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Schmelzer, Christoph (1908-2000), Physiker

Category: Kurzbiografien Published: Monday, 05 May 2014 Written by Daniel

Schmelzer,  Carl Christoph, Physiker,

*17.11.1908 Lichtentanne (Kreis Zwickau, Sachsen). ev.. +10.06.2001 Heidelberg

 Carl Hermann S. (1872-1968), Spinnereibesitzer

M Martha Catharina S., geb. Nitzsche (1878-1931)

G Carl Hermann Julius S. (1902- ca. 1945), Carl Joachim S. (1904- ca. 1945)

∞ 1942 (Lichtentanne) Erica Margarete Horn (1916-1986)

K 3: Carl Andreas (*1945), Dr. phil., Chemiker; Eva (1947-1949); Beate Christine, verh. Schmelzer (*1950), Biologin

 

1916 IV - 1928 III                   Besuch d. Höheren Bürgerschule u. ab 1919 Besuch u. Abschluss des Reform-Realgymnasiums in Zwickau

1929 X - 1935 IX                   Studium Chemie (TH München, SS 1928 - SS 1930) u. Physik (Univ. Jena, WS 1930/31 - SS 1935)

1935 XII 18                             Promotion magna cum laude an d. Univ. Jena; Diss.: "Absolutmessung dielektrischer Verluste bei hohen Frequenzen mit dem Kondensator-Thermometer"

1936 IX - 1939 IV                  Research Associate an d. Brown University, Providence, USA

1939 - 1945                           Assistent am Institut für Technische Physik d. Univ. Jena

1945 VI - 1948 IV                  Durch US-Armee in Heidenheim/Brenz interniert. Mitarbeit an Field Information Agency Technical (FIAT)-Berichten

1948 VI - 1952 X                   Wissenschaftlicher Assistent am 1. Physikalischen Institut d. Univ. Heidelberg

1949 VII 25                             Habilitation in d. Angewandten Physik; H.-schrift: "Beiträge zur Methodik dielektrischer Messungen"

 

1952 X - 1960 XII                  Arbeit bei CERN, ab April 1954 in Genf; Errichtung des Proton-Synchrotrons (Betriebsbeginn November 1959)

1959-1970                              Mitglied u. 1960-1965 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rats bei DESY (Das Deutsche Elektronen-Synchrotron), Hamburg

1960 V                                    Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Kernphysik, Heidelberg

1960 I - 1977 III                     o. Prof. u. Direktor des Instituts für Angewandte Physik an d. Univ. Heidelberg (1971 VII - 1977 III von d. Univ. beurlaubt)

1963 IX - 1964 IX                  Dekan d. Naturwiss.-math. Fakultät

1971 VII - 1978 IV                 Wissenschaftlich-technischer Geschäftsführer d. Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI), Darmstadt (heute "GSI Helmholtzzentrum für Schwerionen Forschung GmbH")

1977 X 24                               Einweihung d. GSI-Forschungsanlage

 

Ehrungen: Mitglied d. Heidelberger Akad. Wiss. (korr. 1958, V, o. 1966, V); Bundesverdienstkreuz (1977); Dr. h. c. Univ. Frankfurt (1982, IV), Univ. Gießen (1982, V).

 

 

Der Name S. ist mit "goldenen Buchstaben" in die Entwicklungsgeschichte der Großforschungseinrichtungen in Europa eingetragen, durch deren Aufschwung die Nachkriegszeit weltweit geprägt ist, und zwar in die Geschichte der Teilchenbeschleuniger.

S. wurde in eine wohlhabende und angesehene Familie geboren. Sein Vater, Sohn eines Textilunternehmers, war Fabrikbesitzer in Lichtentanne, Vorstand des Arbeitsverbandes Westsachsen und Arbeitsrichter. Nach einjährigem Hausunterricht besuchte S. drei Jahre lang die Höhere Bürgerschule in Zwickau und dann das dortige Realgymnasium, das er Ostern 1928 mit der Gesamtnote "IIa" abschloss und dem erklärten Vorhaben, Chemie zu studieren.

