Wagner, Gustav (1918-2006), Dermatologe, Krebsforscher, Begründer der medizinischen Informatik

Category: Kurzbiografien Published: Monday, 05 May 2014 Written by Daniel

Wagner, Gustav Alfred, Dermatologe, Krebsforscher, Begründer d. Medizinischen Informatik

*10.01.1918, Hannover. ev. +16.09.2006, Heidelberg.

 

V  Gustav W. (1887-1965), Kaufmann (Bandagist). M  Anna, geb. Wölfelschneider (1892-1964).

G 1Ilse Leni (1923-1932).

∞ 6.12.1941 (Berlin) Johanna Marta Ingeburg, geb. Winiarz (*1918). K 1: Klaus-Dieter Gustav Rudolf (*1942)

 

1928 IV - 1937 III       Besuch u. Abschluss des Realgymnasiums (jetzt Tellkampfschule) in Hannover

1937 IV - X                 Reichsarbeitsdienst

1937 XI - 1945 VII      Wehrdienst (bis Oktober 1939 als Soldat d. Luftwaffe, dann bis Februar 1945 als Studienurlauber, vom Februar bis Juli 1945 als Unterarzt d. Luftwaffe)

1939 X - 1945 II         Studium Medizin in Leipzig (vom Oktober 1939 bis März 1940) und in Berlin

1945 II 1                      Die Ärztliche Prüfung vor dem Prüfungsausschuss in Berlin mit dem Urteil "sehr gut"

1945 II 2                      Promotion zum Dr. med. an d. Univ. Berlin mit d. Note "sehr gut"; Diss.: "Über den Scheintod (Pathologie u. Klinik seiner Erscheinungsformen sowie Sammlung von in d. Literatur beschriebenen Fällen)"

1946 III - 1951 III        Dienst in d. Hautklinik des Städtischen Krankenhauses II, Hannover-Linden, zunächst als Hospitant u. Volontärassistent, ab Oktober 1948 als planmäßiger Assistent

1951 IV - 1964 IV       Wissenschaftlicher Assistent an der Universitäts-Hautklinik Kiel

1954 VI                       Habilitation ebd.; H.-schrift: "Untersuchungen zu den gegenwärtigen Grundlagen einer dermatologischen Röntgentherapie"; Probevorlesung am 18.06.1954 "Basaliom u. Trauma"

1959 XII                      apl. Prof. ebd.

1962 V                        Professor u. Wissenschaftlicher Rat ebd.

1964 V - 1986 III        Direktor des Instituts für Dokumentation, Information u. Statistik am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg u. ab Oktober 1964 gleichzeitig o. Prof. am neu errichteten Lehrstuhl für Medizinische Dokumentation u. Statistik an d. Univ. Heidelberg

1966 X ?-1973 X      Gründungsvorsitzender d. Ges. für Medizinische Dokumentation u. Statistik (GMDS)

 

Ehrungen: Mitglied d. Finnischen u. Dänischen Dermatologischen Ges. (1968); Ehrenmitglied d. Dt. Ges. für Med. Dokumentation(1973); Ernst von Bergmann-Medaille d. Bundesärztekammer (1980); Ehrenmitglied d. European Federation of Medical Informatics (1985) u. d. Vereinigung d. Med. Fach- u. Standespresse e.V. (1992).

 

