglund, 6. Juli 1948, Rep. 14-196). Bekanntlich wurde im Juni 1948 die Währungsreform durchgeführt. Nach einigen Monaten, so Freudenberg etwas humorvoll, "leben wir im Institut wie die Lilien auf dem Felde, die Kassen sind leer und die Studenten haben erst recht kein Geld, aber der Herr im Himmel ernährt uns doch, einstweilen wenigstens. Wir machen fleißig Schulden und melden sie in angemessenen Abständen einer hohen Regierung, die dazu schweigt. Man solle wenigstens denken, dass bei diesem Zustand die Arbeit nachließe, aber das Gegenteil ist der Fall." (An C. Schöpf 12. Nov. 1948, Rep. 14-276). Und in einem anderen Brief: "Die Wirtschaftslage geht auf und ab. Man hört Pessimisten und Optimisten. Zu letzteren zähle ich, nicht aus Kenntnis der Lage, sondern aus dem Glauben, dass das Leben stärker ist, als Gesetze, Beschränkungen und böse Absicht." (An Fr. Brauns,  2. Dez. 1948, Rep. 14-100).
Das Leben wurde allmählich besser. Seit August 1949 wohnte er mit Doris "in einem kleinen selbstgebauten Haus, mit dem wir sehr zufrieden sind. Insbesondere freue ich, wieder einen Garten zu haben." (An R. Adams, 11. Apr. 1950, Rep. 14-133). Bald wurde er zum Rektor gewählt.
 
1.9  Die letzten Jahre im Dienst, 1949-1956 [nach oben]
Bezüglich seines Rektorsamts bemerkte Freudenberg einmal: "Es ist gewiss ehrenvoll und ohne Zweifel interessant. Denn man kommt mit einer Fülle von interessanten Menschen zusammen. Aber die Arbeit ist viel und manchmal weiß ich nicht, wie man in Schwaben sagt, ob i a Männle oder a Weible bin." (An H. Kienle, 15. Okt. 1949, PA 3802).
Wirklich, nahmen die Rektoratsgeschäfte den größten Teil seiner Arbeitskraft in Anspruch. Dazu kamen auch gleichfalls mit dem Rektorat verbundene mancherlei gesellige Verpflichtungen, viele Dienstreisen "und alle mögliche Abhaltungen", - erklärte Freudenberg den Umstand, dass er seiner Privatkorrespondenz "schon lange nicht Herr werde".
Seine diplomatische Kunst, die ihm im Dritten Reich beim Durchstehen vom Nutzen war, dient ihm nochmals, als er zwischen Besatzungsmächten und deutschen Verwaltungsstellen seine Linie durchführte.
Die Hauptaufgabe, die Freudenberg sich gestellt und teilweise während seines Rektorsjahres erfüllt hat, war die Entscheidung über den Neubau für die Universität. In den zähen Verhandlungen mit der Stadt wurde ein großes damals unbebautes Grundstück ("Im Neuenheimer Feld", in dem Nordteil der Stadt) dazu reserviert. 
"Das Rektorat ist zu Ende gegangen und ich freue mich, dass ich ohne nennenswerten Unfall aus der Affäre herausgegangen bin. Es kann gar zu leicht passieren, dass man eine große Dummheit macht oder Entscheidung treffen muss, die einem hinterher vorgeworfen wird. Aber es war eine große Anstrengung, auch für meine Frau." (An H. Hahn,  7. Dez. 1950, Rep. 14-196).
"Vorgestern war nun die endgültig Übergabe des Rektorats auch vor der Öffentlichkeit, und nun bin ich wieder ein freier Mann, soweit man das als Institutsdirektor sagen kann." (An H. v. Euler, 25. Nov. 1950, Rep. 14-83). Seine nächste Aufgabe war, das Chemische Institut auf dem reservierten Grundstück neu aufzubauen.
Inzwischen wurde Freudenberg 65 und durfte um Emeritierung denken. Er sollte aber zuerst den Neubau beginnen und einen Nachfolger finden. Um seine Nachfolge kümmerte er sorgfältig. Als beste Kandidatur fand er bedeutenden Organiker Georg Wittig, damals Professor in Tübingen, und konnte ihn überzeugen, den Ruf nach Heidelberg anzunehmen. Natürlich half hier der Neubau des Chemischen Instituts.
Am 22. November 1956, als G. Wittig schon ins Amt angetreten hat, fand das Zeremoniell des ersten Spatenstichs zum zweiten Bauabschnitt statt. Freudenberg als erster den Spaten ergriff. In seiner Rede sagte er: 
"25 Jahre habe ich dies Ziel verfolgt, bis die erste Bauabschnitt Wirklichkeit wurde, und ich habe oft gefürchtet, dass meine Zeit vorher ablaufen werde. Aber man soll nicht in Provisorium leben, und auch mit 65 und mehr Jahren handeln, als lebe man in einem Dauerzustand." (Aus der Ansprache beim Spatenstich für den Institutenbau, 22. Nov. 1956, Rep. 14-534). Er betonte wieder die Notwendigkeit, dass die ganze Universität hier komme. Dann wandte Freudenberg zu seinem Nachfolger mit doppelsinnigen Worten: "Ich drücke Ihnen das ganze Werkzeug in die Hand" und überreichte ihm den Spaten.
 
1. 10  Im Ruhestand, 1956-1983 [nach oben]
Mit mehr als 70 Jahren emeritierte sich Freudenberg. Sein 70. Geburtstag wurde durch eine Besondere Sitzung in der Universität gefeiert. 
"Am Samstag vor dem [70.] Geburtstag war vormittags eine Tagung der Heidelberger Chemischen Gesellschaft und der Gesellschaft Deutscher Chemiker mit einem persönlichen Teil, der sehr schön und freundschaftlich verlief. Schon der erste Redner, Helferich, hat als Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker, vor allem aber als alter Freund aus der Studienzeit einen ganz persönlichen [Ton] ausgeschlagen, der offenbar auch die weiteren Redner gewirkt hat. Dann folgten drei wissenschaftliche Vorträge von früheren Dozenten meines Instituts, die ganz hervorragend waren, Juza aus Kiel, Werner Kuhn aus Basel und Karl Ziegler aus Mülheim. Am Abend gab es einen stattlichen Fackelzug und danach ein großes Treffen, zu dem die Mehrzahl meiner Mitarbeiter von den Anfangszeiten an erschienen war. Es war ein schönes Wiedersehen." (An Gerhard Hess, 13.März 1956, Rep. 14-197).  "Die Gesellschaft Deutscher Chemiker und die Heidelberger Chemische Gesellschaft hatten den Tag arrangiert und keine Behörden waren eingeladen. So war man ganz unter sich....Ein originelles Geschenk bekam ich von der Heidelberger Akademie in Gestalt einer schon 2m hohen Metasequoia. Dies ist der interessante Baum, der schon lange als fossil bekannt war und vor zehn Jahren lebend in China entdeckt worden ist." (An Bror Holmberg, 12. Juni 1956, Rep. 14-197). (Nach etwa 15 Jahren berichtete Freudenberg: "Das Metasequoia.... steht vor dem Organisch-Chemischen Institut und ist ein prachtvoller Baum geworden, gegen 20m hoch und unten am Stamm 30cm dick. Er ist ein Symbol, über das ich mich immer freue." (An H. Kienle, 22. Okt. 1970, Rep. 14-218)).              
 
Nach der Emeritierung leitete Freudenberg ehrenamtlich sein "Forschungsinstitut für die Chemie des Holzes und der Polysaccharide" weiter. "Seit ich wieder Privatdozent bin, - teilte Freudenberg einem Kollege mit, - gehen meine Arbeiten besser. Ich habe noch eine ganz stattliche Gruppe um mich, meistens Ausländer. Die Arbeitsmöglichkeiten in dem neuen Institut sind außerordentlich schön." (An K. Clusius, 21.Okt.1960, Rep. 14-147).
Auch seine Reisen blieben recht intensiv, so im September 1957 - nach Prag und Bratislava, am Frühjahr 1958 - eine recht große Vortragsreise (84 Tage) mit Doris nach Indien, Pakistan, Japan mit Abschluss in Schweden. Auch 1961 war reisereich - zuerst mit Doris nach Ägypten und Türkei dann "wie bisher jedes Jahr in Ostzone zu Vorträgen" (An G. v. Hevesy, 10. Okt. 1961, Rep. 14-198), im Juni - nach Finnland und Schweden, im August zur IUPAC in Montreal und schließlich eine Erholung mit Doris in Südtirol.
Das vorige Jahr 1960 war dagegen nur mit einer Reise zu einen Kongress in Budapest im Mai gezeichnet, weil die Freudenbergs eine andere Sache vorhatten: "Mai, Juni und Juli waren unsere Gedanken allerdings sehr stark in eine Richtung gewiesen, auf unsere goldene Hochzeit nämlich, die Ende Juli stattfand. Wir haben auf der Wiese unseres Gartens ein großes Zelt aufgeschlagen und darin am 23. Juli ungefähr 80 Personen beherbergt,* zumeist nächste Verwandte meiner Frau und meiner selbst. Dann haben wir 8 Tage später den eigentlichen Hochzeittag im Kreis unserer Kinder, Enkel und Schwiegerkinder in Champex nachgefeiert und uns dann in den folgenden Wochen in angenehm belebter Ruhe erholt.
*d. h. bewirtet!" (An G. Ahrens, 14. Sept. 1960, Rep. 14-120).
 
27. September 1967 verschied Doris. Sie litt schon mehrere Monate, so dass ihr Mann und ihre Kinder waren bereit, das Unvermeidliche zu treffen. Nach 12 Tagen sendete Freudenberg eine Beschreibung über Krankheit und Tod seiner lieben Frau an 32 engen Freunden. (Rundbrief, 9. Okt. 1967, Rep. 14-84). Was er dachte, lesen wir in seinem Brief an verwitweten Freund: "Der Überlebende muss weitergehen, wie weit, weiß er nicht. Wir sind ja in einer merkwürdig ähnlichen Lage, auch sie dürfen, wenn Sie wollen, in Ihrer Umgebung bleiben, 'als ob' der Weg weiterginge. Es heißt ungefähr 'wie wenn', aber die Worte 'als ob' enthalten einen Imperativ, einen Willen fremde Gedenke abzutun, am alten, in diesem Falle am gemeinsam Erlebten festzuhalten und den Weg mit der stillen Begleiterin weiterzugehen, wie es auch kommen mag." (An O. Arrhenius, 3. Okt. 1969, Rep. 14-136).
 
Freudenberg wollte aber seine wissenschaftliche Arbeit noch nicht aufhören: Die Forschungen über Lignin, die er seit zwanziger Jahren führte, konnten nun mit einer zusammenfassenden Schrift abgerundet werden. Diese erschien 1968. 
Sein chemisches Werk war damit zum Ende gekommen. Jetzt war die Zeit, Schluss zu machen. 1969 verließ der alte Wissenschaftler die Leitung des "Holzinstituts". "Das Forschungsinstitut, - teilte Freudenberg in einem Brief mit, - wird im Laufe dieses Jahres eingestellt. Es war ganz auf meine Person zugeschnitten und wäre auf die Dauer an der hiesigen Universität ein Fremdkörper geworden.... Das Abräumen hier ist eine wenig angenehme Sache und wird noch mancherlei Arbeit geben". (An Prof. Franz Kollmann, 19. Febr. 1969, Rep. 14-218).
Der alte Mann bleibt aber noch aktiv - diesmal als Familienhistoriker.
Seine ersten Begegnungen mit der Geschichte der Sippe Freudenberg reichten 1933 zurück, als er seine arische Abstammung beweisen musste. 1956 publizierte Freudenberg eine Broschüre über seinen Vater - zum dessen 100. Geburtstag. Nun, nachdem er seine wissenschaftliche Tätigkeit abgerundet hat, wandte er an die Familiengeschichte mit aller seiner Gründlichkeit. In seinem 85. Geburtstag teilte er in einem Brief mit: "Seither [nach dem Ende der Arbeit im Holzinstitut] habe ich mich hauptsächlich mit unseren ausgedehnten Familie beschäftigt und niederschrieben und herausgegeben was ich in Jahrzehnten von Großeltern und Urgroßeltern gesammelt hatte. Das ist für internen Kreis und nicht für den Handel bestimmt. Ein ganzer Band ist schon erschienen, ein zweiter ist im Umbruch und erst ein dritter, wenn ich ihn erlebe, wird meine Generation behandeln. Diese Arbeit erfüllt mich und wird auch gewürdigt. Im übrigen bin ich viel in den Alpen oder im Schwarzwald und halte meine Glieder in Übung." (An Dr. H. Eyer, 29. Jan. 1971, Rep. 14-83).  Drei Bände von "Schriften der Familie Freudenberg in Weinheim", die sorgfaltig gesammelte und kommentierte Dokumentation zur Geschichte der Sippe, erschienen 1969, 1972 und 1976.
 
Hier sind einige seiner Aufzeichnungen aus seinen späten Jahren.
"Ich lebe weiter in dem kleinen Haus, in dem ich mit meiner Frau 15 Jahre und allein fünf Jahre gebracht habe... Es liegt im Garten und ist umgeben von drei Wohnhäusern meiner Töchter, durch die ich tägliche Aussprache habe.... Ich selbst kann dank einer ausgezeichneter Dame, die mir Haushalt führt, aber außerhalb wohnt, ein geordnetes Leben führen." (An E. Höppener,  26. Sept. 1972, Rep. 14-181).
"Was soll ein 82½jähriger Greis einem achtzigjährigen Jüngling wünschen?.... Ich habe....schon in jungen Jahren keinen Lebensabschnitt als Provisorium angesehen, sondern immer so, als ob er stationär wäre und als ob es so weiterginge. Ich glaube, das kann man ganz gut auch im Alter brauchen und sich dadurch manche Gedanken vom Leibe halten. Wenn man sich dazu das Vorrecht herausnimmt, manches Unliebsame oder Unverständliche abzustreifen, so kommt man auf einen ganz guten modus vivendi. Man hat schließlich das lange Leben mit seinen Freuden und seinem Ungemach doch gern gelebt und soll ihm dankbar sein. Man zieht von hinnen mit leichtem Gepäck. Wie lange man noch dahinzieht, wird sogar selbst immer weniger wichtig und das Gepäck wird immer leichter. Die wissenschaftliche Arbeit ist abgetan, soweit sie Verantwortung enthielt, und was man jetzt davon liest, kann interessant sein und man darf aufhören, sobald man es nicht mehr versteht, ohne sich dadurch bedrückt zu fühlen. Ich lege mir das AlsOb so aus, als dürfe ich in den Tag hinein leben, und das tue ich auch. Und wenn sich der Kreis enger zieht, so muss man sich der Natur fügen." (An Prof. Hirsch, 12. Nov. 1968, Rep. 14-200).
"Mir ist einmal ein Vers über den Weg gekommen, der ungefähr so gelautet hatte:
So wünsche, das der Parzen eine
den Herbst dir spinne lind und lang,
im halbverglühten Sonnenscheine
und Müßiggang.
Den Müßiggang nehme ich nur insoweit an, dass man immer mehr abstreift an Bindungen und Drängen und auch einsieht, dass was an Tätigkeit bleibt, stiller und langsamer abläuft. Und der halbverglühte Sonnenschein ist so ungefähr dasselbe: man steht nicht mehr im vollen Licht des Tages, wird immer weniger gebraucht und löst sich von Sorgen, die früher gelastet haben; ein Stück Resignation, aber auch ein Stück Freiheit." (An Maria Goldschmidt,  8. Okt. 1973, Rep. 14-116).
Mit 95 Jahren beendete er seine Lebenserinnerungen. Sie sind aufgrund seinen früheren Aufzeichnungen und Gedanken verfasst und zeigen, wie sorgfaltig er viele grundlegende Dinge durchgedacht hatte.
Freudenberg verstarb im 98. Lebensjahre am 3. April 1983.
 
2. FACETTEN DER PERSÖNLICHKEIT 
2.1  Wissenschaftler [nach oben]
Das wissenschaftliche Werk Freudenbergs war in Fachliteratur ausführlich gewürdigt (s. besonders Helferich, Stevens, Weinges), so dass hier nur kursorisch darauf eingegangen wird. Unser Ziel ist eher charakteristische Züge Freudenbergs als Wissenschaftler wie auch seine allgemeinen Gedanken über die Wissenschaft darzustellen.
 
Freudenbergs Neigungen des zukünftigen Naturwissenschaftlers kamen bereits in Weinheimer Zeit zum Ausdruck. Im Alter erzählte er:
"Aufzucht von Tieren und Pflanzen, Nachbau von Lehrinstrumenten, Photographie und ähnliches haben mich in den Weinheimer Schülerjahren ausgiebig beschäftigt. Auch nachher hat es mir immer Freude gemacht, mit den Händen zu arbeiten, und ich habe einen erheblichen Teil meines Lebens am Laboratoriumstisch verbracht. Hier muss jeder Versuch überlegt sein. Ich glaube, dass mir auf meinem Berufswege eine Gabe zum Improvisieren und Erkennen experimenteller Möglichkeiten geholfen hat. Die technische Durchkonstruierung eines behelfsmäßig gebastelten Apparates lag mir nicht und hat mich deshalb, wie das so geht, nur dann interessiert, wenn sie nötig wurde." (R., S. 31-32).
Hier spricht ein Mensch, der etwas von Künstler hat. Und wirklich: "Ich habe mir oft überlegt, was ich gemacht hätte, wenn ich das Zeug dazu gehabt hatte und Maler geworden wäre. Vielleicht hätte ich mit Pflanzen angefangen. Jede Pflanze hat ihren Charakter im Habitus und Stoff." (R., S. 278).
Solche bildliche Sicht ist ein kennzeichnender Zug des Wissenschaftlers Freudenberg. Wahrscheinlich wurde sie durch seine Kindheit im Kontakt mit der Natur eingeprägt.  "Die Chemie war mir nicht angelernt worden, sondern ich hatte sie mir selbst erworben und mir von da die Fähigkeit des Wunders über das Naturgeschehen mein ganzes Leben hindurch erhalten; ich glaube, dass dies meinen eigenen Vorlesungen zugute gekommen ist, da mir die vorgezeigten Erscheinungen immer wieder ein neues Erlebnis geworden sind." (R., S. 91)
Es ist hier auch zu betonen, dass Freudenberg eine humanistische Schulbildung hatte - fast ohne ernste Mathematik. Nach seinen eigenen Worten konnte er nie die nötigen Kenntnisse in der höheren Mathematik nachholen. Dazu kam die Schule Emil Fischers, der selbst näher der ganzen Natur und dem Leben stand, als den Theorien, insbesondere der damals noch zu abstrakten für einen Organiker physikalischen Chemie.
So wurde Freudenberg, wie er selbst sich einmal bezeichnete, "Wald-Feld-und-Wiesen-Organiker" (An K. Fajans,  24. Mai 1967, Rep 14-110). 
 