 Bereits als Gymnasiast fasste S. eine Leidenschaft für Amateurfunken; 1927 erhielt er eine Sendelizenz von der Regierung, so dass er von seiner selbstgebauten Station in Lichtentanne mit Liebhaberfunkern in allen Erdteilen verkehren konnte.

Sein Chemiestudium begann S. an der TH München. Nach fünf Semestern wechselte er jedoch zur Physik an die Universität Jena. Sein Lehrer dort war Max Wien (1866-1938), unter dem S. 1935 magna cum laude promovierte. Bereits in seiner Doktorarbeit zeigte sich S. als geschickter und erfinderischer Experimentator.

Kurze Zeit nach der Promotion blieb S. als Privatassistent Wiens in Jena, nützte aber bald die Möglichkeit, zweiundhalb Jahre lang in den USA an der Brown University bei dem sehr vielseitigen Chemiker Prof. Charles A. Kraus (1875-1967) sein Jenaer Arbeitsgebiet durch Untersuchung des dielektrischen Verhaltens von Elektrolyten bei hohen Frequenzen zu erweitern. Kraus charakterisierte S. als "a man of sound scientific judgment, who possesses a keen interest in physical science, who has initiative and a thoroughgoing mastery in the field in which he has been working" (UA Jena, Bestand D, Nr. 2548, Bl. 8).

Im Frühjahr 1939 kehrte S. nach Jena zurück und wurde Assistent am Institut für technische Physik bei dem Nachfolger Wiens, Georg Goubau (1906-1980). Anders als seine Brüder, die in russischer Gefangenschaft starben, war S. UK freigestellt. Während des Kriegs führte er mit Goubau Arbeiten in der Dezimeterwellentechnik, insbesondere über Antennenfragen, Schwingungserzeugung, präzise Frequenzmessungen, sowie über Messungen von Materialkonstanten durch. Diese Arbeiten blieben unveröffentlicht.

Nach dem Zusammenbruch 1945 wurde S. mit Goubau durch US-Truppen aus der Sowjetzone "evakuiert", d.h. interniert nach Heidenheim an die Brenz, wo er sich an der Vorbereitung von  FIAT Reviews on German Science 1939-1946 beteiligen sollte.

Inzwischen spürte ihn Walter Bothe (1891-1957) auf, der sich um den Wiederaufbau der Physik in Heidelberg kümmerte. In einem Bericht erzählte Bothe "strahlend", dass er "einem Herr S." begegnet sei: "In einer langen Unterhaltung habe ihn dessen breite Sachkenntnis ungemein beeindruckt" (Schmidt-Rohr, 1996, 65). So wurde S. als Assistent Bothes ins Physikalische Institut der Heidelberger Universität eingeladen.

Zuvor musste er noch in Heidenheim das Entnazifizierungsverfahren vor der Spruchkammer bestehen: Dem Mainstream nachgebend, war er in den "Stahlhelm" eingetreten und mit diesem Verband 1933 in die SA überführt worden. Obwohl er 1936 wegen seiner Amerika-Reise aus der SA ausgetreten war, hat man ihn während seines Aufenthalts in den USA "ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung" (so er vor der Spruchkammer, UA Heidelberg, PA 8678) bei der NSDAP angemeldet und aufgenommen (Nr. 7326821). Nach seiner Rückkehr wurde er "ohne mein Zutun" wieder in die SA aufgenommen und zum Obergruppenführer befördert. Da er sich nie am Dienst der SA beteiligt und auch keine Arbeit als Parteimitglied geführt hatte, wurde er durch die Spruchkammer als "Mitläufer" eingestuft. Damit wurde sein Weg nach Heidelberg frei.

