Scheer, Kurt (1920-1985), Nuklearmediziner

Category: Kurzbiografien Published: Monday, 05 May 2014 Written by Daniel

Scheer, Kurt Ernst Johannes, Nuklearmediziner

*4.09.1920. Frankfurt/M. ev. + 3.09.1985.Heidelberg

 

V  Kurt Walter S. (1888-1963), Kinderarzt, ab 1927 - apl. Prof. für Pädiatrie an d. Univ. Frankfurt/M.

M  Johanna Maria, geb. Kiefer (1900-1982).

G  Eva Maria Charlotte, verh. Fehsenbecker, verh. Jahn-Fehsenbecker (1922-1996), Dr. rer. polit., Journalistin, Kunstkritikerin, Stadträtin in Mannheim.

∞ 14.04.1951 Heidelberg Gisela Pogascar, geb. Erdelen (*1923).

Gregor-Michael (adoptierter Stiefsohn) (1949-2008), Andrea Eva (1952-1967).

 

1930 IV - 1938 III                   Besuch und Abschluss des Lessing-Gymnasiums in Frankfurt/M (1933/34 des Gymnasiums in Vevey, Schweiz)

1938 IV - X                            Reichsarbeitsdienst

1938 XI - 1945 V                   Wehrdienst, teilweise mit Beurlaubung für  Medizinstudium

1941 - 1947                           Studium Medizin an den Univ. Frankfurt/M (WS 1941/42), Halle (SS 1942 ? WS 1944/45) u. Heidelberg (WS 1945/46 ? WS 1946/47)

1947 VII 19                             Ärztliche Prüfung vor dem Prüfungsausschuss in Heidelberg mit dem Urteil "Sehr gut"

1947 VIII - 1948 VI                Volontärassistent am Physiologischen Institut d. Univ. Heidelberg

1948 III 19                              Promotion zum Dr. med. mit dem Urteil "Sehr gut"; Diss.: "Topographische Untersuchungen über die Hautatmung"

1948 VII - 1962 V                  Assistent (bis 1949 II Volontärassistent, 1949 III - 1955 X - Vertragsassistent, dann wiss. Assistent) am Czerny-Krankenhaus für Strahlenbehandlung, ab 1958 X - Oberarzt.

1958 VII                                  Habilitation für das Fach "Medizinische Strahlenkunde"; H.-schrift: "Die Organverteilung d. radioaktiven Substanz nach interstitieller Injektion als Suspension schwerlöslicher Kristalle"; Probevortrag u. Kolloquium über "Funktionsprüfungen d. Schilddrüse mit Radiojod" 31.07.1958; Antrittsvorlesung "Die Entwicklung d. Nuklear-Medizin" 7.11.1958

1962 V - 1964 VI                   Vorsteher d. Nuklearmedizinischen Abteilung des Czerny-Krankenhauses

1962 V                                    Apl. Professor d. Med. Fak.

1964 VI - 1982 VI                  O. Prof. für Nuklearmedizin u. gleichzeitig Direktor des Instituts für Nuklearmedizin des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (DKFZ)

1968 I - 1969 XII                    Vorsitzender des Direktoriums des DKFZ

1970 X - 1972 IX                   Direktor d. Abteilung "Life Sciences" bei d. Internationalen Atomenergie Organisation in Wien (in dieser Zeit von den Posten in Heidelberg beurlaubt)

1978 I - 1980 I                       Vorsitzender des Wissenschaftlichen Stiftungsvorstands des DKFZ

 

 

Ehrungen: Ehrenprofessor d. Kath. Universität Seoul (1974); Georg von Hevesy-Medaille d. Society of Nuclear Medicine (1980).

 

S. wurde als erstes Kind des angesehenen Frankfurter Kinderarztes Kurt Walter S. geboren. Nach der Volksschule besuchte er bis zum Abschluss das humanistische Lessing-Gymnasium. Das Schuljahr 1934/35 verbrachte er am Collège in Vevey am Genfer See, Schweiz, um Französisch zu lernen. Bereits als Gymnasiast zeigte S. leidenschaftliche Neigung zum Basteln und Experimentieren in Chemie und Physik. Sein Vater unterstützte dieses frühe Interesse für naturwissenschaftliches Arbeiten und unterrichtete den Jungen in Physik, Chemie und Biologie.