W. stellt eine besondere Figur in der Geschichte der Wissenschaft dar. Zunächst gewann er Anerkennung als Dermatologe, sein bedeutendstes Werk gehört aber zu einem Grenzgebiet zwischen Medizin und Kybernetik: Mit Recht gilt er als ein Begründer der Medizinischen Informatik, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Nach seinem Abitur in Hannover hatte W. vor, Chemie zu studieren, sein Plan konnte jedoch nie verwirklicht werden. Zunächst musste W. den damals obligatorischen "Reichsarbeitsdienst" ableisten, danach wurde er zum Militär einberufen, und zwar zur Luftwaffe. Zufällig erfuhr er über einen Tagesbefehl Hermann Görings, in dem stand, dass sämtliche Luftwaffenangehörigen, die Medizin studieren wollten, sofort nach Leipzig in Marsch zu setzen seien. W. meldete sich sofort und hatte so das Glück, die ganze Kriegszeit studieren zu können - allerdings nicht Chemie, sondern Medizin. Da er währenddessen beim Militär verblieb, wurde er mehrmals in verschiedene Lazarette kommandiert, meist in Berlin. Während seiner letzten Semester hatte er über ein Jahr lang an der Pathologischen Abteilung des Krankenhaus Friedrichshain, Berlin gearbeitet und konnte gleichzeitig seine Doktorarbeit "Über den Scheintod" vorbereiten. Sein Doktorvater war der Physiologe Hubertus Strughhold (1898-1986). Auch nach vier Jahrzehnten noch wurde W.s Dissertation, "diese Fundgrube der klugen Beobachtung", als "eine Quelle der Belehrung" betrachtet (W. Doerr, in: Vorträge und Gratulationen, 1983, 5).

Nach dem Zusammenbruch geriet W. in amerikanische Gefangenschaft. Zum Herbst 1945 wurde er entlassen und versuchte nun in seiner Heimatstadt Hannover eine Ausbildungsstelle als Internist zu finden. Seine Bemühungen blieben erfolglos. Nur dank der Vermittlung eines väterlichen Freundes, der mit dem damaligen Direktor der städtischen Hautklinik, Prof. Gustav Stümpke (1882-1953) eng befreundet war, erhielt W. schließlich eine unbezahlte Stelle an der Hautklinik. "Und so bin ich Dermatologe geworden", summierte W. diese Geschichte (W., 1983, Antwortrede, 57). Im Frühjahr 1950 wurde er als Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten offiziell anerkannt.

Die Zeit an der Hautklinik Hannover-Linden hatte weitreichende Folgen für die Richtung der wissenschaftlichen Entwicklung W.s. Denn sein neuer Chef, Jo Hartung (1908-1980), ab 1948 der Nachfolger Stümpkes, begeisterte ihn für das Problem, das bei der klinischen Tätigkeit anfallende Zahlenmaterial mit Hilfe der angewandten Mathematik statistisch zu bearbeiten und dabei die elektromechanische Datenauswertung (Lochkarten) anzuwenden. Der gleichgesinnte Ordinarius für Dermatologie in Kiel, Prof. Albin Proppe (1907-1990) hatte Glück, wie er später selbst schrieb, 1951 W. "als bereits fertig ausgebildeten Facharzt für Dermatologie und damals unter den Ärzten zweifellos erfahrensten Praktiker auf dem Gebiet der maschinengerechten Befunddokumentation ... für die Kieler Hautklinik zu gewinnen" (Proppe, 1978, 52).

Unter Proppe führte W. vielseitige Arbeiten durch. Auf dem Gebiet der reinen Dermatologie untersuchte er Möglichkeiten, mit "weichen" Röntgenstrahlen bestimmte Hautkrankheiten zu heilen. Die Ergebnisse, die Proppe als "bahnbrechende Entwicklungsarbeit" eingeschätzt hatte (UA Heidelberg, PA 9032), bildeten die Basis seiner Habilitation. Sie erhielten internationale Anerkennung, zuerst in den USA.  Ab WS 1955/56 begann W. auch über "Dermatologische Strahlentherapie" zu lesen. Auch andere dermatologische Arbeiten W.s fanden Beachtung, in erster Linie bei den Berufsdermatosen und den Altersveränderungen der Haut. Bemerkenswert ist, dass W. allgemeinere Ansätze zu seinem Fach suchte, z. B. durch geschichtliche Betrachtung. In die Kieler Zeit fallen zwei kleine Monographien zur Geschichte der Dermatologie in Schleswig-Holstein. Später erschien mit der "Dermatologie in der Kunst" (1970) ein ganz einzigartiges Werk geschaffen in der Zusammenarbeit mit dem Kieler Kunstwissenschaftler Prof. Wolfgang J. Müller (1913-1992). Tatsächlich ist es ein kommentiertes Album guter Reproduktionen von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Auch in seiner Kieler Vorlesung "Allgemeine Dermatologie", hauptsächlich über die Systematik der Hautkrankheiten, ist derselbe verallgemeinernde Ansatz zu sehen. Diese Vorlesung diente den Studenten als "Einmaleins der Dermatologie" (M. G. Sonntag, in: Vorträge und Gratulationen, 1983, 38). W. wirkte 1956-1962 auch als Oberarzt der Hautpoliklinik, hielt aber insbesondere regelmäßige Lupus-Sprechstunden im ganzen Land ab.