Bereits nach einem Jahr konnte S. sich habilitieren, noch in dem Forschungsbereich, den er in Jena bearbeitet hatte. Als Privatdozent vertrat S. in Vorlesungen ("Hochfrequenztechnik", "Ausgewählte Kapitel aus der modernen Elektronik"), Übungen und Prüfungen die angewandte Physik, für die damals kein Lehrstuhl vorhanden war.

Experimentelle Arbeiten fanden bei Bothe nicht in der Universität statt, sondern in seiner Abteilung des Max-Planck-Instituts für Medizinische Forschung. Dort befand man sich "in einer wohl einmaligen Dichte physikalischer Sachkenntnis", dabei in "ungezwungener Atmosphäre" (Schmidt-Rohr, 1996, 79). Bothes Arbeitsgebiet war die Kernphysik, und er hatte vor, ein neues Zyklotron zu bauen. "C. S. hatte immer viele Ideen", so die Erinnerung Maier-Leibnitz's (s. dort) (Buchhaupt, 1995, 123). Insbesondere schlug er vor, einen Teilchenbeschleuniger nicht mit zwei Dees, wie damals überall üblich, sondern mit einem Dee zu schaffen. (Dees sind D-förmige Hohlelektroden für die Beschleunigung der geladenen Teilchen). Die Idee wurde eingehend und systematisch diskutiert bis sie zur Entscheidungsreife erreichte. S. selbst arbeitete mit einigen Diplomanden am Hochfrequenzsystem  für den zukünftigen Apparat. Das Zyklotron wurde erst 1956 fertig, als S. in Genf war.

Bereits ab 1951, während der Vorbereitungsphase der Gründung von CERN (Conseil européen pour la recherche nucléaire), suchte der vorläufige CERN-Rat Fachleute für die künftigen Forschungen. S., als bekannter Fachmann auf dem Gebiet der Hochfrequenztechnik wurde im Oktober 1952 als  "Senior Physicist" berufen.

Während der ersten vier Semester teilte S. seine Zeit zwischen Heidelberg und Genf auf: Als Assistent entlassen führte er seine Verpflichtungen als Dozent in Heidelberg weiter. Zum letzten Mal hielt er im SS 1954 einen zweiwöchigen Kurs "Ausgewählte Kapitel aus der Elektronik (mit Übungen)" in Heidelberg. Bereits im April 1954 war er endgültig nach Genf übersiedelt. Anfang Oktober 1954 wurde S. stellvertretender Projektleiter beim Aufbau des 25 GeV Proton-Synchrotrons, dem damals größten Beschleuniger-Projekt der Welt. S. war direkt verantwortlich für die Ausführung des Hochfrequenzsystems und machte insbesondere drei bedeutende Erfindungen zur Konstruktion des Beschleunigungssystems. U.a. nutzte er scharfsinnig das Prinzip der Rückkoppelung. Im November 1959 begann erfolgreich der Betrieb des Beschleunigers.

Die Jahre bei CERN brachten S. enorme Erfahrungen im Gebiet der Teilchen-Beschleuniger. Dabei war er aber auch zu seinem speziellen Arbeitsstil gekommen, der einem solch großen Projekt angemessen war. Dazu gehörten die ständige Auseinandersetzungen mit alternativen Lösungen eines Problems und die geschickte Leitung des Arbeitsteams. S. verstand es, das Interesse für Aufgabenstellung zu wecken, übernahm dann aber die Rolle des Beraters. Dies äußerte sich auch in der Tatsache hervor, sein Name in allen Publikationen mit Mitarbeitern nicht vorn, sondern alphabetisch geordnet stand.