Freudenbergs Gebiet war allererst Chemie der polymeren Naturstoffe, nämlich Gerbstoffe, Cellulose, Stärke, Lignin, und besonders vom Standpunkt der Konfigurationslehre, d. h. Lehre über die räumliche Anordnung der Atomen in Molekülen. 
Seine höchste Leistung ist die Erklärung der Konstitution der Cellulose. 1921 fand Freudenberg eine passende Arbeitsmethode für Entziffern ihrer Struktur und das Polymerisationsprinzip dieses Stoffes. "Das 1921 gewonnene Bild von den einförmigen Ketten in der Zellulose ließ mir nicht mehr los, und ich suchte es zu stützen trotz Inflation und mehrfacher Umzüge der Familie und des Arbeitsapparats" (R., S. 207). 1928 konnte er die Struktur der Cellulose - eine aus Glukoseeinheiten aufgebaute hochmolekulare Kette - als bewiesen publizieren. Damit war die richtige Struktur eines polymeren Naturstoffes zum ersten Mal aufgestellt. An Skeptikern und Gegnern der Freudenbergs Vorstellungen fehlte es keineswegs. Seine Entdeckung erweckte viele Diskussionen und viel Neid, insbesondere von der Seite von H. Staudinger. "Auch sonst ist die Eifersucht einer der Satane, der die Welt regiert. Staudinger hat mir nie verziehen, dass ich sieben Jahre vor ihm den Beweis für die einheitliche Kettenbindung in der Cellulose gebracht habe. Er hat dies bis heute mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit totgeschwiegen. So geht es eben." (An P. Walden, 26. Jan. 1956, Rep. 14-5).  Und viel später: "Die Cellulosechemie muss endlich einmal ohne die hochgespielte Kontroverse mit Heß geschrieben und behandelt werden. Ich habe Staudinger mindestens sechs mal gesagt, er solle den Heß nicht hochspielen, aber er hat selbst wieder hochgespielt an dem ewigen Theater, das er mit ihm und nachher auch mit Meyer und Mark aufgeführt hat, .... und so hat die deutsche Chemie in den zwanziger und noch in den dreißiger Jahren der Welt ein unwürdiges Beispiel gegeben." (An A. Dreiding, 29. Sept. 1967, Rep. 14-157).
 
Sehr früh, bereits in Freiburg, wenn nicht in Berlin, trat Freudenberg in das Gebiet der Stereochemie ein; seine sorgfaltigen Untersuchungen der Beziehungen optisch-aktiven Substanzen zueinander führten ihn insbesondere zu neuen stereochemischen Gesetzmäßigkeiten, wie der "optische Verschiebungsgesetz" und gewisse Voraussetzungen für die optische Drehung aufgrund der Konfiguration. Durch den optischen Verschiebungssatz wurde es ihm möglich die absolute Konfiguration einer großen Anzahl Naturstoffe angeben zu können.
 
Das bildliche Denken Freudenbergs zeigte sich vielleicht am höchsten, als er die Konstitution der so genannten "Schardinger-Dextrine" (sehr schön kristallisierende Substanzen, die durch enzymatischen Abbau der Stärke entstehen) durch Bildung der ringförmigen Molekülen (Cykloamilosen) erklärte. Dabei wurde bewiesen, dass bei geeigneter Ringweite kleine Moleküle, z. B. Lösungsmittelmoleküle in den Ring aufgenommen und dort festgehalten werden. So war eine ganz neue Klasse der Substanzen, nämlich die Einschlussverbindungen entdeckt worden.
 
Als wissenschaftliche Heldentat sieht Freudenbergs Arbeit über Lignin aus. Mit Bewunderung schreibt er über Lignin, "das sich in das Gefüge der Cellulose einlagert und daraus erst das macht, was man Holz nennt; ein beispielloser Vorgang, dessen Größe einem bewusst wird, wenn man vor den hundert Meter hohen Bäumen in Kalifornia" steht. (An Ad. Freudenberg, 26. März 1968, Rep. 14-84). Freudenberg hat diese Arbeit 1923 in Karlsruhe angefangen, als er die Position erhielt, die die Arbeit auf lange Sicht ihm erlaubte. 
Hier ist ein Zitat aus seinem Vortrag über Lignin vor der Hauptversammlung der Gesellschaft Deutscher Chemiker im September 1955; es vermittelt sehr klar die allgemeine "Philosophie" Freudenbergs bezüglich polymerer Naturstoffe: "Als ich vor mehr als 30 Jahren mit den an der Cellulose gewonnenen Vorstellungen dem Lignin zuwandte, waren zwei Erkenntnisse maßgebend. Als Gegenstand der Konstitutionsermittlung tritt an der Stelle der Molekel der Ausschnitt aus der Molekel, der Baustein. Der zweite Gedanke ist der einer Ordnung. Der Bauplan, dessen Klarheit an der Cellulose unsere Bewunderung erregt, mag bei anderen natürlichen Hochmolekularen weniger übersichtlich sein, aber irgendeine Ordnung durfte nach den damals sich entwickelnden Erfahrungen mit der Cellulose und den Catechin-Gerbstoffen auch bei dem amorphen Lignin angenommen werden." (Freudenberg, 1955, S. 87).
Im Mai 1947 berichtete Freudenberg noch ziemlich melancholisch: "Das Lignin ist zäh wie immer.. jetzt stecke ich einmal in diesem Teig und werde weiter darin waten. Zum Glück ist es ein billiges Ausgangsmaterial." (An H. Mark, 8. Mai 1947, Rep. 14-231). Die Schwierigkeit lag vor allem darin, dass "Lignin nicht ohne tief greifende Veränderung von den Kohlenhydraten und anderen Begleitstoffen im Holze abgetrennt werden kann." Erst 1952 wurde gefunden, wie "glaubwürdige Ligninpräparate" hergestellt werden können.
"Ich wusste, erzählte er 1967, dass es ein langer Weg würde, das Strukturformel des Lignins zu erreichen, aber wusste nicht, dass es 30 Jahre einer ziemlich undankbaren Arbeit werden, bevor der Schlüssel gefunden wird, mit dem die Konstitution nach weiteren 12 Jahren festgestellt werden konnte". (Freudenberg, 1967). 
Dies ist das beste Beispiel der außenordentlichen wissenschaftlichen Beharrlichkeit Freudenbergs.
 
Seine innere sozusagen Werkstatt enthüllte Freudenberg einmal so: "...das Band von einem Ergebnis zum anderen ist immer die Beobachtung, die verstanden sein will und die Richtung des Weiteren bestimmt."  (An W. P. Fuchs, 10. Jan. 1966, Rep. 14-117).
Für ihn ist charakteristisch eher qualitativer als quantitativer Ansatz. (Deswegen seine ironische Bemerkung über einen  Chemiker [Hudson]: "Der Mann hat so viel gerechnet in den letzten Jahren, dass ihm überhaupt nicht mehr klar ist, was gerechnet und was beobachtet ist". (An M. Bergmann, 3. Nov. 1930, Rep. 14-112). Oder über den Theoretiker W. Hückel : "Hückel, an sich sehr gut, schwebt zu sehr in den Sternen. Es fehlt ihm der stoffliche Unterbau in seinen Arbeiten." (An B. Helferich,  25. Jan. 1930, Rep. 14-85).
 
Freudenberg verstand aber schon früh die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit einem Physikochemiker. Während seines wichtigsten Jahres in München fand er Kontakt mit Kasimir Fajans; später, in Karlsruhe und besonders in Heidelberger goldener Zeit hatte Freudenberg "den physikochemischen Hausarzt im Hause" in der Gestalt von Werner Kuhn. ("Es war eine schöne Zeit, und wir sind auf dem Gebiet der optischen Aktivität und der Cellulose schön vorangekommen.")
Interessant sind auch allgemeine Überlegungen Freudenbergs über Zusammenarbeit mit Physikochemikern:
"Ich frage mich erneut, wie die Amerikaner zu dieser neuen Entwicklung gekommen sind, in der wir noch sehr zurück sind. ... Ist es eine bessere mathematische Durchbildung der Chemiker? ... Oder ist es so, dass die Physikochemiker in Amerika sich stärker der organischen Chemie zugewandt haben und sich von der Pedanterie vieler deutscher Physikochemiker gelöst haben (z. B. Eucken-Schule), die nur dann zufrieden ist, wenn sie zu vollkommen exakten Ergebnissen kommt? Mann kann natürlich die physikalische Chemie auf organischem Gebiet nur annäherungsweise betreiben und muss zufrieden sein, wenn man innerhalb 10% das Richtige trifft. Vielleicht ist der Amerikaner in diesem Punkt weiter denkend. Ein dritter Punkt, den ich mir vorstellen könnte, ist der gute persönliche Kontakt zwischen den Menschen und die Gegenwart von vielen Dozenten unter einem Dach. Da ist dann immer einmal ein guter Organiker und ein guter Physikochemiker beieinander. In Deutschland ist durchweg der Kontakt zwischen physikalischer und organischer Chemie gering; besser ist er zwischen physikalischer und anorganischer Chemie." (An C. Grob, 22. Mai 1955, Rep. 14-174).
 
Sehr früh verstand Freudenberg das internationale Charakter der wissenschaftlichen Forschung und die Notwendigkeit der Kontakte mit ausländischen Kollegen. Seine wissenschaftlichen Reisen nach England und Schweden, seine Gastprofessur in den USA, wie auch Besuche vom Ausland, die er in Heidelberg hatte, schufen viele persönliche Beziehungen zwischen Freudenberg und ausländischen Wissenschaftlern besonders von den USA, England und Schweden. Der Krieg behinderte diese Kontakte.
"Ich ... war ... 53 Jahre alt, als der zweite Krieg ausbrach und wir von der Außenwelt abgeschnitten wurden. Als wir fast ein Jahrzehnt später aus den schlimmsten Nöten erwachten, war es mir nicht mehr möglich, der inzwischen vollgezogenen Entwicklung der theoretischen organischen Chemie in produktiver Weise zu folgen. Ich hatte versucht durch amerikanische Kräfte, insbesondere W. Bergmann, die größten Lücken zu füllen. Es wurde mir aber vollkommen klar, dass nur mein Nachfolger die Aufgabe lösen könnte, die inzwischen in Amerika und England erreichte Entwicklung einzuholen." (An G. Wittig, 14. Juni 1972, Rep. 14-308). 
Trotzdem bemühte sich Freudenberg, die Notwendigste nachzuholen. Dazu benutzte er seine zahlreichen Vortragsreisen, Teilnahme in wissenschaftlichen Versammlungen und pflegte seine persönlichen Beziehungen mit Wissenschaftlern weiter. Teilweise hatte er Erfolg in der Einführung moderner Forschungsmethoden in seinem Institut, so Isotopenmethoden für die Ligninarbeiten.
 
In solchen Fällen des Zusammenwirkens mit anderen Fächern sah Freudenberg einen wichtigen Weg, die wachsende Spezialisierung zu überwinden; er meinte:
"Die Legende von der Aufsplitterung, insbesondere der Naturwissenschaft in Spezialgebiete, droht allmählich zum Dogma zu werden. Ich wage zu behaupten, dass die chemische Forschung seit Jahrzehnten sich von solcher Spezialisierung zurückgewandt hat zu einer allgemeineren naturwissenschaftlichen Behandlung ihrer Probleme. Die Experimentalarbeit des Forschenden ist im Einzelfall immer auf ein bestimmtes, zumeist eng umgrenztes Ziel gerichtet, aber die Methodik, mit der er vorgeht, greift mehr denn je auf die verwandten Fächer der Naturwissenschaft zurück. Kein Organiker geht heute mehr an der Biochemie vorbei und keiner versäumt es, sich physikalischer Mittel zu bedienen. Ich beobachte, dass dieses Angreifen der Methodik und dann letzten Endes der Zielsetzung in die Nachbarfächer eine ganz allgemeine Erscheinung heutiger Wissenschaftsarbeit ist." (Aus der Rede bei der Eröffnung der 558. Versammlung der Heidelberger Chemischen Gesellschaft, 31.1.1955, Rep. 14-532).
Und kürzer: "Echte Forschung führt immer, auch über Wege extremer Spezialisierung, zum allgemeinen zurück durch den gemeinsamen Geist, der ihr innewohnt, und durch die zwangsläufige Auseinandersetzung mit anderen Fächern." (Aus den Notizen zum Gutachten bezüglich der Hochschulreform 1948, Rep. 14-436).
 
Auch die ganz allgemeine Frage über die "Zwei Kulturen" (Charles P. Snow) beurteilte Freudenberg im Sinne der Zusammenwirkung; daher auch seine Überzeugung über die Notwendigkeit, die Universität als eine Einheit auf einem Gelände zu entwickeln.
"Die Kluft zwischen Geisteswissenschaft einerseits und Naturwissenschaft, Medizin andererseits ist in keinem Lande so tief wie bei uns und scheint mir ebenso verhängnisvoll zu sein wie die Spaltung in Konfessionen. Man sollte jede Gelegenheit zur Überbrückung dieser Kluft benutzen. Darin gehört in allererster Linie die Vereinigung auf einem Felde." (An H. Bredereck, 24. Nov. 1964, Rep. 14-132). "...in der Methodik nähern sich die Fächer in einer geradezu ungeahnten Weise und es besteht die Hoffnung, auf diesem Wege die üblen Folgen der fortschreitenden Spezialisierung zu überwinden. Die Zukunft der Universitäten liegt in der gegenseitigen Durchdringung der Fächer und dazu ist die Begegnung auf möglichst geschlossenem Raum das erste Erfordernis." (An H. Bredereck, 24. Mai 1966, Rep. 14-132).
Ausführlicher im Brief an seinen Enkel:
"Naturwissenschaftliches Denken ist Denken in Tatsachen. Man spricht gern nur über das was man weiß und was begründet ist. Man legt der Phantasie bewusst Zügel an. Aber wenn man wissenschaftlich arbeiten will, so muss man gerade wieder der Phantasie die Zügel schießen lassen und vom festen Grund aus Umschalten halten in die fernere, nebelhafte Umgebung. Künstlerisches Schaffen, menschliche Ordnung, z. B. Jura, Volkswissenschaft, Politik, Sprachwissenschaft und Literatur haben nicht den Boden der reproduzierbaren Tatsachen. Dennoch haben sie alle einen festen Grund. Die Juristen in jahrtausendalter Lebenserfahrung, die Künstler im handwerklichen Schaffen und in mehr oder weniger erkannten allgemeinen Formen der Gestaltung. Ein Mittel der Erkenntnis auf diesen Gebieten ist die Abgleichung im Gespräch. Wir suchen diese Abgleichung auf dem Experimentiertisch. Das können jene nicht. Sie sind viel stärker auf das Mittel der Unterhaltung angewiesen. Das muss man wissen und auch anerkennen und sich bemühen zu folgen. Ein geübter Jurist oder ein Kulturphilosoph wie Gollwitzer haben Fähigkeiten des Denkens und des Formulierens, von denen unsereiner viel lernen kann. Ihr geistiges Experimentieren ist ebenso Wissenschaft wie unser manuelles oder technisches." (An Thomas Plieninger,  31. Jan. 1963, Rep.14-249).
"Die viel beklagte Spezialisierung ist Schicksal, dem keiner entgeht. Das einzige Gegengewicht ist die Verflechtung der Fächer durch Sinngebung und Methodik. Diese glücklicherweise bereits deutlich erkennbare Entwicklung muss mit lebendiger, die Universitas bejahenden Kraft gefördert werden... Die verschiedenen Fächer haben sich um einander zu kümmern statt sich aus dem Wege zu gehen. Die Universität der Zukunft hat nicht nur die Pflege der Kultur zu sein, sie muss ihr Gewissen werden. Was ist da zu tun? Alles, was die Kommunikation der Fächer in allen Schichten der Universität erleichtert... - eine geschlossene Universität auf einem Gelände." (An Rektorat und Senat, Dez. 1955, Rep. 14-575).
Besonders ausführlich hat Freudenberg diese Gedanken in einer umfangreichen Denkschrift  dargestellt ("Die Entwicklung der Universität", 12. Nov. 1965, Rep. 14-26). Ihre Grundidee ist: "Die Durchdringung der Fächer ist die beglückende Hoffnung der Wissenschaft unserer Zeit. Die Universität, die sie nicht fördert, fällt zurück."
 
Eine charakteristische Eigenschaft von jedem kreativen Naturwissenschaftler - und wenn einer nicht kreativ ist, dann ist er keiner! - ist die Fähigkeit zu erstaunen, zu bewundern. Und das macht die reinste und die stärkste Motivation für Forschung. Im Falle Freudenberg kann man dies sehr deutlich verfolgen.
Über seine ersten Chemiestudien in Bonn schrieb er später: "... die Chemie war mir nicht angelernt worden, sondern ich hatte sie mir selbst erworben und mir von da die Fähigkeit des Wunders über das Naturgeschehen mein ganzes Leben hindurch erhalten; ich glaube, dass dies meinen eigenen Vorlesungen zugute gekommen ist, da mir die vorgezeigten Erscheinungen immer wieder ein neues Erlebnis geworden sind" (R., S. 91). Und zum Ende seinen Lebenserinnerungen: "Ich habe nicht aus Ehrgeiz gehandelt, sondern aus dem unbezwingbaren Drang, zu suchen und zu finden. Eine Art Alchimist ist jeder von uns Chemikern und muss es wohl auch sein" (R., S. 279).
Noch ein paar Zitaten erläutern diese Einstellung, auch bezüglich der viel besprochenen Frage über Zusammenhänge zwischen Wissenschaft und praktischen Zielen.
"Der echte Forscher arbeitet um der Erkenntnis willen, nicht mit der Blickrichtung auf praktische Ziele. Er kann aber sicher sein, dass seine Arbeit am Körper der Natur, sofern sie gut und mit Verstand ausgeführt war, irgendwann, früher oder später, praktische Bedeutung gewinnen wird, meistens in den Händen anderer und späterer Generationen. Auf diese Wege, im Ringen um die Erkenntnis, nicht auf der Jagd nach praktischen Erfolgen sind die großen Fortschritte und schließlich auch die praktischen Ergebnisse der Naturwissenschaften erzielt worden." (Freudenberg, 1951, S. 74).
"Ob Naturwissenschaft nützlich sei oder nicht, ist eine falsche Fragestellung. Ein Volk, das ihr nicht gerecht wird, gibt sich selbst auf und der Drang zur Erkenntnis liegt tief im menschlichen Gemüt. Sie offenbart ihrem Diener täglich unbeschreibliche Schönheit. Wir sind dem Drang nach Erkenntnis unterworfen, ob wir wollen oder nicht." (Aus der Rede "Über naturwissenschaftliche Lehre und Forschung an den deutschen Hochschulen". 3. Mai 1949, Rep. 14-521).
"Aus dem ursprünglichen Wissenssollen heraus, aus der reinen Freude, überhaupt etwas herauszubringen, rechtfertigt sich doch die Wissenschaft, so kann man schließlich sagen." (Aus der Rede "Wie kann Wissenschaft heute noch Element der Bildung sein", 25. Nov. 1948, Rep. 14-521).
Albert Einstein hat einmal gesagt (in der Rede "Prinzipien der Forschung", 1918), dass der Tempel der Wissenschaft bedenklich geleert würde, wenn ein Engel alle die Menschen aus dem Tempel vertriebe, die sich mit der Wissenschaft um utilitaristischer Ziele willen oder aus Ehrgeiz befassen. Jedoch einige würden bleiben - die, die in Wissenschaft aus Sehnsucht nach Wissen arbeiten.
Zu diesen Menschen gehört auch Karl Freudenberg.
 
2.2  Lehrer [nach oben]
"Die deutsche Wissenschaft ist groß gewesen durch die Verbindung von Lehre und Forschung. Lehre allein verdorrt und Forschung allein vergeilt." (An Th. Heuss, 2. Okt. 1950, Rep. 14-195).
Die ganze Laufbahn Freudenbergs war die eines Hochschullehrers, für den Lehren und Forschen traditionell verbunden sind. Dozieren war für ihn also eine selbstverständliche Pflicht, aber auch eine Freude. So in einem Brief: "Ich sitze jetzt bis über die Ohren in der anorganischen Vorlesung, die ich zum ersten Mal lese, viel Mühe, aber viel Freude." (An H. Meerwein, 15. Mai. 1923, Rep. 14-228).
Grundkurs der Chemie, abwechselnd den anorganischen und organischen Teil, las Freudenberg fast dreißig Jahre. (Allerdings 1942-1944 las er nur organische Chemie, anorganische wurde an Prof. R. Juza übergeben). Erst ab Wintersemester 1949/50, als er Rektor wurde, sollte er seine Vorlesung abgeben. 
Er las mit Begeisterung und konnte Studenten motivieren. Ebenso, wie er selbst ehemals Lektionsdemonstrationen erlebt und bewundert hatte - so brachte er diese Bewunderung in seinen eigenen Vortrag, indem er Demonstrationsversuche zeigte - denn  "Auf dem Zusammenspiel von Vortrag und Experiment beruht zum guten Teil die Wirkung der Vorlesung." (R., S. 192). Er erzählte seinen Studenten: 
"Wenn ich heute, nach mehr als 40 Jahren manchen dieser Versuche - sie müssen auch vom heutigen Studenten gesehen und miterlebt werden - wenn ich diese Versuche selbst verführe, so sehe ich dabei meinen damaligen Professor R. Anschütz hantieren und sehe noch wie er mit Eifer die Augen zukniff vor Freude an der Schönheit dieser Dinge." (EE).
 