Einige Jahre später, im Frühjahr 1963, schrieb Proppe. "Herr W. ist von seinem Beruf erfüllt. Seine Arbeitskraft scheint unerschöpflich ... Seine ausgesprochene organisatorische Begabung, sowie die Sicherheit, Umsicht, schnelle Entschlussfähigkeit und absolute Klarheit in seinen Anweisungen machen ihn bei den Pflegekräften beliebt, bringen ihm das Vertrauen der Patienten und Assistenten sowie der Kollegenschaft im Lande ein" (UA Heidelberg, PA 9032). Es schien, dass W. die Leitung einer Hautklinik übernehmen könnte.

Andererseits übertrug Proppe W. verschiedene Aufgaben auf dem Gebiet der medizinischen Dokumentation. 1957 fassten Proppe und W. die ersten Ergebnisse in dieser Richtung zusammen: "Der Vorzug einer Verwendung maschineller Auswertungsverfahren beruht nicht so sehr auf der Bewältigung umfangreichen Beobachtungsmaterials als vielmehr auf der sonst nicht gegebenen Möglichkeit, die in einem komplexen Sachverhalt vielfaltig wirkenden Einflussgrößen aufzufinden und in ihrer Bedeutung zu charakterisieren" (W., 1957, 93). Als die unverzichtbare Voraussetzung dafür erschien die Entwicklung von standardisierten und strukturierten Krankenblättern für die maschinelle Bearbeitung - das Gebiet, das W. dann jahrzehntelang weiterentwickeln sollte.  Ab WS 1960/61 eröffnete er seine neue Vorlesung "Dokumentation in der Medizin".

Mit seiner Ernennung zum Wissenschaftlichen Rat und Professor (1962) bekam W. sogar eine eigenständige Abteilung für Medizinische Dokumentation und Statistik in der Hautklinik. In dieser Eigenschaft hatte W. im Juni-Juli 1963 eine Dienstreise in die USA, wo er am Internationalen Kongress für medizinisches Bibliothekwesen in Washington teilnahm und sich anschließend das Dokumentationswesen in den USA vertraut machen konnte. Und eben diese Tätigkeit "riß ihn - wie schwer ihm auch die Trennung von der Dermatologie fiel - aus dem dermatologischen Bereich heraus" (Proppe, 1978, 53).

Die entscheidende Wende für W. fand 1964 statt, als nach mehrjährigen Vorbereitungen das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg entstand. Die endgültige, d.h. finanziell unterstützte Entscheidung über die Errichtung des DKFZ im Neuenheimer Feld in zwei Baustufen, fand im Mai 1963 statt. Es war vorgesehen, dass die eine seiner Abteilungen sich  mit Dokumentation und Statistik beschäftigte. Die Mittel dafür wurden im November 1963 genehmigt. Der große Chirurg Karl H. Bauer (1890-1978), Seele und Triebkraft der ganzen Unternehmung, der den Namen W. bereits kannte und positive Gutachten über ihn hatte, kam Anfang 1964 nach Kiel und, so W., "testete mich in einem Drei-Stunden-Gespräch" (W., 1983, Antwortrede, 59). Danach fragte ihn Bauer, ob er nach Heidelberg kommen wolle.