 

Inzwischen hatte die Heidelberger Universität, um S. als Mitglied nicht zu verlieren, ihn im Sommer 1954 zum a.o. Professor - mit sofortigen Beurlaubung - befördert. Als die Verlängerung des Urlaubs gesetzlich nicht möglich war, ernannte sie ihn, auf Antrag von Bothe und drei anderen Physikprofessoren, zum Honorarprofessor (Februar 1956). 1958 fiel die Entscheidung, einen Lehrstuhl mit Institut für Angewandte Physik in Heidelberg zu errichten. S. wurde als erster Kandidat genannt. Er nahm den Ruf an; die Berufungsvereinbarung wurde im September 1959 unterschrieben. Die fast gleichzeitigen Rufe nach Hamburg, Würzburg und München hatte S. abgelehnt. Er konnte aber in Genf  bleiben solange das Institut keine Räumlichkeiten hatte. Wegen verschiedener Bauverzögerungen dauerte dies bis Ende 1960.

Der Schwerpunkt seiner Professorentätigkeit lag für S. offensichtlich in der Arbeit im Laboratorium, nicht in Vorlesungen: Hier beschränkte er sich auf 1 oder 2 Stunden pro Woche; er las über "Ausgewählte Kapitel" der Atomphysik oder der Elektronen- und Ionenoptik.

1963/1964 wirkte S. als Dekan, wo sich seine allgemeine Einstellungen zeigten. Von ziemlich abstrakten und bürokratischen Projekten, die regelmäßig von oben vorgeschlagen wurden, hielt er nicht viel; so sammelte er z. B. satirische Texte dazu, mit denen er seine Bemerkungen über die Neuordnung der Prüfungen für das Lehramt begleitete. Ganz ernsthaft dagegen setzte er sich gegen "die Tendenz, aus lauter Pragmatismus Technokraten herauszubilden", er sah hier "eine potentielle Gefahrenquelle für unsere Gesellschaft" in Gestalt der Vorbereitung des Bodens für Missbrauch naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. Deswegen sollte, so S., die damalige räumliche Trennung der Geistes- und der Naturwissenschaften der Universität zwischen der Altstadt und dem Neuenheimer Feld aufgehoben werden: Erst dann ist ein "gesundes ausgeglichenes Milieu" zu schaffen, das zwanglos, über die Grenze des Faches hinaus die Studenten erziehen könne (UA Heidelberg H-V-278).

Zu der Zeit, als S. nach Heidelberg zurückkehrte, war er bereits sehr bekannt dank mehrerer  Arbeiten in verschiedenen Gebieten der experimentellen und angewandten Physik; insbesondere auf einem sich rasch entwickelnden Gebiet der "Großforschung" ("big science"), nämlich in der Entwicklung von Teilchen-Beschleunigern, galt er als Experte. Noch in Genf war S. maßgeblich an der Initiativen zur Gründung des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY beteiligt. Mit der Gründung von DESY im Dezember 1959 war er für fünf Jahre Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rats.

Zum Lebenswerk S.s wurde der universelle Beschleuniger für Atomionen beliebiger Masse, der in die Geschichte der Atomtechnik unter den Namen UNILAC (Universal Linear Accelerator) eingegangen ist.

Lange Zeit beschränkten sich die Forscher auf Strahlen leichter Ionen, wie von Wasserstoff, Deuterium und Helium. Der erste Versuch S.s, um 1950, Bothes Interesse auf die Beschleunigung schwerer Ionen zu erwecken, war erfolglos, weil Bothe meinte, die Zeit für Schwerionen-Kernphysik sei noch nicht reif. S. hatte aber als einer der ersten begriffen, dass die Erweiterung der Untersuchungen auf die Strahlen schwerer Ionen es möglich machen würde, eine Fülle bisher unzugänglicher Gebiete zu erschließen, so in der Kernphysik, Astrophysik, Strahlenchemie und Strahlenbiologie. Seit 1958, noch bei CERN, begann S. das Problem der Beschleunigung sehr schwerer Ionen zu bearbeiten. In Heidelberg konnte er diese Arbeit erst ab 1963 weiterführen, weil er zunächst mit dem Aufbau seines Instituts vollständig ausgefüllt war.