Sein Fach war aber die Organische Chemie, und hier war sein Kurs besonders beliebt durch Studenten. Klarheit seines Vortrags entsprach seinem vernünftigen und schlichten Einblick in die Grundlagen seines Fachs. Dies ist besonders durch sein Lehrbuch "Organische Chemie" widergespiegelt. Es stellt einen wissenschaftlichen Grundriss der organischen Chemie in gedrängter und übersichtlicher Form. Dem Fachmann bringt das Lesen dieses Lehrbuchs ein echter Genuss. Noch heute ist die Konzeption der "Organischen Chemie§ beispielhaft.
Sei hier zwei Sätze aus dem Vorwort zur Erstausgabe (1938) zeigen, wie aufmerksam Freudenberg Sorgen der Anfänger begegnete: "Der Studierende der Medizin wird finden, dass selbst in dieser Schrift trotz ihrer Kürze manches steht, das er nicht «braucht» und das kein verständiger Examinator von ihm verlangen wird. Dem Lernenden muss mehr geboten werden, als er behalten soll, damit er verstehen lernt; der Verstehende wird Wichtiges vom weniger wichtigen Lernstoff zu unterscheiden wissen."
1920 formulierte Freudenberg eine These, die sehr kühn für jene Zeit kling: "Der chemische Unterricht soll vom Atombau ausgehen". In seinem Lehrbuch wurde diese These durchgeführt.
"Man wird alsbald wahrnehmen, dass die Elektronenlehre der chemischen Bindung den Stoff nicht schwerer begreifbar macht." Aber die Hauptsache bleibt das Experimentieren: "Nur die Eingewöhnung verursacht einige Mühe und bedarf eines Entschlusses. Die alte Handwerkskunst unseres Faches soll deshalb nicht weniger gepflegt werden." (Aus dem Vorwort zur 8. Auflage).
Der "Kleine Freudenberg" - "übrigens das einzige, was an Freudenberg klein war", so ein Heidelberger Chemiker (Ege) - ging durch 14 Auflagen; ab 8. Auflage (1958) wurde das Buch zusammen mit Freudenbergs Schwiegersohn Hans Plieninger neu bearbeitet. Die Übersetzungen erschienen in den USA, Spanien und Japan. Die letzte (14.) Auflage erschien nach dem Tod Freudenbergs im Jahre 1984.
Große Aufmerksamkeit schenkte Freudenberg der menschlichen psychologischen Seite des Unterrichts. Sein Ausgangspunkt war die Selbstverantwortung der Studenten.
Eine der führenden Ideen des Lehrers Freudenberg war, dass der Student die Verantwortung für sein Lernen selbst trägt - dadurch unterscheidet sich die Universität von der Schule. Zu dieser Idee kam Freudenberg aus eigenen Erfahrungen in Bonn und Berlin und später wiederholte er seine Forderung der Selbstverantwortung seinen Studenten, auch als Rektor: "Kein Student der Welt genießt diese Freiheit der Verantwortung vor sich selbst so sehr wie der Student deutscher Sprache. Das ist die wahre akademische Freiheit. Die Studenten aller anderen Länder sind weit mehr gegängelt. Nicht jedem behagt dieser Schritt in die Selbstverantwortung." (Rede, 17. Juni 1950, Rep. 14-524). Eben mit solchen verantwortlichen Studenten wollte er arbeiten.
Aufgrund eigenen Erfahrungen wusste er "...ein sehr wesentliches: Das Lernen ist kein systematischer, kein logischer Vorgang; ein wesentlicher Teil besteht aus Eingewöhnung. 'Mr lernt halt platteweis', würde mein späterer Freund Bilfinger, der Erzschwabe, gesagt haben. Aus Flicken wird schließlich ein lückenhaftes Ganzes zusammengefügt. Ich habe meinen Studenten geraten, ein Lernbuch kleinen Umfanges als Gerippe des Stoffes zu benutzen und daneben ein Lesebuch größeren Umfanges, um dem Gerippe Fleisch zu geben. Dies Rezept entstammt meiner eigenen Erfahrung als Student." (R., S. 111).
Direkte Vermittlung der Kenntnisse und Erfahrungen von Mensch zu Mensch war für ihn vielleicht noch wichtiger als selbständiges Lernen. Deswegen sein Kümmern nicht nur über die gute Vorlesung, sondern auch über die Kontakte zwischen Studierenden: "In der Berührung des Praktikanten mit dem Doktoranden erfüllt sich ein erheblicher Teil des Unterrichts. Deswegen habe ich immer darauf gesehen, dass in den Sälen Praktikanten und Doktoranden nebeneinander ihren Platz hatten." (R., S. 202).
Er hat auch gelernt, "dass man den Studenten schon früh einzelne Aufgaben geben soll, die abseits des Weges liegen. Er fühlt sich ermutigt und empfängt Eindrücke, die irgendwann einmal eine unvorhergesehene Wirkung haben können." (R., S. 106).
Hier sind wir zu erzieherischer Rolle der Wissenschaft gekommen, die Freudenberg für die wichtigste hielt: Die "Schulung zur Wahrhaftigkeit und Schärfung des Tatsachenbegriffes [hat] die höchste erzieherische Wirkung" (EE).
Von diesem Standpunkt wählte er seinen Doktoranden. "Als ich später... selbst Doktoranden annahm, war ich schon vorher unterrichtet, wer in den Arbeitssälen dazu heran stand.... Vor allem habe ich mich später als Institutleiter an den Prüfungen beteiligt oder ihnen beigewohnt, wenn ich sie den Dozenten überließ." (R., S. 124).
Als Examinator war Freudenberg auch menschlich und großzügig. "Das Prüfen will auch gelernt sein; ein Examinator soll aus seinem Opfer herausholen, was es zu geben vermag. Er soll feststellen, was er weiß, und nicht nach Lücken suchen. Er muss ruhig bleiben und nie ironisch oder spöttisch werden.... Der Prüfling, der einem Gewaltigen gegenübersitzt, wird verwirrt und unbrauchbar für ernsthafte Fragen. Man soll Examina mit Fragen anfangen, die leicht beantwortet werden können und im Prüfling Vertrauen erwecken." (R., S. 172-173).
Erinnern wir hier, dass mit diesen Prinzipien konnte Freudenberg etwa 190 Doktoren der Chemie erziehen. (Weinges, S. 727).
 
Freudenberg beschäftigte sich viel mit der Lehrplänen und Programmen des Chemieunterrichts. Er verfolgte den Vorrang von grundlegenden Kursen. Schon in Karlsruhe vertrat Freudenberg eine damals vieldiskutierte Linie, dass "die allgemein chemische Ausbildung in der Vordergrund gestellt werden" soll, weil sonst nur "unselbständige Laboranten" erzogen würden - "zum Schaden der chemischen Technik." (Freudenberg, 1925).
Mit derselben Einstellung kommt er nach Heidelberg. Eine damalige Bemerkung von ihm ist typisch: "Unsere Studenten sind mit kleinen und kleinsten Vorlesungen reich bedacht. Eine technologische hat nur Sinn, wenn sie grundlegend ist, Spezialitäten brauchen wir nicht." (An Dekan der naturwiss. Fakultät Heidelberg, 30. Nov. 1925, Rep. 14-81). 
Als im Dritten Reich klar wurde, "dass die Universitäten nicht hoch im Kurse stehen", wendet sich Freudenberg an mächtigen Carl Duisberg über "die Gefahr..., dass mancher den alten Anspruch vergisst, dass nichts praktischer ist als die Theorie". (An C. Duisberg, 10. Okt. 1933, Rep. 14-110).
Nach dem Krieg formulierte Freudenberg seine Positionen noch klarer: Die Universitäten sollen sich auf den Grundlagenfächern konzentrieren. "Hierdurch wird zweierlei erreicht: 1. Leistung trotz beschränkter Mittel. 2. Beschränkung der Spezialisierung." "Die Universität muss wachsam sein gegenüber Tendenzen, aus ihr ein geistiges Warenhaus zu machen, in dem alles Wissenswerte und Lehrenswerte Platz findet." "Not tut vor allem die Erhaltung und der Ausbau der Grundfächer." (Äußerung zum Gutachten zur Hochschulreform, 1949, Rep. 14-436).
 
Von prinzipieller Bedeutung hielt Freudenberg die Rolle der Tradition für den Unterricht. Insbesondere war er sich seit seinem Dienstantritt in Heidelberg bemüht, "Eine kleine historische Sammlung von Apparaten, Bildern, Plastiken, Briefen wissenschaftlichen Interesses und sonstige Hinterlassenschaften und Erinnerungen aus der mehr als 100jährigen Entwicklung des Heidelberger Laboratoriums zu sammeln. Die Stücke sind Institutsbesitz und sollen später einmal eine geeignete Ausstellung finden. Die Sammlung ist mir umso mehr angelegen, als wir über kurz oder lang das alte Gebäude verlassen werden und damit die Gefahr besteht, dass manche Überlieferung und wertvolle Tradition abreißt." (An Hans Curtius, 14. Febr. 1928, Rep. 14-74). (Zurzeit - 2004 - befindet sich die Ausstellung im Gebäude der Hörsäle von chemischen Instituten, aber teilweise in den chemischen Instituten selbst).
Erwähnt sollten hier auch Freudenbergs eigene Arbeiten zur Geschichte der Chemie - über R. Bunsen, Th. Curtius und E. Fischer - sie gehören zu seinen Bemühungen um das Bewahren der Tradition.
Das war seine ständige Sorge, auch bezüglich der ganzen Chemie Deutschlands. Im Alter lamentierte Freudenberg: "Es ist jämmerlich, wie wir heute die Tradition vernachlässigen. Von der Generation unserer Lehrer und ihrer Lehrer sind uns lebendige Bilder überliefert. Danach wird man nur noch zusammenbuchstabieren können, was einer im Laboratorium gemacht hat." (An B. Helferich, 27. Febr. 1965, Rep. 14-85). Das Gedanke über die Notwendigkeit des Bewahrens der Geschichte, wenigstens in Form der Nachrufe ist ein Leitmotiv seinen Briefen der Nachkriegszeit, z. B.: "es ist für viele Junge erzieherisch, wenn sie wissen, auf welchem Boden sie stehen und wer den Boden bereitet hat. Solche Nachrufe zu schreiben ist eine Pflicht der Pietät und außerdem eine erziehliche und die Tradition fördernde Aufgabe. Die Engländer, die Amerikaner versäumen es nicht, ihre Wissenschaftler den Nachfolgenden vorzustellen....Damit begibt sich die deutsche chemische Literatur eines wesentlichen Teil ihrer Wirkung." (An W. Hieber, 18. März 1972, Rep. 14-116).
In diesem Zusammenhang ist auch seine allgemeine These zu stellen: "Bricht die Kette der Überlieferung einmal ab - dazu gehört nur, dass eine Generation von Wissenschaftlern ihr Wissen nicht weitergeben kann - so ist sie, wenn überhaupt, nur sehr schwer wieder aufzunehmen. Denn das geistige Leben hat sich dann zu anderen Zentren verlagert - etwa in die U.S.A., -  und die Wiederbelebung verödeter Kulturmittelpunkte ist noch kaum je gelungen." (Denkschrift "Die Unterstützung der Hochschulen und Forschungsinstitute durch das Land Württemberg-Baden", Jan. 1950, Rep. 14-544).
 
Ein unbedingtes Prinzip war für Freudenberg "die strenge Forderung, dass der Hochschullehrer produktiver Forscher sei. Nun ein solcher besitzt Autorität, die der jüngste Student spürt. Nun ein solcher Lehrer kann seine Studenten in der Diplom- oder Doktorarbeit leiten und an Originalarbeit heranführen und sie schließlich wissenschaftlich freischwimmen lehren." (Vortrag "Über naturwissenschaftliche Lehre und Forschung an den deutschen Hochschulen", Mai 1949, Rep. 14-521).
Natürlich war er ganz bewusst, wie hart dieses Verlangen ist: "Es ist nicht vielen Außenstehenden bekannt, welche Anforderung darin besteht, als forschender Wissenschaftler mitzuhalten, wenn man die hälfte oder mehr der Arbeitskraft an Unterricht und Institutssorgen zu wenden hat." (Ansprache, S. 34).
Das macht verständlich seine allgemeine Verhältnis gegen Forschungsinstitute außer der Hochschule:  "Die Stärke der deutschen Forschung ist von jeher gewesen, dass sie auf den Hochschulen betrieben worden ist mit unseren jungen Kräften, die dadurch für ihr Leben etwas vom Forschergeist mitbekommen haben. Je mehr Forschungsinstitute gegründet werden, umso rascher wird unsere deutsche Forschung ruiniert werden, denn umso mehr wird die Hochschulforschung entwertet. Anstatt alle Energie auf die Hochschulforschung zu richten, will man allenthalben neue Institute gründen. Das ist das Verkehrteste, was überhaupt geschehen kann." (An den Kultusminister von Hessen,  21. März 1952, Rep. 14-430).
 
Übrigens passen solche Äußerungen eher für Charakteristik Freudenbergs als Organisator. So wollen wir zu dieser Seite seines Portraits anwenden.
 