So bekam W. den Ruf aus Krebsforschungszentrum. Gleichzeitig bemühte sich Bauer, dass die Medizinische Fakultät Heidelberg einen entsprechenden Lehrstuhl einrichtete, insbesondere, um W. das Promotions- und Habilitationsrecht zu ermöglichen. Die Fakultät hatte zunächst eine eher halbherzige Einstellung bezüglich des neuen Lehrstuhls und dachte über einen Honorarprofessor-Titel für W. nach. Erst als in Kiel im Februar 1964 ein Ordinariat für Medizinische Dokumentation und Statistik errichtet worden war und W. den Ruf auf diesen Lehrstuhl bekommen hatte, nötigte dies das Ministerium und die Fakultät, ihre Position zu verändern. Nun  (April 1964) nominierte die Fakultät "primo et unico loco" W. für die Berufung auf den planmäßigen ordentlichen Lehrstuhl für Medizinische Dokumentation und Statistik. Eine solche Nominierung, erklärte die Fakultät, "rührt daher, dass es keine gleich gut qualifizierten Vertreter des Gebietes der medizinischen Dokumentation und Statistik gibt" (UA Heidelberg, B-II-980).

Schon im Mai 1964 kam W. nach Heidelberg und begann in einem provisorischen Raum mit den Vorbereitungen zur Einrichtung seines Instituts. Er beteiligte sich an der Einweihung der ersten Baustufe des DKFZ am 31. Oktober 1964.

An der Universität las W. keine obligatorische Vorlesung, aber regelmäßig, "nach Vereinbarung" gab er "Einführung in die Medizinische Dokumentation und Statistik". Außerdem führte er, zusammen mit Heinrich Schipperges (s. dort), mehrere Jahre lang ein Seminar "Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens" durch.

Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag im DKFZ. In diese Zeit fiel der Siegeszug der elektronischen Datenverarbeitung, und W. stellte sich begeistert dieser neuen Herausforderung.

Während der ersten Jahre konnte W. gute Mitarbeiter finden und fünf Arbeitsgruppen, später Abteilungen, in seinem Institut etablieren: Krebsdokumentation und -epidemiologie; Versuchsplanung und -auswertung; Mathematische Modelle; Elektronische Datenverarbeitung; Literaturdokumentation und -information. Zu letzter Arbeitsrichtung ist hinzuzufügen, dass es W. war, der die heute riesige Bibliothek des DKFZ begründete. Außerdem widmete er sich dem Aufbau der Zentralen Datenverarbeitung. Insgesamt, besonders als Vorsitzender des Direktoriums in den Jahren 1966/67 und 1972/73, hat W. "das Profil des DKFZ von Anfang an entscheidend geprägt" (H. zur Hausen, 2003), so das Zeugnis des Nobelpreisträgers Harald zur Hausen (*1936), der das DKFZ zwanzig Jahre lang leitete.

 

Ein großer Teil der Verdienste W.s ist also als wissenschaftsorganisatorische Tätigkeit zu bezeichnen. Die Kunst W.s als Organisator basierte nicht nur auf seinem klaren Denken, sondern auch auf seiner ausgesprochenen Fähigkeit, menschliche und berufliche Kontakte rasch herzustellen. Das galt ebenso für sein eigenes Team im DKFZ, das allmählich auf 85 Mitarbeiter angewachsen war, sowie für seine Kontakte im In- und Ausland.