Sein erster Schritt war eine eingehende Diskussion seines Plans über Schwerionenbeschleuniger mit  Fachgenossen des In- und Auslands. Im Juni 1963 legte er den Plan dem Arbeitskreis Kernphysik der Deutschen Atomkommission vor. Der Plan wurde unterstützt, so dass das Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung daraufhin die Bildung einer Studiengruppe genehmigte und deren Arbeiten durch die Bereitstellung von Personal- und Sachmitteln ermöglichte.

Obwohl das Prinzip der Teilchenbeschleunigung an sich einfach ist, verlangt die Errichtung eines Beschleunigers die Bewältigung vieler unterschiedlichster Probleme: "Die praktische Maschine selbst stellt ein äußerst kompliziertes Ganzes dar, bei dem viele Einzelfunktionen reibungslos zusammenarbeiten müssen" (S., 1954, 36). Die zu lösenden Aufgaben sind insbesondere die Erzeugung hoher Spannungen, die Entwicklung von Hochfrequenzanlagen, Fokussierungssysteme, Steuerungs- und Kontrolleinrichtungen. Bei dem UNILAC kamen dazu noch spezifische Probleme von Ionenquellen, Strahlenführung, Injektion von Ionen, um nur einige wichtigste zu nennen. Dass S. bereits in seinem ersten Antrag nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Ingenieure verlangte, zeigt, dass er damals schon von der "Forschungs-Phase" zur "Entwicklungs-Phase", d.h. der Erarbeitung eines konkreten technischen Projekts strebte. Die "UNILAC-Gruppe" wurde zunächst mit 5 Mitarbeitern gegründet, wuchs aber mit der Entwicklung der Arbeit auf 43 im Jahr 1968. Da es in der Universität damals keinen ausreichenden Platz gab, arbeitete die Gruppe in Räumen des 1958 gegründeten Max-Planck-Instituts für Kernphysik, das aus Bothes Institut entstanden war: S. genoss die Unterstützung von Seiten des Institutsleiters Wolfgang Gentner (1906-1980).

1967 waren die Arbeiten soweit fortgeschritten, dass S. auf einen baldigen Baubeginn drängte. Nun folgten dreijährige Diskussionen und Verhandlungen über die Form der Institutionalisierung und den Standort für dieses einmalige Forschungsprojekt. Endlich, im Juli 1970 kam man zur Entscheidung - eine "Gesellschaft für Schwerionenforschung" (GSI) in Darmstadt zu gründen. Es war selbstverständlich, dass das Herz der neuen Forschungsanlage der Beschleuniger UNILAC sein würde und dass S. dessen Errichtung leiten sollte. So wurde er zum wissenschaftlich-technischen Geschäftsführer der Gesellschaft berufen und von Universität für fünf Jahre beurlaubt.

Die Bauzeit des Beschleunigers betrug fünf Jahre. Der erfolgreiche Versuchsbetrieb mit den  schwersten bekannten Ionen, denen des Urans (Ordnungszahl 92), begann im April 1976. Damit eröffnete sich damals weltweit die einzigartige Möglichkeit, auf verschiedenen Gebieten die Schwerionenforschung anzugehen. Die Vision S.s wurde erfüllt, und in seinem Abschiedsaufsatz stellte er Weichen "zur langfristigen Entwicklung" an (S., 1977, 1). Am 24. Oktober 1977 fand die Einweihung der GSI-Forschungsanlage statt.

Danach konnte S., mit fast 71 Jahren in Ruhestand gehen. Er kehrte nach Heidelberg zurück, verfolgte aber leidenschaftlich die weiteren Arbeiten der GSI, insbesondere die Synthese der neuen Elemente Nr. 107, 109 und 108 in Jahren 1981, 1982 und 1984. Diese Rekordleistung war die Bestätigung seiner wissenschaftspolitischen Linie, die S. beharrlich durchgesetzt hatte und die Deutschland führende Positionen in diesem Gebiet sicherte.