2.3. Organisator [nach oben]
2.3.1. Institutsdirektor
Ein Leiter - und Freudenberg hatte ab 1922 und bis zu seiner Emeritierung leitende Positionen inne, er war ja alleiniger mächtiger Direktor des gesamten Chemischen Instituts - muss gleichzeitig ein Organisator sein. 
Übrigens ist es wert hier Freudenberg selbst über nötige Eigenschaften eines Leiters zu hören: 
Bezüglich die Kandidatur eines Chemikers für eine leitende Position: Er "ist gar nicht geeignet. Er ist umständlich und unentschlossen. Als Chemiker und Wissenschaftler ist er gut." (An B. Helferich, 8. Jan. 1958, Rep. 14-85). Und über seinen großen älteren Fachgenossen, E. Fischer und R. Willstätter, die einigermaßen ihm Vorbild als Leiter waren: "Männer, die große Entscheidungen mannhaft bestanden haben und zu handeln wussten" (EE).
Freudenberg war, dank seiner Vernunft, Energie, Verantwortung, Gründlichkeit und Fähigkeit für mannhafte Entscheidungen, ein ausgezeichneter Organisator.
Wenn es richtig ist, dass ein Organisationstalent allererst passende Menschen für die bevorstehenden Aufgaben finden könne, so zeigte sich Freudenberg als solches bereits in Karlsruhe. Insbesondere war ihm die Berufung des bedeutenden Organikers Stefan Goldschmidt zum Sommersemester 1923 gelungen. "Er ist auch schon mit vollen Segeln in der Arbeit. Du kannst Dir denken, - schrieb Freudenberg an Meerwein,- was das für mich bedeutet an Anregung und Arbeitserleichterung." (An H. Meerwein, 16. Mai 1923). Wie oben gesagt, konnte Freudenberg auch O. Th. Schmidt als Assistent und sehr tüchtige Hilfskräfte gewinnen - Mechaniker Karl Dezenter und Glasbläsermeister Silverius Lohr. Bei der Berufung nach Heidelberg hatte Freudenberg die Einstellung dort beider Männer ausbedungen, so dass sie ihm folgten, wie auch der treue Schmidt.
Es ist nötig zu erwähnen, dass das Karlsruher Chemische Institut unter erfinderischer Leitung Freudenbergs sehr gut die schwere Zeit der Inflation durchstehen konnte. (R., S. 192-193).
In vollem Glanz aber entwickelte er sich als Organisator in Heidelberg. Allein die Übernahme des furchtbar veralteten Heidelberger Instituts verlangte großes organisatorisches Geschick - und Freudenberg zeigte es. Wie beharrlich er handelte, sehen wir aus seinem Schreiben an das Ministerium vor der Genehmigung des Rufes nach Heidelberg. Er bedingt sein Übergang nach Heidelberg aus durch Erfüllung seiner übrigens ganz angemessenen ja bescheidenen Forderungen, um das materiell und ideell ganz strapazierten Institut zu renovieren, und setzt fort:
"...Was ich verlange, ist Ausbesserung alter Mangel, Ausstellung mit dem Nötigsten, was in jedem Institut selbstverständlich ist. Was ich verlange, wird jedem andern auch gewährt werden müssen. Es handelt sich ausschließlich darum, das Heidelberger Institut überhaupt wieder zu einer Lehrstätte zu gestalten, in dem man Studierenden einen geregelten Unterricht erteilen kann. Es wird auch dann ein mittelmäßiges Institut bleiben. Die Aufgaben eines Institutsdirektors sind vielfältig. Obenan sollen Forschung und Unterricht stehen. Für beide sind saubere Räume, Apparate und Personal nötig. In Heidelberg sind die Unterrichtsaufgaben durch die Personalverhältnisse im Lehrkörper des Instituts besonders erschwert. Reges wissenschaftliches Leben soll sich auch nach außen in chemischer Gesellschaft, Kolloquien etc. kundgeben. Solche Aufgaben erfordern die ganze Kraft. Wenn diese aber gelähmt ist durch die Sorge um die Instandhaltung, durch Mangel an Personal und Apparaten, so geht darüber die stärkste Natur zu Grunde. Diesem Schicksal beabsichtige ich mich nicht auszuliefern, so gerne ich andrerseits bei Bewilligung meiner auf das Notwendigste beschränkten Forderungen die ungewöhnlich große Aufgabe auf mich nehmen würde." (An Kultusministerium, 30. Sept. 1925, Rep. 14-385).
Um sich zu unterstützen, bekam er Gutachten von der Seite der Industrie in Person von Carl Bosch. Erst nachdem seine Forderungen bewilligt wurden, hatte Freudenberg den Ruf nach Heidelberg angenommen.
Nun begann er die richtigen Menschen für das Institut zu gewinnen. Das waren insbesondere, wie oben gesagt, die talentvollen jungen Chemiker Walter Hieber und Karl Ziegler. 
Gleichzeitig beseitigte Freudenberg die untauglichen Personen aus dem "Hof" von seinem Vorgänger Theodor Curtius, wobei er aber Rücksichtnahme und Gerechtigkeit gegenüber anderen beachtete. Für den sehr arbeitsfähigen Physikochemiker, aber nicht leichten Menschen Max Trautz beschaffte Freudenberg ein neues Raum, indem er die Dienstwohnung von Curtius dafür benutzte, und trennte sich von Trautz auch organisatorisch: Physikalisch-Chemisches Institut wurde aus dem Chemischen Institut ausgegliedert. Dabei erwirkte Freudenberg ein persönliches Ordinariat für Trautz. ("Mit Trautz konnte ich ebenso wenig wie Curtius zurechtkommen. Er war verschlossen und mißtraurisch" (An Kl. Schäfer, 10. Sept. 1970, Rep. 14-267).
Auch materiell wurde das Chemische Institut renoviert, so, z. B. die Gasbeleuchtung wurde durch eine elektrische ersetzt.
Außer den erwähnten K. Dezenter und S. Lohr fand Freudenberg noch eine ausgezeichnete technische Kraft für das Institut - die Sekretärin Ella Szendina. "Sie hat von 1930 bis 1957 dem Sekretariat des Chemischen Instituts ... als unentbehrliche Mitarbeiterin des Institutsleiters vorgestanden. Ohne ihre von unbeirrbarer Urteilskraft getragene Berufserfüllung wäre es in schwierigen Zeiten nicht möglich gewesen, die Arbeit des Instituts aufrechtzuerhalten." So schrieb Freudenberg in dem Nachruf, den er 1968 im Chemischen Institut angehängt hatte. (Rep. 14-266).  
Freudenberg wusste es, die Gelder und materielle Mittel für sein Institut von der Industrie (BASF und Knoll AG in Ludwigshafen, Zellstoff-Fabrik in Mannheim u. a.) und von der Notgemeinschaft für die Förderung der Wissenschaft zu bekommen, so dass auch Forschungsarbeiten seiner Dozenten die Unterstützung hatten.
Damals formulierte er auch seine Prinzipien der Zusammenarbeit mit der Industrie: "Es wird im allgemeinen nicht richtig angesehen, dass ein Professor der Chemie ... seine Zeit für beratende Tätigkeit bei der Industrie verwendet. Eine Zusammenarbeit mit der Industrie wird für zulässig angesehen, wenn hierdurch die Forschungsarbeiten des betreffenden Professors Anregung oder materielle Unterstützung erhalten; aber der Professor soll stets für seine Lehrtätigkeit und seine Forschungsarbeit unabhängig bleiben." (An I. C. Olsen, 30. Aug. 1931, Rep. 14-244).
Gleichzeitig führte er eine richtige Ordnung ein. Ein Beispiel gibt sein Schreiben am Ende des ersten Semesters in Heidelberg:
"An die Herren Dozenten!
A)Ich bitte um Mitteilung hierunter, wer von Ihren Mitarbeitern in der ersten Augustwoche noch arbeitet. Dies ist nur solange möglich, als der Arbeitsleiter anwesend ist, der für die Ordnung und etwaige Schaden die Verantwortung trägt.
B)Ich empfehle, dass die Herren Arbeitsleiter Dissertationen, die aus dem Institut hervorgehen, mit ihrem Referat zunächst an mir abgeben, bevor sie bei der Fakultät eingereicht werden. Auf diese Weise wird vermieden, dass Rückfragen, Änderungsvorschläge etc., die ich zu machen habe, vor die Fakultät kommen." 
(27. Juli 1926, Rep. 14-73).
Binnen etwa zwei Jahren hatte Freudenberg das gesetzte Ziel erreicht: "eine Equipe selbständig arbeitender Dozenten zu versammeln, deren jeder die anderen anregte und den Doktoranden vielseitige Arbeitsgebiete erschloss: Walter Hieber, Hans Kautsky, Werner Kuhn, Rudolf Lemberg, Otto Schmidt, Karl Ziegler und nicht zu vergessen Robert Stollé... Man vertrug sich; es bildeten sich Freundschaften unter ihnen. Die allwöchentliche Dozentenbesprechung war von großem Gewinn (R., S. 204).
Im Alter schrieb Freudenberg:
"Gerade die Jahre um [19]30 sind wohl meine glücklichsten gewesen, denn es war mir um jene Zeit gelungen, den Lehrkörper so aufzubauen, wie ich ihn haben wollte. ... Diese Planung eines ganzen Ensembles war die große Chance der damaligen Institutsdespoten, wie wir heute genannt werden. Das ist natürlich bei Verteilung der Verantwortungen auf eine Vielzahl nicht mehr in dem Maße möglich, es sei denn, dass ein überragender Mann das Ruder in die Hand nimmt. Damals war es dem Institutsdirektor in die Hand gegeben, er konnte damit rudern oder auch nicht, je nach Veranlagung und Temperament." (An H. Eyer,  29. Jan. 1971, Rep. 14-83)
Hier ist ein Zeugnis von W. Hieber: Er erinnert "an wesentliche Fragen der Organisation, das Geschick, Interesse an Forschung und Wissenschaft auch bei anderen Instanzen der Verwaltung, Wirtschaft und Industrie zu wecken, nicht zuletzt an die für ersprießliches Arbeiten unerlässliche Bedeutung des guten Einvernehmens unter der Kollegen des Instituts. Die Großzügigkeit, mit der Sie die Arbeiten und die persönlichen Belange Ihrer Dozenten förderten, und Ihr Entgegenkommen gegenüber jüngeren Kollegen werde ich nie vergessen!" (W. Hieber an K. Freudenberg, 29. Dez. 1965, Rep. 14-75).
Ein späterer Weihnachtsvers kann vielleicht einigermaßen die damalige Atmosphäre widerspiegeln:
Der Chef hat scheinbar keine Eile
und bleibt bei jedem eine Weile.
Er tut halt stets vergessen,
dass es ist Zeit zum Essen.
(zum Weihnachten 1935, Rep. 14-584).
Das Arbeitsklima des damaligen Chemischen Instituts war von Einfluss auf die ganze Fakultät. Ein Zeugnis dazu heißt: "Ich freue mich aber auch besonders für den chemischen Teil meiner eigenen Person und für die Chemiker und Physiko-Chemiker, denn Sie werden finden, dass das Zusammenarbeit der einzelnen Fachleute in Heidelberg - Organiker, Chemiker, Physikochemiker, Physiker - ein ganz ungewöhnlich intensives und auch persönlich nettes ist. Ich bin überhaupt der Überzeugung, dass sie die Atmosphäre in Heidelberg nicht nur als wissenschaftlich anregend, sondern auch menschlich sehr erfreulich empfinden werden. Ich glaube, es gibt nicht leicht irgendwo eine Fakultät, an welcher eine so wissenschaftlich-freundschaftliche Atmosphäre herrscht wie hier." (Prof. H. Mark aus dem Hauptlaboratorium der IG Farben an Prof. H. Geiger, 5. Aug. 1931, Rep. 14-580).
Das rosige Bild konnte man bis 1933 zeichnen. 
Sehr charakteristisch ist die Äußerung Freudenbergs im Zusammenhang mit der neuen Habilitationsordnung vom Januar 1935: "Ich sehe in der neuen Ordnung zwei Gefahren. Die eine ist die Hinführung unseres Gesamtberufes in das Beamtenmäßige, wo doch auf der anderen Seite Entwicklung der wissenschaftlichen Individualität der entscheidende Punkt ist. Wir nehmen nun einmal eine Zwischenstellung zwischen Beamten und den Künstlern ein und dürfen nicht ganz nach der Seite der Beamten hingewiesen werden. Eine Theatergruppe kann man auch nicht beamtenmäßig durch Versetzungen zusammenstellen. Damit wird gleichzeitig der andere Punkt berührt. Ein Institut wie das meine ist ein Organismus, in dem die Fächer und Persönlichkeiten gegeneinander abgestimmt sind. Er ist, wenn Sie so wollen mit einem Orchester oder mit einer Theatergruppe zu vergleichen, die auch eines Geistes sein muss, damit sie wirklich zusammenspielt. Wenn die neuen Erlasse sich dahin auswirken, dass man nicht auf Jahre hinaus planen kann, sondern uns die Herren hin und her versetzt werden, so würde das für unser wissenschaftliches Leben sehr gefährlich." (An Direktor Dr. Kränzlein, IGF, Höchst,  4. Jan. 1935, Rep. 14-211).
Im Dritten Reich diente Freudenbergs organisatorisches Talent besonders für Bewahren seines Instituts und für Befreiung mehreren Mitarbeiter und Studenten vom Militärdienst.
 
2.3.2 Wiederaufbau [nach oben]
Durch die Proklamation Nr. 1 von General D. Eisenhower, damals Oberbefehlshaber der amerikanischen Besatzungstruppen, wurde die Universität mit allen ihren Instituten und Institutionen am 1. April geschlossen. Wie erwähnt,  sammelten sich 13 unbelastete Professoren, einschließlich Freudenberg, am 5. April in der Wohnung von K. Jaspers, um die Zukunft der Universität vorläufig zu besprechen.  Die CIC der 7. Armee erteilte die erforderliche Erlaubnis, weil Versammlung mehr als fünf Personen den Deutschen verboten war. Dieses Treffen mündete in die Konstituierung des so genannten "Dreizehner-Ausschusses", und seiner Zulassung durch die Militär-Regierung Heidelberg. (Es ist zu bemerken, dass tatsächliche Zahl der Mitglieder und Zusammensetzung des Ausschusses änderten sich. Die Namen s.: Bauer, 1947, S.1; Ernst, 1960, S. 5; De Rosa, S. 547; Schlechter, S. 49).
"Unter Vorsitz von Dibelius, später von Freudenberg, wurden alle die drängenden Probleme einer neuer Verfassung, die Grundideen der geistigen Umerziehung, die Fragen der Säuberung vom Nazigeist, einer ausreichenden Hochschulreife bei den Kriegsabiturienten und all die sonstigen Probleme des innerrevolutionären Übergangs durchberaten und für Exekutive vorbereitet." (Bauer, 1946, S. 2).
Wenig ist vorhanden von damals als Akten: Man dachte mehr an das Handeln als an das Dokumentieren. Umso mehr interessant scheint es hier einige Dokumente aus dem Nachlass Freudenbergs zu bringen.
"Naturw.-math. Fakultät.
Gesichtspunkte für die Befreiung der Fakultät von Nationalsozialisten.
(Ein Teil der Grundsätze entstammt einer Aufstellung von K. Jaspers)
Die Fakultät muss aus Gründen ihrer Selbstachtung solche Mitglieder des Lehrkörpers ausschalten, die
1.Nationalsozialistisches Gedankengut innerhalb oder außerhalb der Universität verbreitet und sich nazistische Methoden und Zielsetzungen zu eigen gemacht haben,
2.ihren Partei-Einfluss benutzt haben, um Kollegen oder Schüler zu verdrängen oder zu schädigen,
3.ihre wissenschaftlichen Zielsetzungen, Methoden oder Ergebnisse den Parteilehren zuliebe verbogen haben,
4.in ihren dienstlichen oder außerdienstlichen Verhalten sich gegen die Würde ihres Amtes vergangen haben.
5.Auch müssen die Habilitationen, Beförderungen und Berufungen seit 1933 unter dem Gesichtspunkt geprüft werden, ob sie bei mangelnder Qualifikation aus politischen Gründen erfolgt sind.
6.Erschwerend fällt ins Gewicht, wenn einer, obwohl er anders hätte handeln können, durch Schwäche, Duldsamkeit oder Unterwürfigkeit nazistischen Bestrebungen in der Fakultät und Universität Vorschub geleistet hat.
7.Jugend, persönlicher oder beruflicher Zwang, zeitige Gesinnungsänderung und Bewährung durch mehrere Jahre zusammen mit guten Leistungen sollen als mildernde  Gründe anerkannt werden.? (1945, 13er Ausschuss, Rep. 14-593)
 
Noch ein paar Einzelheiten zu Entnazifizierung, wie sie Freudenberg verstand.
Schon Anfang Juni schreibt er dem Juristen Prof. Walter Jellinek, auch Mitglied des Dreizehner-Ausschusses, über die bekannte in Heidelberg Portheim-Stiftung, die seit 1933 in die Hände des Nazis Hans Himmel geraten war: "Es ist dringend nötig, dass die Statuten durchgesehen und Schritte zur Wahl eines Vorstandes getan werden." (An W. Jellinek, 6. Juni 1945, Rep. 14-25).
Kaum der Rektor und Senat gewählt wurden, bereitet Freudenberg Entwurf eines Schreibens des Rektors an Direktor des "Philip-Lenard-Instituts" über Unbenennung des Instituts: "Lenard ist ohne Zweifel ein Gelehrter von größten Verdiensten", aber "Der von ihm in der Physik und der deutschen Wissenschaft angerichtete Schaden ist unermesslich und gereicht der Universität zur Unehre." (13.8.1945, Rep. 14-489).
Auch einige allgemeine Antworten Freudenbergs auf amerikanische Fragebogen vom Juni 1945 sind aufschlussreich:
"Unsere Universität, die deutsche Universität überhaupt, hat eine enorme Aufgabe in Neuerziehung und Wiederaufbau des deutschen Volkes. Dass Geist - und Ungeist - die Menschen lenken, haben die Ereignisse eindringlich gelehrt. Im Mittelpunkt der Erziehung muss die Forderung: habeas corpus stehen, die zum Glauben der Nation werden muss. Alles was jenseits ist, ist Chaos. Diese Erziehung ist in erster Linie die Sache der Universität..."
"...eine Hauptaufgabe des Intellektuellen: Selbständigkeit, Bekämpfung der Herdenmentalität, die eine Folge der Verbeamtung ist. Schärfste Bekämpfung des Denunziantentums, zu dem der Nationalsozialismus das Volk erzogen hat und das auch eine Folge der Unterwerfung unter eine unbeschäftigte überflüssige Naziobrigkeit ist. Das Denunziantentum haben wir im alten Deutschland nicht gekannt."
"Das Volk sieht im Nazismus den Bekämpfer der Arbeitslosigkeit, die tatsächlich 1933 fast schlagartig aufgehört hat (es übersieht, dass dies durch die Aufrüstung erreicht wurde auf Kosten des Volksvermögens). Deshalb wird Arbeitsbeschaffung als das Kriterium der neuen Ära angesehen. Auf diesen Punkt kann die Aufmerksamkeit nicht genügend stark hingelenkt werden. Wenn die Besatzungsbehörde recht bald Arbeit schafft, hat sie das Volk für sie gewonnen. Andernfalls wächst die Verzweiflung und der Kommunismus." (Rep. 14-313).
Und in anderen Dokumenten:
"Die Selbstverwaltung ist ein Schutz und eine Erziehung gegen das Grundübel der Deutschen, die blinde Hörigkeit gegenüber der Obrigkeit. Andere Völker bedürfen diese Einwirkung vielleicht weniger als gerade das deutsche Volk." (Über die Verantwortung der deutschen Hochschulen, 21.7.1945, Rep. 14.-593).
"Jetzt, nach der Katastrophe, scheint mir der Zweck meines Daseins zu sein, in dem mir anvertrauten Wirkungskreis für Bildung, Tradition und Selbstverantwortung im Rahmen demokratischer Lebensformen zu kämpfen. Solange die Deutschen die politische Gewalt in ihrem Volke nicht selbst ausüben, muss die Erziehung zu neuen Lebensformen im Berufungskreis des Einzelnen und der Gemeinde erfolgen.  «Die Tugend besiegter Völker ist die Geduld, nicht die Resignation», - sagt Spengler. Unter Geduld verstehe ich beharrliches Schaffen." (Lebensbeschreibung,  21.7.1945, Rep. 14-593). 
 
Freudenberg handelte unter dem Motto: "Das Gebot der Stunde ist Konzentration aller Kräfte zur Erhaltung des Vorhandenen." (2. Sept. 1945, Rep. 14-6).
Deswegen entwickelte er auch manche andere Aktivitäten außerhalb der Universität, so bezüglich der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Chemischen Gesellschaft Heidelberg, der Wiederherstellung der wissenschaftlichen Zeitschriften (s. 2.3.6). Dazu gehörten auch endlose Gesuche und Besprechungen, auch mit Amerikanern, über die besetzten Räume der Universität - der erhebliche Teil der Universitätsgebäude, insbesondere die Universitätsbibliothek und die Neue Universität wurde ja durch amerikanisches Militär beschlagnahmt.
Das Hauptproblem war natürlich die Wiedereröffnung der Universität.
"Es herrscht eine furchtbare geistige Not unter Studenten, die nach langen Kriegsjahren nicht zum Studium kommen, - schrieb Freudenberg Anfang Oktober. - Hoffentlich begreift man noch in letzter Stunde die Gefahren des Hinhaltens aller nach Tätigkeit drängenden Kräfte." (An B. Helferich,  2. Okt.1945, Rep. 14-85).
 
Die "Durchsiebung" der Dozenten seiner Fakultät war nur in den Anfang.
"Meine Zukunftspläne richten sich auf mein Institut; ich hoffe auf Wiederherstellung meiner Dozenten, die mich in allen diesen Jahren unterstützt haben, und hoffe, das jetzt darniederliegende Institut wieder aufrichten und seiner früheren Blüte bringen zu können. Jede Zelle, die funktioniert, ist für Wiederaufbau mehr wert als retrospektive Reden.
Wenn die Antinazi-Gruppen in Deutschland zusammenarbeiten sollen, so müssen zunächst diejenigen Gruppen ausgeschieden werden, die unter dem Motto Antifaschismus und Demokratie totalitäre Macht anstreben und sich nach wie vor ungesetzlichen Methoden bedienen, die sie von den Nazisten gelernt haben. Im übrigen hoffe ich auf die Beseitigung der "Zonen", Schaffung einer deutschen Staatseinheit unter demokratischer Verfassung bei Beschränkung der Parteien auf die Zahl von 2 oder 3 durch ein geeignetes Wahlsystem." (Autobiographie, Mitte Dez. 1945, Rep. 14-607)
Im Herbst 1945 begann die systematische Entnazifizierung der Universität. Nach formellen Kennzeichen unterteilte die Besatzungsmacht das Personal in vier Klassen: unbedingt angenommen, bedingt angenommen, bedingt abgelehnt und unbedingt abgelehnt. Zu der letzten Klasse der Naturwissenschaftlich-mathematischen Fakultät gehörte 60% des Personals. Am 5. Januar 1946 wurden 18 Mitglieder der Fakultät angenommen und 32 abgelehnt. "Unerbittliche Konsequenz" herrschte bei den amerikanischen Behörden, so Freudenberg, und seine Hauptaufgabe wurde nun Wiederherstellung des Lehrkörpers der Fakultät. "Wissenschaftlich treibe ich überhaupt nicht mehr, dagegen verbringe ich den Tag mit Schreibereien und Palabern und komme doch mit nichts vom Fleck. Daran sich zu gewöhnen ist nicht leicht, jetzt, wo so viel zu tun wäre" (An O. Diels, 2. Okt. 1945, Rep. 14-83). 
In diese Zeit, von Oktober 1945 - und bis Ende 1946 fällt eine große Menge von Schreiben über verschiedene Persönlichkeiten bezüglich ihrer Verhältnisse zu Nationalsozialismus. "So musste um manchen Mann, der geirrt, vielleicht sogar gefehlt, aber nicht gesündigt hatte, gekämpft werden, um ihn mit dem sicheren Nachweis des Freigebliebenseins von Nazi-Ideologie aus der Quarantäne frei zu bekommen." (Bauer, 1946, S. 5).
Besonders viele Mühe kostete Freudenberg die Rückkehr seiner außerordentlichen Professoren O. Th. Schmidt und R. Juza zu erwirken, die nur nominale Parteimitglieder gewesen und während der Nazizeit ihm treu zu Seite in dem Bestreben das Institut frei von Nazieinflüssen zu halten gestanden sind. Es gelang erst zum November 1947.
Andrerseits bemühte sich Freudenberg um frische Kräfte von außen. 
Als die erste, noch im Sommer 1945, erschien Margot Goehring aus Halle, die zukünftige Professorin und Rektorin. Sie berichtet über "die entscheidende Begegnung" mit Freudenberg, dem ihr Kollege Günther Schenk vorgestellt hat: "Karl Freudenberg war, wie es seiner Art entsprach, höflich, aber wortkarg. Er ließ sich erzählen, was ich so gearbeitet hatte, sagte, dass ihn dies interessiere, und veranlasste mich zu weiteren Erzählungen. Dann ging das Gespräch zur Politik über. Ich äußerte mich über Hitler negativ - was damals jemand tat - und negativ auch über die Besatzungsmacht und den Nürnberger Prozess - was damals kaum jemand tat. Als wir gingen, hatte ich den Eindruck, dass Freudenberg eigentlich nur stumm zum Fenster hinausgeschaut hatte. Günther aber sagte: «Dem alten Herrn hast du ja mächtig gefallen!» So muss es denn wohl auch gewesen sein; denn im Herbst erreichte mich die Bitte des Dekans der neu eröffnenden naturwissenschaftlichen Fakultät - Freudenberg - nach Heidelberg zu kommen und als Dozentin dort anorganisch-chemischen Unterricht zu übernehmen." (Becke-Goehring, S. 55-56). Sie begann ihr Dienst ab Januar 1946.
Eine andere bedeutende Persönlichkeit deren Einstellung nach Heidelberg Freudenberg wesentlich gefördert hatte, war Physikochemiker Klaus Schäfer.
 