S.s Reifezeugnis (UA Heidelberg, Nachlass S.) spiegelt seine Disposition wider: Für die naturwissenschaftlichen Fächer (und auch für Französisch und Musik) bekam der Abiturient "gut", aber in allen anderen Fächern hatte er nur "genügend". S. "will Chemie studieren", steht am Ende des Zeugnisses.

Äußere Umstände zwangen ihn jedoch anders zu handeln. Nach dem Abitur musste S. zunächst "Reichsarbeitsdienst" und dann Wehrdienst leisten, in dem er im Juni 1941 nach Russland als Frontsoldat eingesetzt wurde. Als man ihm im Dezember 1941 einen Urlaub für das Studium gewährt hatte, war S. klar, dass unter den damaligen Bedingungen nur ein Medizinstudium möglich war, denn ein Soldat allein dafür beurlaubt werden durfte. Nach einem Semester in Frankfurt konnte S. "als Angehöriger der Studentenkompanie Halle" sein Studium an der dortigen Universität fortsetzen (UA Heidelberg, PA 9461).

Im "Zeugnis", das S. von dem Professor für Anatomie und Physiologie der Haustiere, Ulrich Gerhardt (1875-1960), und dessen Frau im April 1943 erhielt, - S. logierte bei ihnen - steht u.a.: "Angewandte Chemie: das Unterscheidungsvermögen für Weinsorten und ihre Qualität ist sehr gut. Die Leistungen in der Produktion französischer Apéritifs (Pernod) müssen noch verbessert werden....Handfertigkeit: sehr gut; im Ofenheizen, in der Herstellung elektrotechnischer und sonstiger Geräte, besonders im Auseinandernehmen komplizierter Apparate sogar ausgezeichnet" (UA Heidelberg, Nachlass S.).

Übrigens hatte S. in Halle die Vorprüfung nicht nur in Medizin, sondern auch in Chemie abgelegt. Nach vollständig bestandener ärztlicher Vorprüfung verbrachte S. 11 Wochen im Lazarett Glachau(Sachsen), wo er an der Inneren Abteilung als Famulus tätig war und sich "mit großem Fleiß und Verständnis", so im Zeugnis des Lazaretts, "mit allen einschlägigen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden am Krankenbett, im Laboratorium und in der Röntgenabteilung vertraut gemacht [hat]". (UA Heidelberg, Nachlass S.).

Nach dem Zusammenbruch kam S. bereits im Mai 1945 nach Heidelberg. Auf die Immatrikulation an der noch nicht wieder eröffneten Universität wartend, war er als Hilfskraft am Physiologischen Institut tätig. Die Zulassung zum Studium folgte Anfang Dezember 1945. Im Juli 1947 bestand S. das ärztliche Staatsexamen und begann nun als Volontärassistent des Physiologischen Instituts seine Doktorarbeit. Der damalige stellvertretende Leiter des Instituts, Dozent Karl-Ernst Schäfer (1912-1981), regte S. an, ein Thema über Hautatmung zu bearbeiten. Hier nutzte S. sehr effektiv und erfinderisch seine chemischen und technischen Kenntnisse und Handfertigkeiten, insbesondere, um  ein hochempfindliches Gerät zur Kohlensäureanalyse zu entwickeln und konnte damit interessante Ergebnisse über Gesetzmäßigkeiten des topographischen Verhaltens der Hautatmung finden. Seine Dissertation wurde mit "sehr gut" bewertet.