In Darmstadt wurde nach seinem Tod eine Straße nach ihm benannt sowie ein C.S.-Preis gestiftet.

 

Sammlung des Ortschronisten Lichtentanne Dr. Georg Effenberger;  Hist. A d. TU München: PA.Stud Schmelzer, Christoph; UA Jena: Bestand  N, Nr. 24 (Promotionsakte S.); Bestand D, Nr. 2548 (Personalakte S.)UA Heidelberg: PA 2972, PA 8678, HAW 419 (Akten S.); H-V-104/1, H-V-104/2, H-V-104/3 (Akten des Instituts für Angewandte Physik, 1958-1967); H-V-123, H-V-278, H-V-285 (Akten d. Naturwiss.-math. Fakultät 1961-1968); Auskünfte aus: StadtA Zwickau vom 18.11.2011; UA Jena vom 29.11.2011; A d. Brown University, USA vom 8.11.2011; A d. CERN vom 24.11.2011; UA Darmstadt vom 7.11.2011; ULB Darmstadt vom 8.11.2011; A d. Max-Planck-Ges. vom 17.11.2011; StadtA Heidelberg vom 27.11.2011.

 

W  Messungen von Verlusten an verschiedenen Flüssigkeiten nach d. Thermometermethode, in: Physikalische Zs. 37, 1936, 162-164; Absolutmessung dielektrischer Verluste bei hohen Frequenzen mit dem Kondensatorthermometer, in: Annalen d. Physik 28, 1937, 35-53; (mit H. C. Eckstrom) The Wien effect: Deviations of electrolytic solutions from Ohm?s law under high field strengths, in: Chemical Reviews 24, 1939, 367-414; Dielektrische Eigenschaften fester Körper, in: Naturforschung u. Medizin in Deutschland, 1939-1946, Bd. 9, Teil II, 1948, 43-52; (mit F. H. Müller) Dielektrisches Verhalten im Zusammenhang mit dem polaren Aufbau d. Materie, in: Ergebnisse d. exakten Naturwissenschaften 25, 1951, 359-475; Über günstige Betriebszustände des Elektronenzyklotrons, in: Zs. für Naturforschung 7a, 1952, 808-817; Meßsender, in: Naturforschung u. Medizin in Deutschland, 1939-1946, Bd. 16, 1953, 211-216; Messung von Materialkonstanten, ebd., 268-278; Das europäische Gemeinschaftsprojekt eines 25-GeV-Proton-Synchrotrons, in: Physikertagung Innsbruck, Hauptvorträge, 1954,16-36;  (mit D. Heinze) Dämpfungs- u. Beugungseigenschaften eines tiefes Metallspaltes, I, II, in: Zs. für Physik 142, 1955, 133-144, 145-160; (mit R. Bock u.a.) Ein Frequenz-Zyklotron mit einem Dee, in: Zs. für angewandte Physik 10, 1958, 49-55; (mit H.-D Betz u.a.) The average charge of stripped heavy ions, in: Physics letters 22, 1966, 643f.; (mit N. Angert u.a.) D. Elektroneneinfang von Jod-Ionen zwischen 19 u. 55 MeV, ebd., 27A, 1968, 28f.; (mit T. Hänsch u. a.) Interaction of laser light waves by dynamic Stark splitting, in: Zs. für Physik 226, 1969,293-296; (mit N. Angert) Der UNILAC, ein Linearbeschleuniger mit variabler Endenergie für Atomionen beliebiger Masse, in. Kerntechnik 11, 1969, 690-695; Linear accelerators for heavy ions, in: IEEE Transactions on Nuclear Science 16, No. 3, 1969, 788-790; Special problems in heavy ion acceleration, in: P. M. Lapostolle: A. L Septier (Eds.), Linear Accelerators, 1970, 1029-1045; (mit D. Böhne), Existing and proposal heavy ion linear accelerators, ebd., 1047-1071; (mit N. Angert u. a.) Chargechange cross sections of highly charged 5 ? 50 MeV Iodine ions, in: IEEE Transactions on Nuclear Science 19, No. 2, 1972, 263-265; Heavy Ion Accelerators, in: Proceedings of the International Conference on Reactions between Complex Nuclei, 1974, Vol. II (Invited papers), 585-602; (mit K. Blasche u. a.) Überlegungen zur Physik d. Kernmaterie unter extremen Bedingungen u. zu einem Beschleuniger für relativistische schwere Ionen, 1977 (GSI-Bericht P 2-77).