Das Leben stabilisierte sich nur langsam und jede Kleinigkeit benötigte viel Mühe.
"Mein Laboratorium ist jetzt so voll, wie ich es noch nie erlebt habe. Der Mangel an Glasgerät und Chemikalien ist sehr fühlbar. Oft sind es ganz primitive Dinge, die fehlen, wie Methanol oder reine Salzsäure. Dann muss man das Auto angekurbelt werden, um diese Dinge von Ludwigshafen oder Höchst zu holen. Dazu braucht man aber Benzin! Wenn das endlich beigeschafft ist, fehlt Schwefelsäure oder Aceton. So wird viel Zeit mit Dingen verloren, die es nicht wert sind. Ähnliches haben wir nach 1918 erlebt, der Zustand hat etwa zwei Jahre gedauert und war sehr lästig." (An H. A. Walter,  8. Mai 1947, Rep. 14-303).
"Es gehört, scheint es, zu unserem Dasein, dass man zu nichts Zeit hat und zu nichts kommt. Will man telefonieren, so ist der Apparat gesperrt wegen Überlastung der Leitungen. Gibt es mal gerade Methanol in Ludwigshafen dann fehlt das Benzin oder der Zonenpass. Überhaupt die Zonen!" (An H. Mark,  8. Mai 1947, Rep. 14-231).
 
Erst nach Rückkehr aus Schweden konnte er zufrieden sein.
Bald aber sollte er sich auf die Rektorenarbeit konzentrieren.
 
2.3.3. Rektor [nach oben]
Auch in der Eigenschaft eines Rektors zeigte Freudenberg sein organisatorisches Talent indem er die richtigen Menschen mit bevorstehenden Aufgaben beauftragen konnte, ihre Namen sind in seinem Rechenschaftsbericht des Prorektors genannt. Man kann sehen, wie vielseitig die Arbeit dieses Teams war. Eine der damaligen Aufgaben war die erneute Verfassung der Universität zu schaffen - dafür hat Freudenberg eine besondere Kommission unter der Leitung von Eugen Ulmer berufen. (Bekanntlich wurde die neue Satzung für die Universität durch den Dreizehner Ausschuss ausgearbeitet und Ende November 1945 durch den Senat angenommen und durch Badische Regierung genehmigt. S. Weisert, S. 140).
Außer den vielen personellen Begebenheiten gab es mehrere Angelegenheiten in den "Beziehungen zwischen Universität und ihrer Umwelt." Zu der 1948 gegründeten "Vereinigung der Freunde der Studentenschaft der Universität Heidelberg" kam nun, nach Freudenbergs Initiative, die neu errichtete "Universitäts-Gesellschaft Heidelberg". Ziel dieses allgemein nützlichen Vereins war die Förderung der "wissenschaftlichen Bestrebungen der einzelnen Institute mit dem besonderen Bemühen, da einzuspringen, wo schnell geholfen muss und unerwartete Bedürfnisse auftreten. Das ist in einem so vielspaltigen Betrieb wie eine Universität häufig der Fall. Denn bis Bewilligungen von Seiten der großen Organisationen oder Ämter an uns gelingen, vergeht stets eine längere Zeit." (An Dr. Klaus Raschig, 12. Mai 1964, rep. 14-297). Auch die Herausgabe der "Heidelberger Jahrbücher" war eine wichtige Funktion der Gesellschaft, und auch hier war die Initiative Freudenbergs maßgebend. Ihre Mittel bekam die Gesellschaft von den Firmen, für die Herausgabe der "Jahrbücher" nach dem Krieg war die großzügige Unterstützung des Springer-Verlags in Heidelberg entscheidend. Freudenberg gehörte 1949-1970 zu dem Verwaltungsrat der Gesellschaft und zu dem Herausgeberkomitee der "Jahrbücher". (Im Jahre 2003 verschmolz die Gesellschaft mit der Vereinigung der Freunde der Universität Heidelberg in die Gesellschaft der Freunde der Universität Heidelberg).
"Als drittes nach außen wirkendes Organ trat der Beirat der Universität ins Leben. Seine Aufgabe ist, Verbindung mit Volkshochschulen und Kulturverbänden der Umgebung herzustellen sowie frei Aussprachen zwischen Senat und Vertretern der Gemeinden, Ämter und Verbände aller Art herbeizuführen. Die Einrichtung befindet sich noch im Stadium der Entwicklung." (Rechenschaftsber., S. 11). (Die erste Sitzung des Beirats war am 29. Juli 1950 stattgefunden. Seine Tätigkeit ist bis 1959 nach den Akten nachweisbar (B-1280, B-1281/1, 
B-1281/2, B-1281/3). Heute existiert er nicht.)
 
Ein Problem, das Freudenberg als Rektor zu lösen angefangen hat, war das Korporationswesen. Er bemühte sich, die neu entstandenen Verbindungen zu fördern gegenüber den Traditionskorporationen. (Später wurde ein Studentenhaus dafür eingerichtet). Bezüglich Bestimmungsmensuren - die abgeschafft wurden aber als "Sportfechten" wieder erschienen - bemerkte Freudenberg: "Aus dieser Umbenennung sieht man die ganze Verlogenheit und das Muckertum dieser Bestrebungen. Der erzieherische Wert der Mensur will mir nicht einleuchten, denn ich habe nie gefunden, dass der schmissbedeckte Deutsche mehr Zivilcourage hätte, als irgend ein anderes Individuum." (An Dr. H. Hahn, 7. Dez. 1950, Rep. 14-196). Freudenberg persönlich unterstützte die Studentenvereinigung "Friesenberg" und eine Zeit war sogar im Vorstand der Vereinigung. (Rep. 14-434). Einem Kameraden aus dem Bonner Kreis teilte Freudenberg mit:  "Ich bin zurzeit Rektor und bemühe mich allen vernünftigen Studentenverbindungen die Wege zu ebnen. Bis jetzt habe ich es auch dahin gebracht, dass sich die alten Farbverbindungen sehr vernünftig verhalten haben." "Ich interessiere mich hier recht lebhaft für eine Verbindung des Namens "Friesenberg", die vor 5 Jahren aus einem Debattierklub entstanden ist und in der ich eine Art Patenschaft übernommen habe. Der Friesenberg hat seinen Namen ganz einfach von einem Sträßchen unter dem Schloss, in dem er sich konstituiert hat. Er rekrutiert sich am Studenten aller Fakultäten und hat auch Studentinnen in seinen Reihen. Es ist eine Gesellschaft, in dem ich mich immer sehr wohl fühle und die mich, von den Mädchen abgesehen, an vieles erinnert, was wir einstens im Bonner Kreis gehabt haben. Die Lebensweise des Friesenbergs ist denkbar bescheiden." (An Franz Oelmann, 1. Nov. 1949 und 8. Aug. 1951, Rep. 14-245).
 
Alle diese (und viele andere) Entwicklungen verliefen unter sehr kargen finanziellen Verhältnissen. Überall, wo er nur konnte, auch in diesem Rechenschaftsbericht beharrte Freudenberg: "Die Etats der Hochschulen sind im Vergleich mit anderen Ausgaben durchweg zu nieder eingesetzt. Man vergisst, dass sich mehr als 80% der wissenschaftlichen Produktionskapazität bei den Hochschulen befindet. Die Ausrüstung der Hochschulen mit Forschungsmitteln trägt dieser Tatsache in keiner Weise Rechnung." (Rechenschaftsber., S. 10). Um die Sache dem Ministerium klarzumachen, wurde eine besondere Denkschrift des Rektorats und Senats vorbereitet. Die Heidelberger Zeitung charakterisierte damals diese Schrift als "wirklicher Notschrei" (Heidelberger Tageblatt, 1949, 21. Dez., Nr. 208, S. 7). "Der Haushaltsausschuss des Landtages, - setzt Freudenberg nicht ohne Ironie fort, - wird sich aber angesichts dieser drohenden Lage unserer Universität nicht wundern dürfen, wenn trotz beträchtlicher Bewilligungen des vergangenen Jahres eine neue Wunschliste vorgelegt wird." (Rechenschaftsber., S. 10).
Außer zahllosen großen und kleinen Problemen eines Rektorats sah Freudenberg eine spezielle riesige Aufgabe vor sich - die neue Universität auf einem neuen Gelände.
 
2.3.4.  Institutsbau [nach oben]
Während des Rektoratsjahres musste die Gesamtanlage einer neuen Universität auf nördlicher Neckarseite geplant und von Stadt und Regierung bewilligt werden - das hat Freudenberg vollendet. Nun, nachdem das Gelände reserviert und ein Generalbebauungsplan geschaffen wurden, kam die Zeit, den Bau des neuen Chemischen Instituts zu organisieren.
Das alte Institut platzte aus allen Nähten. Freudenberg konnte "eine Ausweichstelle" mieten, um eine Anzahl Doktoranden dorthin verlegen. Man merkte "dem alten Gebäude immer mehr die Überbelegung" an. "Es sieht fürchterlich darin aus." (An H. Hahn, 7. Dez. 1950, Rep. 14-196). Nicht nur die räumlichen Verhältnisse, sondern auch die Sicherheitsvorkehrungen waren in den alten Gebäuden völlig ungenügend. (Mußgnug, S. 185-186).
Anfang 1951 berichtete Freudenberg: "Nach langem Kampf habe ich jetzt die erste Baurate für ein neues Chemisches Institut sicher.... Ich bin jetzt froh, dass ich das Rektorat hinter mich habe und die Hände für den Bau frei haben werde." (An Fr. Braun, 15. Jan. 1951, Rep. 14-100).
Freudenberg erzählte später: "Ich hatte 25 Jahre gehabt, mit den Bauplan zu überlegen. ... Ein wesentlicher Gesichtspunkt war von Anfang an auf die Möglichkeit der Erweiterung gerichtet....wir waren schließlich in Heidelberg  auf den Baubeginn am 1. April 1951 gerüstet. Aber die Ämter lieben keine Eile. Ich habe das Verfahren gewählt, mich in den Wartezimmern der Ministerien in Karlsruhe einzunisten und möglichst lästig zu machen..." (R., S. 160)
Sein Bericht vom Februar 1952 ließt sehen, wie anstrengend sich die Sache entwickelte: "Der größere Teil des Neubaues kommt in diesen Tagen unter Dach, und an dem übrigen wird weitergebaut.... jetzt werden sehr viele einzelne Entscheidungen zu treffen sein, wie z. B. die Wahl des Bodenbelags, die Einzelheiten der Installation und vieles mehr. Das Geld reicht bis jetzt nur für den Rohbau und demnächst muss der Landtag in Stuttgart die Mittel für die Fortsetzung des Baues bewilligen, sonst kommt alles zum Stillstand" (An Bror Holmberg,  4. Febr. 1952, Rep. 14-194).
Nachdem das erste Gebäude des neuen Instituts fertig und bezogen war, organisierte Freudenberg eine auswärtige Sitzung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften im neu eröffneten Raum. Dozenten des Instituts berichteten über ihre Arbeiten. Das war eine gut bedachte Demonstration des Chemischen Instituts vor der wissenschaftlichen Öffentlichkeit in Heidelberg.
Im Dezember 1953 bekommt Freudenberg eine Bitte, seine Erfahrung bezüglich des neuen Instituts weiterzugeben: "Herr Wittig hat mir so begeistert von den Neubau der Heidelberger Chemie berichtet und sagte mir, dass er in seinen Einrichtungen in vieler Hinsicht alles übertreffe, was er bisher an Universitätsinstituten unseres Faches gesehen habe." (A. Butenandt an K. Freudenberg 8. Dez. 1953, Rep. 14-120).
Sein Schwiegersohn, selbst Chemiker, der Zeuge aller Ereignisse gewesen war, bestätigt: "Er hat an der Planung sehr stark mitgewirkt und der merkwürdige, aber sehr praktische Bau des Chemischen Instituts ist durchaus sein persönliches Werk." (Plieninger)
Im Institut funktionierte alles ausgezeichnet. "Die drei Damen teilen sich in die Kassengeschäfte, Personalangelegenheiten, studentische Angelegenheiten, Korrespondenzen, Bibliotheksarbeiten, Ausfertigung meiner eigenen wissenschaftlichen Arbeiten und anders mehr. Mündliche Diktierarbeit wird nicht gemacht, ich spreche in Dimafon, was den Damen und mir Zeit erspart." (An B. Helferich, 5. Okt. 1955, Rep. 14-85). Freudenberg "stellte seine technischen Mitarbeiter selbst ein und hielt immer Kontakt mit jedem einzelnen." (Plieninger)
Über die goldene Zeit erinnernd, schrieb Freudenberg 1965: "Noch einmal, Anfang der fünfziger Jahre, ist mich ähnliches gelungen, wenn auch nicht in solcher Maße". (An W. Hieber, 14. Dez. 1965, Rep. 14-75).
 
Auch in dem wiederherstellten Institut musste Freudenberg Möglichkeiten aussuchen, um die wissenschaftliche Arbeiten mit nötigen Mitteln zu besorgen. Dabei stimulierte er auch seine Mitarbeiter dasselbe zu tun. Umfangreiche Akten mit verschiedenen Antragen an Forschungsgemeinschaft und an chemischen Firmen spiegeln seine ständige Bemühungen, die materielle Unterstützung für die Arbeit zu haben. (Rep. 14-617, !4-618). Wichtig war aber auch die richtige Verteilung der Mittel. Lehrhaft in diesem Zusammenhang ist insbesondere seine folgende Äußerung:
"Ich rätsle immer an der Frage herum, warum wir hier sechs vollamtliche Privatdozenten der organischen Chemie haben und an anderen Hochschulen höchstens einer oder gar keiner ist. Die Kurzsichtigkeit der Institutsdirektoren ist erschütternd. Ich glaube, das kommt daher, dass sie auf dem kümmerlichen Sachetat sitzen und ihn für sich verwenden wollen. Wir sind hier seit langem dahin gekommen, dass der Sachetat eben für die allgemeinen Bedürfnisse des Instituts, die Bibliothek, große Reparaturen und allgemeine Einrichtungen, die allen zugute kommen, ausreicht, und dass jeder Dozent für seine Forschungsmittel selber zu sorgen hat. Wir haben zusammen etwa die fünffache des Sachetats für Forschungszwecke aufgebracht (zu meiner Zeit 30000 und 150000). Je mehr Dozenten umso mehr wird auch hereingebracht, und jeder hat Vorteile von den Apparaten, die so in das Institut hereinkommen." (An Otto Bayer, Leverkusen, 19. März 1957, Rep. 14-143).
 
2.3.5. Forschungsinstitut [nach oben]
Als eine glückliche Form der Organisation von wissenschaftlicher Arbeit zeigte sich das "Forschungsinstitut für Chemie des Holzes und der Polysaccharide", dessen Leitung Freudenberg innehatte. Überhaupt hielt er für eine Universität wünschvoll, den Lehrstuhl und das Forschungsinstitut unter der "Personalunion zwischen beiden Stellen" zu verbinden. (An Dekan d. Naturwiss. Fakultät der Univ. Frankfurt, 23. Nov. 1940, Rep. 14-166). Wie oben gesagt, wurde das Institut 1938 errichtet. Im inneren Betrieb des Chemischen Instituts der Universität war keine Grenze zwischen diesem und dem Forschungsinstitut gezogen. Die Dozenten, Assistenten und Studenten des Chemischen Instituts benutzten alle Einrichtungen des Forschungsinstituts und umgekehrt. Es erlaubte Freudenberg die wissenschaftliche Arbeit im Chemischen Institut zu fördern, auch trotz des Krieges.
1945 wurde das Forschungsinstitut als eine Staatsorganisation des Dritten Reichs geschlossen. ("Das Vierjahresplaninstitut ist zusammen mit dem tausendjährigen Reich dahingesunken! Wir fangen wieder von Vorne an", - bemerkte Freudenberg in einem Brief vom Januar 1946 (An Dr. August Noll, 22. Jan. 1946, Rep. 14-240). Freudenberg sah aber die Vorteile, gleichzeitig einen Lehrstuhl und eine Forschungsanstalt zu leiten. Mit großem Geschick, aber auch mit großer Mühe erwirkte er deren Neuerrichtung als sog. landeseigenes Forschungsinstitut. (Das erste Gesuch Freudenbergs an Militärbehörden um eine Erlaubnis, das Forschungsinstitut zu erhalten, ist mit 15. Juni 1945 datiert (Wood Chemistry in Heidelberg, Rep. 14-24). Die Entscheidung des Ministeriums, das Forschungsinstitut in den Haushalt der Landesverwaltung zu nehmen erfolgte am 20. Mai 1947. Das war eine Stütze für die wissenschaftliche Tätigkeit des Lehrstuhlinhabers. Freudenberg leitete das Institut ohne Gehalt.
Nach der Emeritierung Freudenbergs im Jahre 1956 verblieb ihm das Forschungsinstitut, dessen eigentlicher Sinn, so Freudenberg, "darin bestand, das Arbeitsgebiet, das sonst schlagartig für Deutschland verloren gegangen wäre, aufrechtzuerhalten." Das war gelungen. Jahresetat des Instituts (im Jahre 1964 - DM 85000) wurde zum größten Teil für Personalmittel benötigt (1 wissenschaftlicher Assistent, 3 technische Angestellte, 1 Verwaltungsangestellte, 2 Lehrlinge). Da das Institut "eine gewisse werbende Kraft" besaß, genoss es die Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Deutschen Gesellschaft für Holzforschung und zog immer jungen Forscher aus Ausland an.
Nach wie vor stellte das "Holzinstitut" ein besonderes Laboratorium innerhalb des Chemischen Instituts der Universität dar, wo die Chemie der Holzbestandteile betrieben wurde. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Freudenbergs benutzten das gesamte Instrumentarium der Chemischen Institute in Heidelberg, wie auch umgekehrt die Spezialapparate, die im Etat des Holzinstituts standen, wurden den Dozenten und Assistenten des Chemischen Instituts zur Verfügung gestellt. Dasselbe galt für die Bibliothek: Die eigene Bibliothek war ganz klein, etwa 50 Bände, im Übrigen benutzte man die große Bibliothek des Chemischen Instituts. (nach:  an H. Ando, Japanische Botschaft, 29. Juli 1964, Rep. 14-206).
Dank dieser Forschungsanstalt konnte Freudenberg seine Arbeiten mit größeren Mitteln durchführen. Eine besondere Erwähnung gilt den jahrzehntelangen Ligninforschungen, die mit dem Buch vom 1968 zusammengefasst wurden.
Bevor der Auflösung des Instituts im Jahre 1969 besorgte Freudenberg die Bewahrung seines Arbeitsgebiets: "Es ist mir aber gelungen, den Kern des Instituts am Leben zu erhalten, und zwar durch Überführung an das Polymer-Institut der Technischen Universität in Karlsruhe. Dort wird der Dozent Dr. Nimz einrücken als Leiter der Abteilung für polymere Naturstoffe. ... So kann also mein Institut mit einer gewissen Befriedigung seine Pforten schließen und einem Neuanfang den Weg freimachen." (An Prof. Franz Kollmann, 19. Febr. 1969, Rep. 14-218).
 