Auffallende Fähigkeiten S.s veranlassten den Direktor des Czerny-Krankenhauses (Strahlenklinik), Josef Becker (s. dort), ihm anzubieten, eine neue Abteilung in seiner Klinik einzurichten, und zwar für "Isotopen-Medizin", wie damals Anwendungen von künstlichen radioaktiven Elementen in der Medizin genannt wurden, woraus die Nuklearmedizin entstand. "Im Jahre 1948, - erinnert sich S., - als die amerikanisch besetzte Zone gerade aus den Trümmern des Krieges erstand, war ein solches Angebot an einen junger Mediziner, der vor wenigen Wochen promoviert hatte, eine Chance, die ich begeistert ergriffen habe" (UA Heidelberg, Nachlass S.). So begann S. diese faszinierende Aufgabe mit ungeheurem Einsatz, er arbeitete wie ein Besessener, oft Tag und Nacht. Dank der Unterstützung von Becker konnte er mit der Lizenz Nr. 3 der damaligen Militärregierung die ersten Radioisotope aus England beziehen. Meß- und Bestrahlungsgeräte tüftelte er selbst aus Altmaterial und ausrangierten Beständen der amerikanischen Armee: In den ersten Nachkriegsjahren gab es keinen anderen Weg, Neues zu schaffen. Ab 1950 folgte eine originelle Arbeit S.s der anderen, während zehn  Jahre erschienen 57 Veröffentlichungen von ihm. So entwickelte S. die Kontakttherapie mit radioaktiven Kobalt-Perlen zur Strahlenbehandlung mehrerer Formen von Karzinomen; er stellte Radiokobalt auch als plastisches Präparat her, was Behandlungsmöglichkeiten erweiterte. Später  erarbeitete S. die Oberflächentherapie mit Radiostrontium für die Dermatologie. Ferner führte S. autoradiographische Untersuchungen über die Organverteilung von Radionukliden durch. Dies wurde dann Gegenstand seiner Habilitationsschrift, die er im Frühjahr 1958 der Fakultät vorlegte. Der Referent J. Becker bezeichnete diese Arbeit als "eine Pionierleistung auf dem Gebiet der Methodik der Therapie mit Radioisotopen". Der Koreferent K. G. Zimmer (s. dort) meinte: "Den in Planung, Durchführung und Diskussion vorbildlichen Untersuchungen sowie deren Ergebnissen kommt eine große praktische Bedeutung zu, sie zeigen auch die Richtung weiterer Untersuchungen auf diesem Forschungsgebiet" (UA Heidelberg, PA 9461).

Als Privatdozent und später als Professor las S. wenig, meistens nur eine Stunde wöchentlich über "Radioaktive Isotope in der Medizin"; der Schwerpunkt seiner Arbeit lag bei den Forschungen. Charakteristisch für S. war die enge Verbindung seiner Forschungen mit der Klinik.

In der Strahlenklinik wurde S. bald die rechte Hand seines Chefs und nicht nur in der Forschungsarbeit. S. "ist für den Klinikbetrieb im Czerny-Krankenhaus unentbehrlich", wiederholte Becker in jedem seiner Gesuche um "Verlängerung der Verwendungsdauer" S.s als Vertragsassistent (UA Heidelberg, PA 9125). S. war insbesondere für die Erstellung des Haushalts und für die Beschaffungen verantwortlich, sowie - dank guter Menschenkenntnis und Gespürs - für die Personalverwaltung der gesamten Klinik zuständig. Nach der Habilitation wurde S. zum Oberarzt befördert.

                               

Das Hauptgebiet der medizinischen Verwendung von Radioisotopen ist die Onkologie. Deswegen wurde bei der Planung der Errichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg entschieden, eine nuklearmedizinische Abteilung einzubeziehen. Im Juli 1962 schlug die Kommission der Sachverständigen vor, S. als besten Kandidaten für die Leitung der Nuklearmedizin beim DKFZ zu benennen. Bald wurden Personalunionen für die Leitungen von Instituten des DKFZ mit den einschlägigen Lehrstühlen der Ruperto Carola durchgesetzt. Dementsprechend erteilte das Kultusministerium S. am 1. Februar 1963 den Ruf auf das erste Ordinariat für Nuklearmedizin in der BRD.

S. unterschrieb die Annahme des Rufs erst nach 13 Monaten, nachdem er nach langen Verhandlungen und Briefwechseln überzeugt war, dass im DKFZ bei der Organisation des Direktoriums keine "Abkehr vom demokratischen Kollegialitätsprinzip" mehr zugelassen wurde (UA Heidelberg, PA 9461).