Die Anfänge seiner organisatorischen Tätigkeit fielen noch in seine Kieler Zeit, als er 1951 Gründungsmitglied und aktiver Mitarbeiter einer Untergruppe "Medizin" im Ausschuss "Mechanisierung der Dokumentation" in der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation (DGD) wurde. 1955 gründete man in der DGD den Ausschuss  für "Dokumentation in der Medizin", wo W. sich beteiligte, seit 1965 als allein-verantwortlicher Leiter. In dieser Eigenschaft konnte W. nahtlos dem Ausschuss zu der "Deutschen Gesellschaft für Medizinische Dokumentation und Statistik" (GMDS) entwickeln. Im Oktober 1966 fand die Gründungsversammlung statt, wobei W. zum Vorsitzenden gewählt wurde. Er führte die Gesellschaft in ihren ersten sieben Jahren, und "unter seiner klugen Führung entwickelte [sie] sich ... von einem zarten Pflänzchen  zu einer renommierten und eigenständigen Gesellschaft" (H. zur Hausen, 2003). Nach seinem Ausscheiden - man wählte W. damals zum ersten Ehrenmitglied der GMDS - setzte er sich aktiv als Mitglied des Präsidiums in der weiteren Entwicklung der GMDS ein, u.a. als Leiter der Arbeitsgruppe "Terminologie". W. veranstaltete auch Jahrestagungen der GMDS in 1975 und zusammen mit zwei Kollegen in 1983.

Eine der wichtigsten Leistungen W.s auf wissenschaftsorganisatorischem Gebiet ist die Begründung (1962) und Herausgabe der internationalen Zeitschrift "Methods of Information in Medicine", einer der allerersten Zeitschriften, die der neuen Disziplin der Medizinischen Informatik gewidmet waren. Unter seiner Leitung erreichen die "Methods" weltweite Anerkennung, und als W. 1987 von dem Posten des Hauptherausgebers sich verabschiedete, konnten seine Nachfolger auf zulässigem Fundament weiter aufbauen.

Überhaupt entwickelte W. enorme Tätigkeiten als Herausgeber und Mitherausgeber. Dank seiner Kontaktfähigkeit konnte er viele Dutzende Mitarbeiter für seine Pläne mobilisieren. Diese Tätigkeit begann noch in Kiel: ab 1951 war er Mitherausgeber (und auch Autor) der "Schriftreihe der Nordwestdeutschen Dermatologischen Gesellschaft". Weiter war W. Herausgeber und Mitherausgeber von etwa 50 Büchern und, außer der erwähnten "Methods" noch weiterer fünf Zeitschriften. Insbesondere sollten hier zwei große Leistungen hervorgehoben werden: Die erste war das fundamentale "Handbuch der Medizinischen Dokumentation" (1975). Dieses Handbuch, herausgegeben in Zusammenarbeit mit Prof Siegfried Koller (1908-1998), ist das erste Standardwerk der medizinischen Informatik. Bei  dessen Vorbereitung wirkte W. darüber hinaus (unter 75 Mitarbeitern)  als Verfasser und Mitverfasser von 5 wichtigen Beiträgen. Darin veröffentlichte er auch über die GMDS und über sein beliebtes Kind, die "Methods". Die zweite Leistung war die Herausgabe der Reihe "Tumordokumentation in Klinik und Praxis", die aus folgenden Bänden besteht: "Basisdokumentation für Tumorkranke", "Organspezifische Tumordokumentation", "Tumorlokalisationsschlüsse" und "Tumorhistologieschlüssel". Alle diese Bände wurden immer wieder neu bearbeitet und herausgeben, um Schritt mit der Entwicklung der Medizin und der Informatik zu halten.

 

Insgesamt stammen von W. etwa 40 Bücher und über 300 Artikel. Die Richtungen seiner wissenschaftlichen Arbeit in Heidelberg sind vielseitig. Als seine erstrangige Aufgabe empfand er die Erarbeitung und Weiterentwicklung der allgemeingültigen Krebsdokumentation, was er im Kontakt mit World Health Organisation machte. Die Ergebnisse sind "heute unverzichtbarer Teil des ärztlichen und wissenschaftlichen Alltags" (H. zu Hausen, 2003). W.s Interesse galt außerdem dem Gebiet der Epidemiologie, wofür er Methoden der Statistik meisterhaft anwendete. Weiter widmete er sich der Arbeitsmedizin, indem er drei "BASF-Studien", nämlich, Vorsorgeuntersuchungen auf den Gebieten Diabetes- und Nierenerkrankungen (1969), Sehstörungen (1972)  und Hypertonie (1977) zusammen mit der Ärztlichen Direktion der BASF, Ludwigshafen, organisierte. Dies war eine echte Pionierarbeit im Bereich der arbeitsmedizinischen Vorsorge. Die drei entsprechenden Monographien über diesen Studien fanden weltweite Anerkennung.