 

L  Poggendorffs Biographisch-literarisches Handwörterbuch VIIa, Teil 4, 1961, 142, VIII, Teil 3, 2004, 2135; N. Angert, S., in: NDB 23, 2007, 129f.; Alfred Lindner, Geschichte d. Stammreihen des vogtländischen Geschlechtes S. insbesondere des Hauses Michael S. Werdau, 1939, S. 163-168;  Karsten Prüß, Kernforschungspolitik in d. Bundesrepublik Deutschland, 1974, insb. S. 149-154; G. zu Putlitz, C. S. 65 Jahre alt, in: Ruperto Carola 25, H. 53, 1974, 102f.; H. Angert, C. S. 70 Jahre, ebd. 31, H. 62/63, 1979, 107; Anonym, Zum 75. Geburtstag von C. C. S., ebd., 35, H. 69, 1983, 287; C. Habfast, Großforschung mit kleinen Teilchen: Das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY 1956-1970, 1989, 8f., 22, 28, 99-101, 259; Wolfgang D. Müller, Geschichte d. Kernenergie in d. Bundesrepublik Deutschland, 1990, 306-313; P. Brix, C. S. wurde 80 Jahre alt, Ruperto Carola 42, H. 81, 1990, 112; S. Buchhaupt, Die Gesellschaft für Schwerionenforschung. Geschichte einer Großforschungseinrichtung für Grundlagenforschung, 1995, 40f., 110-127, 138f.,153-160, 228-249; U. Schmidt-Rohr, Erinnerungen an die Vorgeschichte u. die Gründerjahre des Max-Planck-Instituts für Kernphysik, 1996, 65f., 79-81, 85, 88, 176-178; Derselbe, Die Aufbaujahre des Max-Planck-Instituts für Kernphysik, 1998, 16f., 64; Derselbe, Die Deutschen Teilbeschleuniger von den 30er Jahren bis zum Ende des Jahrhunderts, 2001, 40f., 92-98, 108f.; G. zu Putlitz, C. C. S.+, in: Jahrbuch d. Heidelberger Akademie d. Wissenschaften für 2001, 170-172 (B); Anonym, C. S. 1908-2001, in: CERN Courier, 30 Aug. 2001, Faces and Places, page 5; U. Schmidt-Rohr, Die Deutschen Kernphysikalischen Laboratorien II, 2005, 52f.; 200f.;  http://www.gsi.de/informationen/verein-tuthe/schmelzer-preis_e.html (2007); D. Drüll, Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933-1986 (2009), 541f..

 

B UA Heidelberg: Pos I, 02736, 02737, 02738, 07817; Lindner, 1939, 167 (vgl. L);  Physik in unserer Zeit 9, 1978, Nr. 5, 133;O. M. Marx, A. Moses (Hg.), Emeriti erinnern sich, Bd. 2, 1994, 177; 50 Jahre Max-Planck-Gesellschaft, 1998, Bd. II, 272; http://images.iop.org/objects/ccr/cern/41/7/18/cernpeo21_9-01.jpg; G. zu Pulitz, 2001, 170 (vgl. L); U. Schmidt-Rohr, 2001, 234 (Gruppenphoto) (vgl. L); C. Habfast, 1989, 187; (Gruppenphoto) (vgl. L); W. D. Müller, 1990, 312 (Gruppenphoto) (vgl. L).

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