2.3.6.  Öffentlich-wissenschaftliches Wirken [nach oben]
Es sollten auch Freudenbergs organisatorischen Aktivitäten im Gebiet des öffentlich-wissenschaftlichen Lebens nicht vergessen werden.
Chemische Gesellschaft in Karlsruhe war seine erste Station: Hier fungierte Freudenberg als 1. und 2. Vorsitzender und bemühte sich ständig hervorragenden Fachgenossen als Vortragende einzuladen. Auch selbst trug er viel vor. "In dieser Sitzungen herrschte dank Ihrer Tätigkeit stets ein frischer Geist und eine wissenschaftlich einwandfreie Richtung", so steht in der Erklärung der Gesellschaft, die Freudenberg vor seinem Abschied nach Heidelberg zu ihrem Ehrenmitglied ernannt hatte (Rep. 14-848).
In derselben Richtung wirkte Freudenberg auch in der Heidelberger Chemischen Gesellschaft, die er rund 30 Jahre leitete und sehr geschickt die Selbständigkeit der Gesellschaft bewahrte. 
Insbesondere hat er sie vor der Verschmelzung mit der Deutschen Chemischen Gesellschaft (nach dem Krieg - Gesellschaft Deutscher Chemiker) behütet. So bewahrte sich sie als ziemlich lose und wenig formelle Vereinigung. Im Dritten Reich, im Februar 1934, organisierte Freudenberg eine Sitzung "Unsere Arbeit im Staate" - Vorträge seiner Dozenten über ihre Arbeiten in Beziehung zum praktischen Leben. "Es musste etwas geschehen, um zu zeigen, dass wir nicht hinterm Mond standen." (Rep. 14-541). Im Oktober 1946 erwirkte Freudenberg die Wiedereröffnung der Gesellschaft, sein Antrag wurde genehmigt.
Eine der Richtungen der damaligen Aktivitäten Freudenbergs war ein reger Briefwechsel in Bemühungen, die unterbrochenen Verbindungen zwischen den Kollegen neu zu errichten. "Wer ist wo" bleibt wiederholtes Thema seiner Briefe von 1945-1947. Die Kulmination dieser Tätigkeit, eine recht herausragende Leistung, wurde die Organisation der Tagung deutscher Chemiedozenten im April 1947.
"...wir haben gerade eine Chemikertagung hinter uns... Die Tagung wuchs sich unter unseren Händen in kaum zu bewältigende Dimensionen aus. Wir hatten schließlich in dem zum Bersten gefüllten Heidelberg an die 200 Quartiere ausfindig zu machen. Was das heißt, versteht nur wer unsere Verhältnisse kennt. Die alte Aula war voll von Zuhörern und alles verlief auf das beste. Die Vorträge hatten Niveau. Was da berichtet wurde war buchstäblich zwischen Bombentrichtern und unter dem Schall der Sirenen gearbeitet worden und war doch völlig friedensmäßig. Die Tagung hat mir wieder Vertrauen gegeben, dass doch etwas vom alten Geist leben bleiben wird und die fähige Köpfe in dem Nachwuchs sind - trotz alledem.
Dass ich über dem wochenlang nicht wusste, "ob ich e Männle oder e Weible bin" - wie man in Schwaben sagt, können Sie sich denken." (An H. Mark,  8. Mai1947, Rep. 14-231).
"im Ganzen freue ich mich bei der schweren Lage unseres Landes das Gefühl haben zu dürfen, zu meinem Teil an der Besserung der Verhältnisse mitwirken zu können. So haben wir vor einigen Wochen ein Chemikertreffen zusammengebracht, das 4-500 Teilnehmer hatte und sehr schön verlief. Es hat mir Mut gegeben, dass sich die guten Kräfte wieder sammeln und wir Alten unsere Tradition an eine gute jüngere Generation weitergeben können." (An H. A. Walter, 8. Mai 1947, Rep. 14-303). 
Außer üblichem Vortragswesen - auch hier kümmerte sich Freudenberg, interessanten Persönlichkeiten in die Chemische Gesellschaft einzuladen - sollte seine Initiative erwähnt werden, Gedenktabletten auf den Häusern von bedeutenden Heidelberger Chemikern, L. Gmelin, A. Kekulé, R. Bunsen, V. Meyer und Th. Curtius zu errichten. Wieder sehen wir Freudenbergs Beachtung der Geschichte seiner Wissenschaft.
 
In öffentlich-wissenschaftliches Gebiet gehört auch die wichtige Arbeit Freudenbergs in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften,  deren Mitglied er seit Februar 1924 war (ab November 1926 - ordentliches Mitglied). 1943-1949 leitete Freudenberg die Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, dabei 1944-1947 fungierte er als geschäftsführender Sekretär der Akademie. Besonders in den Nachkriegsjahren entwickelte Freudenberg riesige Bemühungen, um die Erlaubnis zu erwirken, die Akademie wieder zu eröffnen und die Schriftreihe im Gang zu bringen. Schon am 2. Juni 1945 legte er dem damaligen Präsidenten Panzer "einen programmatischen Entwurf für einen Neubeginn" vor (Wennemuth, S. 547). Hier ein Zitat aus dem Brief, der dort fehlt. Freudenberg bittet V. Weizsäcker, die Position des Vize-Präsidenten anzunehmen: "Wir [Panzer, Dibelius, Freudenberg] gehen dabei von der Absicht aus, zunächst einen aktionsfähigen Vorstand aufzustellen, um alsdann weitere Schritte zu beraten. Wir sind der Ansicht, dass die Akademie sich jetzt, nachdem die meisten Mitglieder politisch geprüft sind, mit ihrem Wiederaufbau befassen muss." (An V. Weizsäcker, 8. Dez. 1945, Rep. 14-592). Die Offensive Freudenbergs, Wiedergeburt der Akademie zu fördern wurde durch seine Suspendierung unterbrochen, mündete sich aber zuerst in die "Zusammenkunft" vom 27. Juli 1946 und dann in die Wiederherstellung der Mitgliedschaft. Seit Januar 1947 begann die Akademie wieder zu leben. V. Weizsäcker wurde zum Präsidenten gewählt. Freudenberg sollte seine leitende Position in der Akademie mit dem Antritt in das Rektorat abgeben.
 
Ein besonderer Teil öffentlich-wissenschaftlichen Aktivitäten Freudenbergs ist fast unbekannt: Er leistete eine große Arbeit bei der Herausgabe der deutschen Version der sog. "FIAT Reviews of German Science 1939-1946" (FIAT = Field Information Agency, Technical). Seitdem 1946 die Allierten Besetzungsbehörden eine deutsche Ausgabe, "Naturforschung und Medizin in Deutschland 1939-1946" genehmigt haben, wurde Freudenberg der Vorsitzender des von FIAT in Karlsruhe bestimmten Komitees zur Betreung dieser Ausgabe. Wegen damaliger Verhältnisse fallen riesige technische Probleme auf und Freudenberg sucht verschiedene Wege, die Sache zu fördern, wie etwa eine (ideelle) Unterstützung von der Seite der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft (An R. Adams, 25. Aug. 1947, Rep. 14-133). Freudenberg fördert die Verträge mit deutschen Verfassern, führt Briefwechsel mit verschiedenen Verlagen und bringt die Sache zur Verwirklichung: Letztendlich erschienen 84 Bände von 1947 bis 1953. Diese Arbeit ist in sieben Ordnern seines Nachlasses widerspiegelt.
1951-1955 fungierte Freudenberg als Vorsitzender der Fachgruppe Chemie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Nachfolgerin der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft). "Mit Klarheit und unbestechlichem Urteil hat er sich dieser zeitraubenden Arbeit in voller Würdigung ihres Ernstes und ihrer Bedeutung gewidmet", so Zeugnis von damaligem Präsident der Gesellschaft deutscher Chemiker (Belferich, S. 82).
Endlich erwähnen wir Freudenbergs ständigen Bemühungen, die Geschichte deutscher Chemie zu bewahren, was teilweise im vorigen Abschnitt dargestellt ist. Hier ist hinzufügen, dass er Schreiben und Erscheinen mehrer Nachrufe über deutsche Chemiker stimuliert und gefördert hat, wie über St. Goldschmidt, O. Th. Schmidt, H. Wieland, besonders aber über die vertriebenen M. Bergmann und G. Bredig. (Er bemühte sich auch, dass der vertriebene R. Lemberg zum korrespondierenden Mitglied der Heidelberger Akademie gewählt wurde).
 
Im Zusammenhang mit Freudenbergs öffentlich-wissenschaftlichen Aktivitäten ist es lehrreich seine Meinung bezüglich der Satzungen verschiedenen Vereinigungen zu zeigen:
"Satzungen müssten so abgefasst sein, dass sie eine Weiterentwicklung nicht im Wege stehen. Ich habe in solchen Fällen immer wahrgenommen, dass Fanatiker des Perfektionismus großes Unheil anrichten.... [und dass] einzelne Mitglieder unter dem deutschen Erbübel, dem Perfektionismus leiden und Dinge vorausbestimmen und festlegen wollen, die menschlichen Entwicklungen unterworfen sind und daher nicht vorausbestimmt werden können." (An B. Helferich, 12. Dez. 1959, Rep. 14-85). In diesen Worten sieht man am deutlichsten seine gesunde Vernunft, eine wichtige Komponente seines organisatorischen Talents.
 
Aufzeichnungen über Freudenberg als Organisator würden recht unvollständig, wenn seine soziale Aktivitäten beiseite blieben. Davon aber besser in dem nächsten Abschnitt.
 
2.4  Staatsbürger [nach oben]
Die allgemeinen Lebenseinstellungen Freudenbergs wurden freilich in der Familie eingeprägt. Er hatte deswegen "ein ganz ausgesprochenes Gefühl für soziale Ungerechtigkeiten und für soziale Verpflichtungen." (Cramer, S. 59).
Freudenberg bekennte sich als echter Bürger Deutschlands wahrscheinlich schon in Bonn, wo in Bonner Kreis eine demokratische Atmosphäre herrschte und die weite Thematik besprochen wurde.
Das früheste bekannte Dokument, sein Brief an die Eltern vom 13. Januar 1919 (Schriften, III, S. 311-312) zeichnet ihn schon als reifen Mann mit der deutlichen national-liberalen Haltung. Hier sind einige Zitaten aus diesem durchaus interessanten Text:
"Da ich mich immer zur fortschrittlichen Volkspartei gezählt und ihr auch bei einer früheren Gelegenheit meine Stimme gegeben habe, werde ich für die Nationalversammlung demokratisch wählen...
Dass der demokratische Gedanke eine ganz positive Lebensanschauung sein kann und muss, wie in Baden, das merkt hier keiner. Soziale Vorstellungen verweisen hier den Menschen gleich ins Reich der Sozialdemokratie; und dabei sind sie doch notwendiges Gut eines jeden gebildeten Menschen! Und wer national denkt, meint gleich vor der uniformierten Obrigkeit stramm stehen zu müssen, als wenn ein ehrlicher Patriot nicht auch Demokrat sein könnte...
Aus diesem Fehlen einer auf breite Massen gegründeten Demokratie ist auch diese unnatürliche Klassentrennung in Bürger und Sozialdemokraten zu erklären.
Für Preußen wähle ich das was bisher nationalliberal war; in dieser Parteigegend ist hier mehr Direktion zu finden, als bei den Demokraten."
Ein gutes politisches Gefühl zeigt sich in seiner Schätzung der französischen Besetzung von 1923: "Der dumpfe Druck, der durch sie [die Franzosen] auf unsere Nation gelegt wird kann sich noch einmal fürchterlich entladen und in einer weise, die nicht einmal deutschen Patrioten erwünscht wäre." Und acht Monate später: "Deutschland ist aus dem Fieber erwacht und liegt jetzt da wie ein Genesender nach schwerer Krankheit. Wenn äußere Störungen fern bleiben, wird es wieder gesund werden. Deshalb ist es jetzt nötiger denn je, dass die Franzosen gezägelt [sic!] werden." (An Olof Arrhenius, 8. Juni 1923 und 4. Febr. 1924, Rep. 14-136).
Während der Zeit der Weimarschen Republik verlangte die demokratische Einstellung Freudenbergs keine besondere Zivilcourage, im Dritten Reich dagegen - in vollem Maß. 
Das fand den Ausdruck in manchen Aktivitäten, um Bedrängten zu helfen. So hat Freudenberg 1934 bei einer Englandreise persönlich jüdische Hilfszentrale in London aufgesucht und dort besprochen, in welcher Weise den vom Staat bedrängten jüdischen Volksgenossen geholfen werden könnte. Auch hatte er damals den Boden für seinen begabten Mitarbeiter R. Lemberg vorbereitet - zum Erstaunen der britischen Kollegen, die über Deutschen als Anhänger des Nationalsozialismus recht pauschal urteilen. Als Prof. Stefan Goldschmidt, "Nichtarier", aus der Technischen Hochschule Karlsruhe entfernt wurde, hat Freudenberg nach Holland gereist, um sich persönlich für die Übersiedlung Goldschmidts zu bemühen. Nach der "Kristallnacht" fuhr Freudenberg nach Karlsruhe, wo sein Kollege Georg Bredig gefährdet und geschädigt wurde; noch früher suchte Freudenberg Möglichkeiten, eine Stelle für Bredigs Sohn Max im Ausland zu schaffen. Wie schon gesagt, fanden mehrere "Nichtarier" Zuflucht in seinem Forschungsinstitut.
Im Dezember 1945 sagte Freudenberg über sein Verhalten nicht ohne bescheidenen Stolz:
"Meine Arbeit gegen den Nationalsozialismus bestand, wenn man dies so nennen darf, in der Freihaltung meines Hauses und meines Instituts vom Nationalsozialismus. Ich galt als Demokrat und hatte nicht das Bedürfnis meine Lebensanschauung zu ändern. Den Abgesandten von Lenard und seiner Gruppe konnte ich versichern, dass ich wüsste, was ich als Institutsdirektor zu tun habe und keine nationalsozialistische Chemie kenne. Es gab dann Angriffe aller Art gegen das Institut, gegen mich, gegen meine Dozenten. ... Es ist mir aber gelungen, mein Institut ungebrochen und ohne nationalsozialistischen Geist durch diese Zeiten zu bringen. Da es bei weitem das größte Institut der Fakultät ist, glaube ich damit der Universität und meinem Fach einen Dienst erwiesen zu haben." (Autobiographie, Mitte Dez. 1945, Rep. 14-607)
Natürlich sollte Freudenberg allgemeine Gedanken über die großen historischen Ereignisse seiner Zeit haben. Hier sind seine aufschlussreichen Aufzeichnungen, die in der letzten Tagen des Kriegs geschrieben wurden:
"Dass es Menschen aller Art, auch einen solchen wie Hitler gibt, ist nicht das Merkwürdige. Aber dass ein so tüchtiges Volk wie das deutsche sich willenlos einem einzigen Menschen anvertraut, wer immer er auch sei, das ist schwer zu verstehen. Diese Fragestellung lautet insbesondere: Wie konnte es kommen, das die Hitlerpartei überhaupt so groß wurde und wie konnte es kommen, dass sie um 1930-32, als sie groß geworden war und eine Krise durchmachte, nicht vom deutschen Volke überwunden wurde?
1918 haben wir das Kaisertum verloren. Das Volk war ohne Führung und unbeschreiblich verwirrt. Es hat dennoch den drohenden Kommunismus überwunden und eine Demokratie errichtet. Diese war großen Teilen des Volkes fremd, es musste sich langsam daran gewöhnen. Die Versailler Bedingungen waren undurchführbar. Infolgedessen haben sich demokratiefeindliche und nationalistische Kräfte zusammengefunden. Trotzdem waren ab 1925 große Teile des Volkes demokratisch gesinnt. Sie hatten auch Erfolge im Innern und, kleine wenigstens, nach außen. Hätte man, insbesondere von Frankreich und England aus, den Reichskanzlern außenpolitische Erfolge gegönnt, wie z. B. die Zollunion mit Österreich, so hätte sich die Demokratie gefestigt. Das war nicht der Fall, aus demokratiefeindlichen und nationalistischen Kreisen des unter zunehmender Arbeitslosigkeit leidenden Kleinbürgertums wuchs die Hitlerbewegung hervor.
Dass ab 1928, als das Übergewicht Hitlers immer deutlicher wurde, kein genügender Widerstand vorhanden war, lag zum Teil an biologischen Gründen. 1918 waren 2 Millionen vorwiegend 20-30-jährige gefallen, 1928 hätten sie 30-40 Jahre alt sein sollen. Diese Jahrgänge, die den jungen Staat hätten tragen sollen, fehlten. Statt ihrer drängten 1928 die 20-30-jährigen nach, die in der Kriegszeit keinen geordneten Schulunterricht hatten. Zu ihnen kamen die am Leben gebliebenen Kriegsteilnehmer und Gefangenen, die auch eine mangelhafte Ausbildung hatten, aber umso größere Ansprüche an das öffentliche Leben stellten. Um 1930 herum waren die einen zu jung und ungebildet, die anderen zu alt. Die tragfähige Mitte fehlte.
Ein anderer Grund ist die Erziehung des deutschen Volkes, die nicht nur von Schulen, oft hervorragenden, sondern ebenso vom Kasernenhof geleistet wurde. Folge: bei hoher geistiger Entfaltung und großer soldatischer Tapferkeit Mangel an Zivilcourage, wie das schon viele, auch Bismarck, ausgesprochen haben. Mangel an Zivilcourage fördert politische Massenpsychosen.
Wer trägt die Verantwortung? Nicht Zahllosen, insbesondere Jungen, die oft ohne ihr Zutun Parteimitglieder wurden und nicht herauskamen. Wer aus freien Stücken, insbesondere mit 30 Jahren oder älter zur Partei gegangen ist, trägt neben den Unentwegten und Aktivisten die Verantwortung. Der Partei nicht anzugehören ist an sich auch kein Verdienst, denn wie viele wären gerne eingetreten, sind aber abgelehnt worden!
Oft wird gefragt, warum die Antinazisten bei Kriegsbeginn nicht Revolution gemacht haben? Weil jetzt das Volk von außen her in Gefahr war und den Krieg tu führen hatte, auch wenn es mit der Regierung nicht zufrieden war. Das war die Meinung der meisten.
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Wieder wird in 5 oder 10 Jahren in Deutschland die tragende Generation fehlen. Noch mehr als damals fehlt guter Schulunterricht, denn die Schulen sind seit 1933 systematisch zerstört worden. Also schleunigst die Schulen eröffnen.
Einer extremistischen politischen Entwicklung muss begegnet werden durch Schaffung von Lebensmöglichkeiten: Arbeit, Wohnung, Nahrung. Man lasse Milde walten gegenüber nicht aktivistischen, insbesondere jung eingetretenen P.G.s! Nicht darf der Fehler von 1933 wiederholt werden, Tüchtige aus politischen Gründen (wenn sie nicht schwerwiegend sind) auszuschließen.
Die Gefahr für Deutschland ist der Kommunismus. Man treibe die zahllosen, nicht aktivistischen Parteimitglieder nicht den Kommunisten in die Arme! Auch alte Parteigenossen sind vielfach keine Aktivisten gewesen.
Auf der Basis: Demokratie bei Beschränkung auf 2-3 Parteien lässt sich eine starke politische Grundlage in Deutschland schaffen.
Wissenschaftler sind selten politische Fanatiker. Also fördere man die echten Wissenschaften." (Notizen, 2. Mai 1945, Rep. 14-593).
 
Und etwas später: "Wenn die Antinazi-Gruppen in Deutschland zusammenarbeiten sollen, so müssen zunächst diejenigen Gruppen ausgeschieden werden, die unter dem Motto Antifaschismus und Demokratie totalitäre Macht anstreben und sich nach wie vor ungesetzlichen Methoden bedienen, die sie von den Nazisten gelernt haben. Im übrigen hoffe ich auf die Beseitigung der 'Zonen', Schaffung einer deutschen Staatseinheit unter demokratischer Verfassung bei Beschränkung der Parteien auf die Zahl von 2 oder 3 durch ein geeignetes Wahlsystem." (Autobiographie, Mitte Dez. 1945, Rep. 14.-607).
 