Auch nach seiner Emeritierung blieb W. bis zum Lebensende in seinem Institut sehr aktiv literarisch tätig. Sein letztes Buch, über die Klassifikation maligner Thoraxtumoren, hat W. zu seinem 85. Geburtstag vollendet.

 

 

Q LA Schleswig-Holstein: Abt. 911, Nr. 12097 (Beförderung W. zum ao. Professor); UA Heidelberg: PA 9032 (Personalakte W.); H-III-024/2 (Deutsches Krebsforschungszentrum 1963-1964); B-II-980 (Berufung W.); Auskünfte aus: StadtA Hannover vom 18.07.2011; LA Schleswig-Holstein vom 29.07.2011.

 

W  Schriftenverzeichnis in: C. O. Köhler, K. Böhm, R. Thome, 1983 (s. L), 221-238 u. Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender, 2001, 3410f.. Auswahl:

Bemerkungen zur venerischen Dualinfektion, in: Medizinische Klinik 44, 1949, 1182-1186; Einige psychologisch bedingte Fehler bei hämatologischen Routineuntersuchungen, in: ebd., 47, 1952, 1725-1727; D. Beitrag d. Königlich-Hannoverschen Hof- u. Leibärzte zur Entwicklung d. Dermatologie im 18. U. 19. Jahrhundert, 1955; Untersuchungen zu den gegenwärtigen Grundlagen einer dermatologischen Röntgentherapie, in: Strahlentherapie 86, 1955, 481-516;

(mit A. Proppe) Die Verwendung maschineller Auswertungsverfahren in d. Klinik, in: Ärztliche Wochenschrift 12, 1957, 89-93; Bedeutung, Gefahren u. Grenzen d. Statistik in d. Medizin, in: Deutsche med. Wochenschrift 82, 1957, 1427-1432, 1484-1491; Altersveränderungen d. Haut, Altersdermatosen, in: H. A. Gottron, W. Schönfeld (Hg.), Dermatologie u. Venerologie, Bd. IV, 1960, 756-830; Erfahrungen mit d. maschinellen Befunddokumentation in d. Klinik, in: IBM Nachrichten 12, H. 154, 1962, 1659-1667; Möglichkeiten u. Grenzen moderner Dokumentationsmethoden in d. Klinik, in: Ärztliche Forschung 17, 1963, 432-441; Zum Informationsproblem im Bereich d. Medizin, in: Heidelberger Jahrbücher 9, 1965, 39-53; Medical Record Linkage, in: E. Fritze, G. W. (Hg.), Dokumentation des Krankheitsverlaufs, 1969, 221-232; (mit A. Proppe) Aufbau einer Datenbank aus langfristig gesammelten klinischen Daten, in:  G. Fuchs, G. W. (Hg.), Krankenhaus-Informationssysteme, 1972, 103-108; Tumorlokalisationsschlüssel, 1974, 21979, 31988, 41991, 51993; (mit R. Thome) Dokumentation, Datenverarbeitung u. Statistik in d. Medizin, 1975, 21983; Die Bedeutung moderner Informationssysteme für die Wissenschaft, in: Medizinische Welt 26, 1975, 1069-1075; (Hg. mit S. Koller), Handbuch d. medizinischen Dokumentation u. Datenverarbeitung, 1975; Die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Dokumentation u. Statistik (GMDS), ebd., 1391-1410; (mit R. Frentzel-Beyme) Krebs-Registrierung in d. BRD, in: O. Nacke, G. W. (Hg.), Dokumentation u. Information im Dienste d. Gesundheitspflege, 1976, 199-203; (mit E. Grundmann) Basisdokumentation für Tumorkranke, 1979, 21980, 31983, 41994, 51999; Effektivität d. Krebsfrüherkennung, in: H. Schipperges, G. W. (Hg.), Effektivität u. Effizienz in d. Medizin, 1981, 53-68; [Antwortrede], in: C. O. Köhler (Hg.), G. W. 65: Vorträge u. Gratulationen anläßlich d. akad. Feier am 10. Jan. 1983, 56-61; Zielkonflikte zwischen Datenschutz u. Forschung, in: K. Abt, W. Giere, B. Leiber (Hg.) Krankendaten, Krankheitsregister, Datenschutz, 1985, 352-371; Krebsforschung in Heidelberg, in: Semper apertus, Bd.4, 1985, 225-257;Die "BASF-Studien" als Beispiel epidemiologischer Untersuchungen in der Arbeitsmedizin, in: Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Präventivmedizin 21, 1986, 213-215; Zur Epidemiologie des Bronchialkarzinoms, in: Atemwegs- u. Lungenkrankheiten 12, 1986, 466-473; Problematik d. Krebsprävention, in: H. Schaefer, H. Schipperges, G. Wagner (Hg.), Präventive Medizin: Aspekte u. Perspektiven einer vorbeugenden Medizin, 1987, 147-154; Ein Modell d. Gesundheitsüberwachung u. medizinischen Betreuung, ebd., 199-208; Grundlagen, Aufgaben u. Ziele d. epidemiologische Krebsforschung, in: Die Medizinische Welt 39, 1988, 348-352; (mit A. Mauerberger) Krebsforschung in Deutschland: Vorgeschichte u. Geschichte des Deutschen Krebsforschungszentrums, 1989; Möglichkeiten u. Grenzen d. medizinischen Informatik, in: E. H. Graul, S. Pütter (Hg.), Medizin u. Grenzgebiete - Perspektiven für die '90er Jahre, Teil 2, 1990, 849-862; Notwendigkeit einer standardisierten Dokumentation in d. Medizin d. 90er Jahre, ebd., 887-896; (mit P. Hermanek) Organspezifische Tumordokumentation, 1995; (mit E. Grundmann u. P. Hermanek) Tumorhistologieschlüssel, 1997; (mit P. Drings, J. Hasse, P. Hermanek) Klassifikation maligner Thoraxtumoren - Lunge, Pleura, Mediastinum, 2003.

 

L Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg: Festschrift zur Einweihung d. Betriebsendstufe am 25. September 1972, insb.1-38 u. 89-95; A. Proppe, G. W. zum 60. Geburtstag, in: D. Hautarzt 29, 1978, 52f. (B); Claus Köhler, G. W. zum 65. Geburtstag, in: Ruperto Carola 35, H. 69, 1983, 292f.; C. O. Köhler, K. Böhm, R. Thome (Hg.), Aktuelle Methoden d. Informatik in d. Medizin. Festschrift zum 65. Geburtstag von Prof. Dr. med. G. W., 1983 (W, B); C. O. Köhler (Hg.), G. W. 65: Vorträge u. Gratulationen anläßlich d. akad. Feier am 10. Jan. 1983; J. Wahrendorf, G. W. 70 Jahre alt, in: Ruperto Carola 40, H. 78, 1988, 150f.; J. Derbolowsky, G. W. 70 Jahre, in: Erfahrungsheilkunde 37, 1988, 793 (B); Harald zur Hausen, Pionier d. Krebsforschung: Zum Tod von G. W., in: Rhein-Neckar-Zeitung 26. Sept.2006; J. H. van Bemmel, D. Bergemann, G. W. (1918-2006) Im Memoriam, in: Methods of Information in Medicine 46, 2007, 1 (B); D. Drüll, Heidelberger Gelehrten-Lexikon 1933-1986, 2009, 643f..

 

B    UA Heidelberg. Pos I, 03153, Pos I, 04011; Gruppenphoto in: Deutsches Krebsforschungszentrum, 1972, zwischen 16 u. 17, vgl. L

 

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