Freudenberg hatte sich "immer als bewusster Deutscher gefühlt und ein patriotisches Empfinden, wofern es nicht aggressiv ist, als selbstverständlich angesehen" (Begegnungen mit dem Nationalsozialismus, 15. März 1946, Rep. 14-13). Seine nationale Würde litt wegen der Verbrechen des Naziregimes. Daher stammen seine dankvollen Bemerkungen, mit denen er großmutige Leistungen anderer Ländern nach dem Krieg traf. Nach seinem Aufenthalt in Schweden im Frühjahr 1948 schrieb er: "Nach allem Unwesen, das im Namen des deutschen Volkes in der Hitlerzeit über die Welt gebracht wurde, ist es einem Deutschen nicht leicht, wieder vor die Welt, insbesondere die früheren Feindstaaten zu treten. Es ist ein großes Verdienst des Schwedischen Instituts, erkannt zu haben, dass Schweden für diese Vermittlung im Dienste der Völkerverständigung eine bevorzugte Rolle zugefallen ist." (Bericht über die Reise, 13. Mai 1948, Rep. 14-559). Als er einen Schiff mit 1200 europäischen Schülern und Studenten, unter ihnen 200 Deutschen, traf, der nach den USA steuerte, äußerte er sich so: "Das Volk, das uns in dem von uns begonnenen Kriege geschlagen hat, lädt fünf Jahre später Scharen unserer jungen Leute als freie Gäste in das eigene Land, um sie an der Erziehung seiner eigenen Söhne teilnehmen zu lassen. Eine großzügige Leistung." (Vortrag über die USA, 7. März 1952, Rep. 14-526). Und mit welcher Bewegung schreibt er über den bevorstehenden internationalen Chemiekongress (USA, Sept. 1952), "zu dem wir erstmalig wieder ganz gleichberechtigt eingeladen sind. Außerdem wird die Gesellschaft deutscher Chemiker in die Union Internationale de Chimie pure et appliquée aufgenommen. Die Sache kann ziemlich anstrengend werden." (An Franz Oelmann, 8. Aug. 1951, Rep. 14-245).
 
Andrerseits war Freudenberg sehr kritisch gegen "Entnazifizierung" eingestellt - und gar nicht nur wegen eigener Erlebnisse mit Militärgericht. 
"Unser Volk wurde erst in der Schule Hitlers, dann durch die Besatzungsmacht zur Zweideutigkeit und Unredlichkeit gegenüber der Obrigkeit erzogen. Die Folgen davon sind heute noch zu spüren." (R., S. 255).
Insbesondere hielt er den Prozess gegen die Leiter der I. G. Farbenindustrie (Nürnberger Prozess, "Fall 6") für unfair - sie hätten "doch nicht anderes gemacht, als jeder Industriekapitän eines kriegsführenden Volkes... Das ist ein schwerer Makel für die amerikanische Demokratie und es ist schwer, sie den Deutschen schmackhaft zu machen? (An Fr. Brauns, 2. Dez. 1948, Rep. 14-100). Als der Prozess noch im Gang war, organisierte Freudenberg im Dezember 1947 eine kollektive Erklärung von der Seite führender deutscher Chemiker. Die Unterzeichneten (12 Professoren) brachten zum Ausdruck "die großzügige Förderung von Wissenschaft und menschlichen Fortschritt", aber auch "echte Menschlichkeit" der Angeklagten und erklärten ein Bedürfnis das zu gedenken.  Freudenberg nahm auch nah die Verteidigung von Carl Krauch und Walter Reppe. (Rep. 14-207, 14-592, 14-594).
Und in ähnlichem Zusammenhang: "...gerade für unser wissenschaftlich-chemischen Leben bedeuten die wahnsinnigen Demontagen besonderen Schlag, der letzten Endes nur den Kommunisten zu Gute kommt." (An H. Mark, 12. Nov. 1947, Rep. 14-231).
 
Seine kritischen Bemerkungen über Amerikaner stehen in keinem Vergleich mit seiner unversöhnlichen Einstellung gegen das "russische Imperium". Hier ist er eindeutig: "Hoffentlich gelingt es den kalten Krieg so lange zu führen, bis der russische Vulkan von selbst ausbrennt. Denn dass dieser russische Krampf einmal ein Ende haben wird, ist klar. Sie kennen nur Terror und Unterdrückung." (An Fr. Brauns, 25. Mai 1948, Rep. 14-100). Oder: "Ich kenne von Ländern des russischen Imperiums unseren Osten, die Tschechei und Ungarn und dazu auch Jugoslawien. Vor allen scheinen mir die Lebensverhältnisse in der deutschen russisch-besetzten Zone am erbärmlichsten zu sein." (An G. Bückling, 4. Juli 1960). Ausführlicher in einem anderen Brief: "In der russischen Zone ist der Ton wie es scheint etwas besser geworden. Das hängt wohl mit der Absage an Stalin und seine schlechte Manier zusammen. Im übrigen aber war die Luft bedrückend. Die 5% Herrschenden mit ihrem Anhang, mehr als 5% sollen es zusammen nicht sein, sind damit beschäftigt, die übrigen 95% zu schikanieren. ... Ich kann mir nicht denken, dass die wenigen Herrschenden auf die Dauer die Oberhand behalten können bei der bewusster werdenden Abkehr des gesamten Volkes. In Polen, der Tschechei und Ungarn soll es ebenso sein, und ich sollte mich wundern, wenn es in Russland anders wäre. Ich glaube aber, dass es gut wäre, wenn zunächst noch keine Ausbrüche kämen, sondern die Entwicklung in diesem Sinne noch eine Weile weiterginge, bis der Abstand zwischen Regierten und Regierenden noch größer geworden ist. Dann kommt noch einmal eine außerordentliche Krise mit der Gefahr eines Krieges, wenn ein Regime im Zusammenbrechen ist und in einen Krieg ausweicht. Wenn diese Krise überstanden ist, dann kann es wohl einmal anders werden, vielleicht bald, vielleicht erst viel später." (An Bror Holmberg, 12. Juni 1956, Rep. 14-197). (Interessant ist ein Zusatz: "Bitte lassen Sie meine Betrachtungen nicht in falsche Hände kommen, sonst werde ich nicht wieder in die russische Zone gelassen." Freudenberg hat ja die Schulung des Dritten Reichs erlebt!).
Kurz und gut ist seine allgemeine Meinung wie folgt:
"Die demokratische Staatsform aller Schattierungen macht die Menschen an sich nicht besser. Aber unter ihr kann man wenigstens als Mensch, und wenn man das Zeug dazu hat, sogar als anständiger Mensch leben. Unter Totalität ist das Dasein nicht lebenswert." (An Fr. Brauns,  25. Mai 1948, Rep. 14-100).
 
Aber Freudenberg beschränkte sich nicht mit den Überlegungen - er fühlte Pflicht, zu handeln als sozial verantwortlicher Mensch.
Seine Tätigkeit als Rektor, aber sicher auch Kontakte mit dem Bruder Richard verschärften seine Einsicht in die allgemeinen Probleme Deutschlands.
 
"Mit dem Föderalismus bin ich und viele andere an sich einverstanden, aber in diesen kleinen Staatsverwaltungen gibt es alles zusammen viel zu viel Beamte und außerdem haben diese Regierungen keinen Horizont, weil sich in ihnen sehr viele subalterne Parteifunktionäre befinden. Die Alliierten haben uns im Jahre 1945 einen schlechten Dienst erwiesen, als sie die Parteien der Vor-Hitler-Zeit einfach übernommen haben und uns keine Zeit gelassen haben durch ein neues Wahlverfahren neue politische Parteien zu bilden. Nachträglich ist das schwer zu tun, aber es muss geändert werden, und zwar durch ein Wahlrecht, in dem Persönlichkeiten gewählt werden anstelle von Parteilisten. Ferner scheint man nicht recht einzusehen, vor allem von französischer Seite, dass zum Föderalismus nicht nur Einzelstaaten gehören, sondern auch eine zentrale Regierung, ohne die die Föderation keine Föderation ist." (An Roger Adams, 23. März 1949, Rep. 14-133).
Umso intensiver trat Freudenberg für ein neues Land im Rahmen der BRD, für Baden-Württemberg an. Er führte eine rege Propaganda in seiner Umgebung, publizierte einen Artikel dafür ("Warum ein Südweststaat"). Nach der Vollendung der Sache teilte er mit Zufriedenheit einem Kollege mit:
"Wir haben politisch aufregende Wochen hinter uns, die am Sonntag in der Volksabstimmung zugunsten der Vereinigung von Württemberg und Baden glücklich geendet haben. Es ist der erste Fall, in dem die sinnlose Grenzziehung der Besatzungsmächte korrigiert und zugleich ein brauchbarer Verwaltungskörper geschaffen wurde." (An H. v. Euler,  11. Dez. 1950, Rep. 14-83). Später gab er zu: Dieser "Kampf um Zusammenlegung des Landes Baden und Württemberg" "hat mich sehr stark beansprucht und innerlich mitgenommen." (An B. Holmberg, 4. Febr. 1952, Rep. 14-194).
 
Aktivitäten zugunsten der Vereinigung von Baden und Württemberg erweckten Hoffnungen, auch für seine Stadt nützlich zu sein. So kandidierte er zum Stadtrat und wurde am 28. Januar 1951 gewählt (als unabhängiger Kandidat, später schloss er an die Freie Demokratische Partei an). "...das ist eine schöne, aber zeitraubende Aufgabe. Aber dennoch glaube ich, dass es ganz nützlich ist, dass in der Stadtverwaltung der eine oder der andere Professor unserer Universität sitzt." (An B. Holmberg, 4. Febr. 1952, Rep. 14-194). Freudenberg nahm besonders in der Arbeit des Bauausschusses teil - es war die Zeit des Neubauens in Neuenheimer Feld! - aber auch in einigen anderen, so Schul-, Kultur-, Werk-, Jugendamtsauschuss u. a. Er beschäftigte sich aktiv mit den Fragen des Kulturlebens und der Volksbildung in der Stadt. Mehrere Jahre (1952-1957) war er Vorsitzender des Kuratoriums der Volkshochschule (VHS) Heidelberg, 1954-1957 erster Vorsitzender des Heidelberger Bundes für Volksbildung e. V. (ein Verein für die Unterstützung der VHS). Auch hier sehen wir seine vernünftigen und schlichten Ansätze. So meinte er, dass für die VHS der Schwerpunkt in den beruflichen Abendskursen liege. Was der allgemeinen Weiterbildung bezieht, müsse die VHS Zurückhaltung üben "angesichts der Überbesetzung von Heidelberg mit allerlei kulturellen Gesellschaften und Veranstaltungen". Der richtige Mittelweg werde gefunden "in engerer Anlehnung als bisher an die bestehenden Institutionen wie die Universität, den Verein der Musik- und Kunstfreunde, Volksbücherei ... Kurpfälzisches Museum und sonstige kulturelle Verbände in der Stadt." Er sei bereit "durch Besprechung mit den Trägern dieser Institutionen eine engere Fühlung zu suchen." (Protokoll der Vorstandessitzung, 1. März 1954, Rep. 14-446).
Lehrreich ist auch Freudenbergs Brief an Finanzminister des Landes mit Verlangen die Singschule in Heidelberg zu unterstützen:  "Als Vorsitzender der Volkshochschule mache ich immer wieder der Erfahrung, dass das Kulturleben der Stadt infolge der Universität in andere Regionen verlagert ist als in Städten, in denen die Hochschule fehlt oder nicht in solchem Maße dominiert. Es besteht daher gerade in Heidelberg die Gefahr, dass weite Kreise der einfachen Bevölkerung leer ausgehen; sie bedürfen einer nachhaltigen kulturellen Pflege. Aus diesem Grunde glaube ich, dass die Singschule von besonderen Wichtigkeit für unsere Stadt ist." (An Finanzminister Dr. Frank, 15. Nov. 1956, Rep. 14-169).
Hier soll auch erwähnt werden, dass Freudenberg während 1952-1956 mit zahlreichen Vorträgen in Volkschulen der Region (in Weinheim, Viernheim, Ludwigshafen u. a.) antrat. So trug er vor über "Die Farben der uns umgebenden Natur", über R. Bunsen, über den "Beitrag der BASF zur Wissenschaft", über "Reiseeindrücke in Israel" (Rep. 14-298, 14-447).
 
Eine der großen Sachen, mit der Freudenberg sich mehrere Jahre beschäftigt war, stand einigermaßen mit seinen Zellulosestudien im Zusammenhang. Ende 1951 wurde bekannt, dass die Firma Zellstoff-Fabrik Waldhof in Mannheim eine Sulfatzellstoffproduktion planierte und eine Fabrik dafür in Rheinau, sozusagen vor den Toren der Stadt Heidelberg errichten soll. Freudenberg, bewusst, dass bei der Produktion das stinkende Stoff (Methylmercaptan) freigesetzt werde, wendet sofort an den Oberbürgermeister mit der Empfehlung, von der Firma zu verlangen, "dass die Pläne von Sachverständigen geprüft werden, ob die Bekämpfung des Gestanks genügt" (An Oberbürgermeister Heidelberg, 28. Dez. 1951, Rep. 14-637). Daraus entstand der Prozess der Stadt Heidelberg gegen die Firma. 
Wenn Freudenberg etwas tat, dann tat er es gründlich. Die Materialien über die Luft in den Gebieten, wo Sulfatzellstoff-Fabriken funktionierten, sammelte er fast weltweit - entweder selbst in seinen Reisen, oder mit der Hilfe von Verwandten, Freunden und Bekannten - und konnte überzeugende Expertisen vorbereiten. Eine seiner Äußerungen endet mit den Worten: "Die Industrie hat die Aufgabe den Menschen zu dienen, nicht sie beherrschen. Die Einschränkung des Bodens nehmen wir hin. Die Verunreinigung der Gewässer ist eine schwere Sorge. Die Verseuchung des Luftraumes muss verhindert werden; denn wo sie um sich greift, gibt es kein Entrinnen und werden die Errungenschaften der Wirtschaft zunichte." (Äußerung zu der geplanten Sulfatzellstofffabrik auf der Rheinau, 20. Nov. 1955, Rep. 14-638).
Die Sache schleppte sich von einem Gericht zu anderem bis 1966. Das lange Prozessieren wurde dadurch beendet, dass die Firma entschlossen hat, das Rheinau-Projekt nicht zu verwirklichen, sondern ihre Fabrik nördlich von Mannheim nach einem nicht stinkenden Verfahren zu bauen. Die anregende Geschichte hatte also ein gutes Ende - eben dank Freudenbergs Beharrlichkeit. Dreizehn Ordner in seinem Nachlass bleiben Zeugnis dieser großen Arbeit.
 
Freudenberg war eben bei dem Ende seines wissenschaftlichen Wegs, als die Studentenbewegung 68er ausbrach. Auch damals war er kein gleichgültiger Beobachter. Ende Dezember 1969 schreibt er: "Der Terror der Anarchisten macht mir zunehmend Sorge. Die Rechtssprechung beginnt bereits zu erweichen und beugt sich da und dort dem Terror. Die Massenmedien fügen sich und sind bereits beeinflusst oder in der Hand der Anarchisten. Wenn diese verwilderte und ausweglos gemachte Jugend heranwächst, wird die fest gefügte Front, die heute noch im Volk vorhanden ist, zurückweichen. Das führt zum Militarismus mit Rechts- und dann Linksdiktatur, wenn so weitergeht." (An R. Goebel, 5. Dez. 1969, Rep. 14-86). Später versuchte Freudenberg die Ereignisse durchzudenken. "Wichtig wäre eine klare Diagnose der Situation, eine einheitliche Erklärung ist mir noch nicht begegnet, vielleicht wird es auch keine geben. Mir scheint eine hauptsachliche Erscheinung der Situation das Missvertrauen zu sein, das sich zwischen den Jungen und Älteren in einem Maße aufgebaut hat, wie das bisher nicht der Fall war. Ist das nicht ganz einfach ein Einfluss der totalitären Staaten, ob es sich jetzt um China, Russland oder Spanien und Portugal und sonst was handelt. Alle diese Staaten sind auf Missvertrauen aufgebaut.... Das hat sich über die ganze Welt erstreckt.... Mir ist begegnet, dass vernünftige und wohlerzogene junge Leute einfach nicht glauben können, dass unsereiner nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat und keine Ausbeuter und Nutznießer war. Das ist die Saat der Totalitären, die ist gefährlich, aber überwindbar... Natürlich ist auch die seit Altes her anerzogene politische Passivität unserer Jugend schuld an vielem. Die Mehrzahl der Studenten, und zwar bei weitem die Mehrzahl, will von dem Extravaganten nichts wissen, aber sie finden es ganz schön, wenn dem alten Gaul einmal Feuer unter dem Schwanz gelegt wird, insbesondere, wenn andere das tun. Dass dies ins Unheil führt, sehen sie nicht ein oder wollen sie nicht sehen, weil sie zum Handeln zu faul sind." (An Chr. Meier, 15. Febr. 1971, Rep. 14-235).
Für den Staatsbürger Freudenberg war es natürlich, zu handeln, aber jeder Radikalismus war ihm fremd.
 
2.5  Mensch [nach oben]
Der erste Zug, den manche Zeugen bei Freudenberg merkten, ist, dass er sehr männlich wirkte. Wir haben gesehen, wie er für seine Sachen zu kämpfen wusste. Nicht umsonst bemerkte Freudenberg im Alter, dass er "zeitlebens eine Art selfmade man" sei. 
Als starker Mensch zeigte Freudenberg sich auch im Familienleben. So hat er seinen Sohn Hermann, als dieser "eine geradezu souveräne Faulheit und Gleichgültigkeit der Schule gegenüber" (R, 194) entwickelte, im Herbst 1925 nach Internat Salem am Bodensee bestimmt. "Es musste ihm, was hier nicht möglich war, abgewöhnt werden, alle Dinge zu leicht zu nehmen und sich das Leben zu bequem machen." (An B. Helferich, 5. März 1926, rep. 14-85). (Es half).
Wahrscheinlich erwarb er paternitäre Tradition, die in der Firma seines Vaters herrschte: als "Chef" war er gerecht aber auch hilfreich und hilfsbereit weit hinaus seinen amtlichen Pflichten. "Der Arbeitskreis bildete eine große Familie und vor allem: er wurde in die Familie Freudenberg mit eingezogen. Wie viele wunderbare Abende haben wir im Hause Freudenberg verbracht und wie sehr haben diese uns geprägt." (Cramer, S. 69).
Der hervorstehende Wesenzug Freudenbergs war seine aktivste Lebenseinstellung. "Ich war bisher mehr gewohnt, selber zu handeln, als behandelt zu werden", - bemerkte er vor seiner Emeritierung (An Dr. G. Marriot, 28. Dez. 1955, Rep. 14-233). Sein Regel war: "In Zweifelsfällen ist die aktive Lösung die bessere" (An H. Meerwein, 12. Aug. 1943, Rep. 14-89). Das ganze Leben Freudenbergs ist durch seinen Drang zu handeln geprägt. Das zeigt sich auch in kleinen Einzelheiten. So wollte sein Professorenstammtisch ("Alt Hendesse") einmal einen anderen Wein (Jerez) haben, dann bringt sich Freudenberg Mühe, an die entsprechende Firma zu schreiben, um die Bestellung des Wirtes der "Alt Hendesse" zu unterstützen (Hanseatische Wein-Import GmbH, 20. März 1957, Rep. 14-197). Oder: Als ihm ein Artikel in dem "Heidelberger Fremdblatt" nicht gefällt, wendet er an den Schriftleiter an: "Der Besuch will Gast sein, aber kein Fremder." "Heidelberg hat durch kitschige Fremdenwerbung schon viel von seiner früheren Atmosphäre verloren und droht mehr und mehr ein Rummelplatz zu werden." (17. März 1952, Rep. 14-303). Und das letzte Beispiel. Als Freudenberg eine schädliche Pflanze in Heidelberg entdeckt hat (es handelte sich um Asclepias syriaca, in den USA und Kanada "das wohl unangenehmste Unkraut"), schreibt er dem Heidelberger Botanikprofessor. "In dem allgemeinen Ruf nach Umweltschutz denkt man mehr an die Beseitigung der Schaden, als die Verhütung der Ursachen... Gibt es eine Stelle bei uns, die sich mit der Einfuhr und Ausbreitung nutzloser oder schädlicher Gewächse beschäftigt? Man braucht ja nicht gleich auf das Ganze zu gehen, aber im Falle der Asclepias konnte man ein Exempel statuieren." (An W. Rauh, 21. Juni 1971, Rep. 14-55).
 
Der Theologieprofessor M. Dibelius charakterisierte Freudenberg folgendermaßen: "Ich habe ihn immer als lauteren und wahrhaftigen Charakter bewährt gefunden; männlich, energisch, voll Tatkraft, Takt und Anteilnahme an seinen Mitmenschen." (PA 3804). 
Sein Arbeitsdrang hatte die Gegenseite: "Unter seinen steten Arbeit, auch in den Ferien, litt die Familie" (Hans Plieninger). Doris sagte einmal: "Karl ist doppelt verheiratet, einmal mit mir und einmal mit der Chemie" - so ein Zeugnis von Herta Plieninger (R., S. 279, Fußnote).
Das ist ein übliches Schicksal der Ehefrau eines besessenen Wissenschaftlers. Freudenberg selbst bereute (einigermaßen) im Alter: "Ich weiß, dass ich viele Jahre hindurch bis in die tiefe Nacht an meinem Diktiergerät saß; ich warf mir vor und tue es heute noch, nicht dagegen angegangen zu sein." (R., S. 279). Trotzdem konnte er nicht anders.
 
Nur bei seinen großen Reisen - die aber fast immer mit Vorträgen verknüpft waren - gab es genug Zeit für Doris. Zusammen erlebten sie wunderbare Eindrücke von der Natur, insbesondere in den USA, Kanada, Spanien, Indien, Japan, Ägypten und viel mehr. Freudenbergs Reisenaufzeichnungen sind recht interessant und machen klar, wie künstlerisch er die Welt empfang. 
Auch seine botanische Leidenschaft ernährte sich in diesen Reisen, zumal konnte er öfters neue Orchideen für seinen Garten mitbringen. (So prahlte er in einem Brief: "Ich bin mit einem voll gepackten Sack voll Orchideeknollen aus Amerika zurückgekommen [Okt.1951] und freue mich sehr aufs Frühjahr, um diese neue Arte zu sehen, die ich zum großen Teil noch nicht kenne." (An Holmberg 17.3.1952, Rep. 14-194)).
Die Arbeit im Garten war seine Erholung während der Semester, an der er sich ebenso gründlich und wissenschaftlich verhielt, wie an seinen Dienstpflichten. Nach den Weihnachten 1954 berichtet er: "Ich habe bei dem milden Wetter gestern den ganzen Tag im Garten arbeiten können, denn in meinem 10qm großen Naturschutzpark hat sich das Gras derart breit gemacht, dass ich alle Orchideen und sonstigen besseren Sachen herausnehmen musste, um sie vom Gras zu befreien. Es ist eine mühselige Arbeit, die schon seit Wochen meine Samstagnachmittage erfüllt." (An B. Holmberg, 29. Dez. 1954, Rep. 14-194).
Nach dem gezwungenen Umzug im August 1946 schrieb Freudenberg seinem Freund in Frühling nächsten Jahres: "Jetzt trauern wir unserem Garten nach. Mein Erdorchideenbeet wurde als erstes umgegraben." (An H. Mark, 8. Mai 1947, Rep. 14-231). Eineinhalb Jahr später teilte er aber mit: "Ich habe mich immer, wenn die Zeit danach war, eine Kultur einheimischer Erdorchideen gehalten und es gelang mir von den 52 deutschen Arten etwa die Hälfte anzusiedeln und zu Blühen zu bringen. Dies ist eine sehr kniffelige Kunst, aber allmählich habe ich einige Erfahrungen gesammelt und ganz gute Erfolge erzielt." (An R. Lemberg, 3. Dez. 1948, Rep. 14-222).
 
Nach dem Wort seines Schülers Friedrich Cramer, war er "gleichzeitig sensibler und starker Mensch" (Cramer, S. 57). Er war dabei durchaus rationaler Mensch, ein religiöses Glauben war ihm fremd. Aber er beachtete das Glauben der anderen:  "Ich spürte festen Boden [in der Naturwissenschaft]; aber ich behielt meine Meinung wohlweislich für mich und fand es nicht lohnend, Andersgläubige zu belehren oder gegen sie zu opponieren. Ich lernte das Christentum wie andere Religionen in seiner geschichtlichen und gegenwärtigen Bedeutung als Schöpfung des menschliches Geistes zu würdigen, durch die der heutige Mensch geformt ist, gleichgültig, ob er an eine Vorsehung und Offenbarung glaubt oder nicht. Was ein unbedingt gläubiges Christentum am Menschen vermag, stand mir vor Augen. Es... erweckt heute, rund hundert Jahre später, staunende Achtung." (R., S. 62).
Eine Art privater Philosophie, die er anstatt der Religion für sich gebildet hat, schilderte er in einem Brief, wie folgt:
"Unsere Welt ist das Ergebnis der Atome, ihrer Teile und ihres Verhalten. Wir können dies alles studieren (Physik, Chemie) und Regeln (sog. Gesetze) erkennen. Das ist die Realität I. Wir können aber nicht die Vielheit der Atom- etc. -Vorgänge folgen, durch die von Urbeginn an unsere Umgebung und wir selbst geschaffen sind. Insofern ist unsere Welt für uns irreal. Wir erkennen aber in dieser Welt Realitäten II. Ordnung mit denen sich sämtliche Natur- und Kulturwissenschaften beschäftigen, z. B. Medizin, Religion und andere von Menschen geschaffene Ideologien, Verhaltungsregeln von Mensch und Tier usw. Auch der sog. freie Wille unterliegt der Realität I. [sic! es sollte II. stehen], ist aber der Vielheit der der Vorgänge wegen keiner erkennbaren Regel unterworfen.
Ist das glatter Materialismus? Insofern ja, als keine in das Geschehen ad hoc eingreifende höhere macht Platz findet. Insofern nein, als die irreale Welt nur sehr mangelhaft durch die Realitäten II. Ordnung erfasst und höchst unvollkommen nach ihnen gelenkt werden kann."
(An Fr. Cramer vom 7.6.1972, Rep. 14-137).
 
In seinen Lebenserinnerungen und Briefen ist die Musik kaum erwähnt, gibt es dagegen viele bildliche Aufzeichnungen. Seine künstlerische Sicht fand Ausdruck in seinen populären Vorträgen (ein von denen heißt "Das Farbenspiel unserer Umwelt") wie auch in seinen Reiseaufzeichnungen. Hier ein Satz aus seinen Vortrag "Eindrücke und Bilder von einer Reise in Indien" (1958): "Zum schwarzen Haar, der braunen Haut und dunklen Augen passen die bunten, einfarbenen, wallenden Gewänder. Unschöne Farben sind selten zu sehen." (Sonderdruck, Sammlung, Nr. 383e).
Freudenberg hatte Geschmack für Bilder; obwohl er kein Sammler war, hatte er zu Hause einige gute Bilder und Zeichnungen. Seine Einstellungen für bildende Kunst sieht man aus folgenden Äußerungen:
"Der Verzicht auf den Gegenstand, den heute viele belieben, bedeutet die Herabsetzung der Malerei und Zeichenkunst auf das Dekorative allein. ... Man wird auch in der Malerei und Zeichnung wieder die Beziehung zum Gegenstand finden, das ist nur eine Frage der Zeit. Es mag sein, dass diese Beziehung zu jeder Zeit eine andere sein wird. Sie zum Ausdruck des jeweiligen Zeitempfindens zu machen, ist die Aufgabe der Malerei und Zeichenkunst." (An E. Heider,  21. Apr. 1955, Rep. 14-196).
Über eine Ausstellung von P. Klee in Bern: "Ich wurde das Gefühl des Ungesunden nicht los. Das ist nun einer der Begründer unserer heutigen Malkunst, als Ausdruck unserer Zeit deprimierend, weil letzten Endes voller Nihilismus." (An B. Holmberg, 17. Sept. 1956, Rep. 14-197).
Erinnerungen über Freudenberg erhalten immer Erwähnungen über die gesellige Kultur, die in seinem Haus herrschte. Die Freudenbergs selbst hatten "Voraussetzungen geselligen Verkehrs" in der wilhelminische Zeit gelernt. "Freundschaftlich heitere und angeregte Unterhaltung" ist dann möglich, "wenn einer den anderen gelten lässt, Ideologien beiseite bleiben und gegenseitig Takt, wohlgemute Zuwendung, kurzum Vertrauen vorausgesetzt werden darf." (R., S.136-137). Freudenberg wusste eine schöne Unterhaltung seinen Gästen zu schenken, sei es sein Deklamieren von deutschen Gedichten, sei es Erzählungen über zahllosen Reisen. "Alle, die in dem gastlichen Haus Freudenberg Stunden, Tage oder Wochen verleben durften..., wird dies immer in besonders dankbarer Erinnerung bleiben" (Helferich, S.81).  Ein anderes Zeugnis berichtet über die Karlsruher Zeit:
"In den Karlsruher Tagen war unser Chef eher nachdenklich als mitteilsam, wie fast jede Forschernatur. Bei der häuslichen Geselligkeit aber herrschte ein zwangloser, süddeutsch-fröhlicher Ton, der sich bei der alljährlichen Plünderung des großen Kirschbaums vor der Direktorwohnung zu bubenhaften Lustigkeit steigerte." (Langenbeck, S. 30).
Der gute Geist seines Hauses in heiteren und in schweren Tagen war Doris. Mehrere Jahre nach dem Doris Tod sagte Freudenberg: "Am engsten war Doris mit ihrem Vater verbunden; von ihm hat sie die Teilnahme geerbt an allen Menschenschicksalen, mit denen sie je in Berührung kam, dazu die heiteren und gewinnenden Umgangsformen und die Achtung vor jedem Stande. Der Mutter Erbteil war ein ausgeprägter Spürsinn für Wahrhaftigkeit und Ablehnung alles unechten Scheins. W. Hellpach, mit dem wir in Karlsruhe und Heidelberg freundschaftliche Verbindung hatten, nannte Doris einmal die gesündeste Frau, die ihm je begegnet sei. Er meinte damit nicht nur die Frische und Wärme, die sie umgab, sondern auch die Klarheit ihres Verstandes, der mit Klugheit und unerschütterlicher Wahrheitsliebe verbunden war. Sie war jedes Scheinwesen abhold und hatte untrügliches Empfinden dafür. Ich durfte 57 Jahre mit ihr zusammen leben und weiß keinen Tag, an dem ich mich nicht dieser Gemeinschaft gefreut hätte." (R., S. 150).
Wesentlich und reserviert in dienstlichen Sachen, besaß Freudenberg einen starken Sinn für Humor, was insbesondere in seinen Briefen (teilweise schon zitierten) widerspiegelt. Hier ist noch ein Beispiel davon (über eine Fahrt nach Jugoslawien): "Die Kroaten und Bosniaken scheinen den Wunsch zu haben, die Fremden dadurch fernzuhalten, dass sie ihre Strassen mit faustdicken Steinen beschottern. Ich schätze, dass wir 1400 km auf solchen Schotterstrassen gemacht haben... Man darf das Auto nicht als Rennpferd benutzen wollen, sondern muss es in diesem Land als einen Esel verwenden." (An Olof Arrhenius, 15. Mai 1954, Rep. 14-136). "Freudenberg kannte viele Anekdoten, die er auch bei wissenschaftlichen Diskussionen unterhaltsam und belustigend hin und wieder einfügte" (Weinges, S. 726). Er liebte gute Tropfen und eine richtige Geselligkeit. Am Professorenstammtisch "Alt Hendesse", dem er mehrere Jahrzehnte (ab 1942) gehörte, war es "recht lustig", so Hans Plieninger. "Hier wurden Bunsen-Anekdoten erzählt oder 'Franzele-Witze'" (Plieninger). Seine Eindrücke von der Indienreise berichtete er dort in einem Vers:
"Rhinozeros ist Vegetarier.
Allüberall gibt es Rotarier.
Sandalen lässt man vor den Pforten
Und naht auf Strümpfen heilgen Orten" (Stevens, S. 172).
Dieser reservierte Mensch konnte sich hier Luft geben.
 
Freudenbergs nationales Gefühl fand Ausdruck in seiner Liebe an deutscher Sprache - er schrieb ein sehr gutes und klares Deutsch und hielt diese Sprache "von so hohen Rang"* 
[*"Die Deutsche Sprache ist von so hohem rang, dass sie mehr als manche andere Sprache befähigt ist, griechische Texte zu vermitteln." (An Prof. Haas, 17. Aug. 1945, Rep. 14-86)]
 
  - aber auch an seinen Mundarten, dazu gibt es zahlreiche Beispiele in seinen Lebenserinnerungen. "Unvergesslich sind mundartige Rezitationen des Hausherrn von Nadler-Gedichten. 'Die hochdeutsche Nähdersmädle' klingen noch im Ohr mit ihrer Diskussion ums 'Quetschenbämle' und die 'Hoornodel'", so sein Schüler (Wilke, S. 358).
Nicht umsonst hing folgende Mahnung in der Bibliothek des Chemischen Instituts:
Schorschl, Sannche, Fritz und Trud,
Schont die Bücher, seid so gut!
Bicher gehe glei in Schdigge, 
Zobbt mr se am Ledderrigge;
Bicher mußmr phutsam hätschle,
Wie en Kinnerbobbo dätschle. -
Packt se duschur mit zwee Händ, 
Daß dr Scheff net alsfort schennt!
(Ruperto Carola, 1952, 6, S. 74).
Auch an Fremdsprachen hatte Freudenberg großes Interesse, außer Französisch und Englisch konnte er etwas spanisch, italienisch, schwedisch und russisch. Nach seiner Reise nach Island - mit 86 Jahren! - schreibt er: "Sehr interessant scheint mir die altertümliche isländische Sprache zu sein, die ich an einem Botanikbuch studiere, das ich mir dort erstanden habe." (An Prof. Adler, Göteborg, 22. Aug. 1972, Rep. 14-126).
 
Freudenbergs Lebenswerk und sein ganzes Verhalten sind durch große Konsequenz gezeichnet. Er war außerordentlich integer Mensch. Während seines ganzen langen Lebens "blieb er sich treu. Er war immer ganz ein und derselbe" (Cramer, S. 57).
Am 7. Juni 1953 hielt Freudenberg eine Festrede über Emil Fischer vor der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Zum Schluss sagte er: 
"Emil Fischers Leben war getragen von Verantwortung: Verantwortung für die Reinheit und Klarheit seines Werkes und seiner Ziele. Verantwortung für die Hochschule als wichtigem Organ unseres kulturellen und wirtschaftlichen Lebens. Verantwortung für jeden einzelnen seiner Schüler, die ihn zur Aussprache und Beratung bereit fanden, wenn es sich um ihre Berufsziele handelte. Er war Staatsbeamter, aber kein Reglement kann die selbstgewählte Pflichterfüllung vorschreiben, von der sein Leben getragen war. Seine Wirkung geht weit über das wissenschaftliche Werk und über die materiellen Folgen hinaus. Sie ist begründet im Ethos seiner Arbeit, in der vollen Hingabe des Menschen an seine Mission, in der unerbittlichen Wahrhaftigkeit und Schlichtheit dieses Großen, der im letzte Grunde eine zarte und scheue Natur war, ein ehrfurchtsvoller und ehrfurchtgebietender Mensch." (Freudenberg, 1953).
Man geht nicht fehl in der Annahme, dass Freudenberg hier seine eigene Lebenseinstellung ausgesprochen hat. Verantwortung ist ein Schlüsselwort zur Persönlichkeit Freudenbergs.
 
Zum Schluss
Zum 100. Geburtstag seines Vaters schrieb Freudenberg: 
"Dass er sein Leben hindurch dieses ungeheure Maß an Arbeit und Verantwortung hat tragen können, verdankt er der Sicherheit und Ungeteiltheit seines Charakters, einer ungewöhnlichen technischen Begabung und seinem stets auf das Einfache gerichteten Denken." (Freudenberg, 1956).
Etwa dasselbe - nur anstatt "technischen" sollte "wissenschaftlichen" stehen - gilt für Karl Freudenberg. 
 
 
 
Quellen und Literatu[nach oben]
 
Die Quellen- und Literaturhinweise werden in Klammern gegeben, jeweils nach dem entsprechenden Zitat.
Als Hauptquelle für diese Darstellung diente der Nachlass Freudenbergs im Universitätsarchiv Heidelberg (Rep. 14 und PA 3801-3805) und teilweise in der Universitätsbibliothek Heidelberg (Heid. Hs. 4071). Fast alle Publikationen Freudenbergs sind in der UB Heidelberg als eine siebenbändige Sammlung bewahrt (Sign. M 70 B 316).
Zitiert als Sammlung.
Zu den Quellen gehört auch das Manuskript: Plieninger, Hans: Einige Bemerkungen zur Persönlichkeit von Karl Freudenberg, 13.6.1983. (UB Heidelberg, Heid. Hs. 4071, B4.4); es wird zitiert als Plieninger.
 
Abgekürzte Bezeichnungen von Freudenbergs Publikationen, die mehr als ein Mal zitiert werden:
Ansprache: Ansprache bei der Verleihung der Alexander-Mitscherlich-Denkmünze (1937). Der Papier-Fabrikant, 1938, H. 4, S. 33-34.
 
EE: Einige Erfahrungen aus meiner Studienzeit. Forum academicum und Mitteilungsblatt der Universität Heidelberg und Wirtschaftshochschule Mannheim. Herausgegeben von Studenten in eigener Verantwortung. Febr. 1950, 1. Jg., Nr. 2, S. 1-2 (Sammlung, Nr. 303a).
 
Rechenschaftsber: Rechenschaftsbericht des Prorektors Prof. Dr. K. Freudenberg, 22. Nov. 1950, Ruperto Carola, 1951, 3. Jg., S. 5-13.
 
R.: Rückblicke auf ein langes Leben. Lebenserinnerungen des Chemikers Karl Johann Freudenberg, 1886-1983. Herausgegeben von Herta und Peter Plieninger. Heidelberg, 1999.
 
Schriften: Schriften der Familie Freudenberg in Weinheim, Bde. I-III, Weinheim, 1969, 1971, 1976.
 
Andere zitierte Publikationen Freudenbergs:
Freudenberg, 1925: Die Abteilung für Chemie an der Technische Hochschule Fridericiana. Sonderbeilage der Badischen Presse, 29. Okt. 1925 (In Sammlung der Publikationen Freudenbergs, Nr. 72a).
Freudenberg, 1951: ?Das Farbenspiel unserer Umwelt?, Ruperto Carola, 1951, H. 4, S. 32-33, 1952, H. 6, S. 71-74.
Freudenberg, 1953: Emil Fischer, ein Wegbereiter der Biochemie. Festrede am 7. Juni 1953. Jahreshefte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für 1943/1955, Heidelberg, 1959, S. 161-166.
Freudenberg, 1955: Lignin im Rahmen der polymeren Naturstoffe. Nach einem Plenarvortrag auf GDCh-Hauptversammlung in München am 14. Sept. 1955. Angewandte Chemie, 1956, 68, 84-92.
Freudenberg, 1956: Hermann Ernst Freudenberg, 1856-1923. Weinheim, 1956.
Freudenberg, 1967: The beginnings of my work on lignin. Wood Science and Technology, 1967, 1, 166-167.
 
Literatur über Freudenberg und andere Literatur:
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