Nun begann S., das neue Institut von Grund auf zu planen. Dabei sammelte er um sich einen interdisziplinären Mitarbeiterstab von Medizinern, Physikern, Chemikern und Ingenieuren. Zusammen mit seinem engsten Schüler und späteren Nachfolger Walter J. Lorenz (*1932) entwickelte er ein Grundkonzept für den ersten medizinisch-biologischen Forschungsreaktor in Deutschland. Da für die Tumordiagnostik die kurzlebigen Radionuklide von besonderer Bedeutung sind, wurde entschieden, sie direkt im Institut zu produzieren. Der Reaktor wurde im Oktober 1966 im Betrieb genommen.

Viel Mühe kostete es S., die Errichtung einer klinischen Abteilung mit 22 Betten direkt im Institut für Nuklearmedizin durchzusetzen. (J. Becker hatte vorgeschlagen, 12 Betten im Czerny-Krankenhaus S. zu reservieren, und man wollte, um Raum zu sparen, diesem Vorschlag folgen). S. aber verlangte, dass die Bettenstation nicht fern von der Produktion der Radionuklide sein durfe. "Eine eigene Bettenstation ist die entscheidende Voraussetzung, um unsere Versuche, eine zuverlässige und frühzeitige Erkennung und Behandlung von Tumoren und Metastasen zu erreichen, klinisch zu erproben", schrieb er 1970 (UA Heidelberg, Nachlass S.)

 

Im Juni 1970 erhielt S., der nun bereits eine weltweite Anerkennung in Fachkreisen genoss, den ehrenvollen Vorschlag, den Posten des Direktors von "Life Science Division" der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO) in Wien für zwei Jahre zu übernehmen. Das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft betrachtete diesen Ruf  nicht nur als persönliche Anerkennung für S., sondern als "allgemein eine internationale Würdigung der Leistungen, die in der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie und hier besonders in der Nuklearmedizin erbracht werden" (UA Heidelberg, PA 9125) und unterstützte die Beurlaubung S.s für die verlangte Zeit. So verbrachten die S.s zwei Jahre in Wien. Die Tätigkeit S.s in der IAEO war vor Allem auf die Förderung der Nuklearmedizin in Entwicklungsländern gerichtet, so in Mexiko, Süd-Korea und Tansania. Der Antrag aus Wien, die Beurlaubung S. an die IAEO um ein Jahr zu verlängern, wurde durch das Direktorium des DKFZ abgelehnt. Später veranstaltete die IAEO, anlässlich des 60. Geburtstags S.s im Jahre 1980, in Würdigung seiner Verdienste, ihr 6. Internationales Symposium "Medical Radionuklide Imaging" in Heidelberg.

S. kam Anfang Oktober 1972 nach Heidelberg zurück, kurz nach der Einweihung der Endbaustufe des DKFZ.  Gleichzeitig folgte ein wichtiges Zeichen der Anerkennung des S.s Instituts: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wählte es als erstes Internationales Referenzzentrum der Welt für Nuklearmedizin aus.

Nach den vorhandenen Aussagen war S. ein hervorragender Leiter und Lehrer. Einerseits konnte er dank seiner vorzüglichen Intuition begabte, fähige Mitarbeiter finden, denen er Aufgaben und Verantwortung zu delegieren verstand. Dabei blieb er selbst stets sehr hilfsbereit. "Er half jederzeit und bei schwierigsten Problemen. Seine Lösungsvorschläge waren oft unkonventionell, aber immer wirkungsvoll" (Lorenz, Gedenkansprache, UA Heidelberg, Nachlass S.). Andererseits "spiegelte er eine gute Idee des Anderen ohne Neid, ja mit Bewunderung im Glanz seiner freudigen Augen zurück" (Rapp, 1997, UA Heidelberg, Nachlass S.). Eine solche positive, anerkennende Reaktion wirkte immer begeisternd und stimulierend. Dazu war S. im Umgang mit Mitarbeitern so einfach und direkt, dass man immer den Eindruck von echtem "Wir-Gefühl" hatte. So entstanden in dieser günstigen Arbeitsatmosphäre des Instituts 54 Dissertationen und 6 Habilitationsarbeiten; 10 weitere Habilitationen folgten in Zusammenarbeit von Kliniken mit seinem Institut. Zu den bedeutendsten Arbeiten des Instituts, die S. angeregt und gefördert hat, gehören insbesondere die quantitative Lokalisations- und Funktionsdiagnostik mit Kamerasystemen, die Thorotraststudie (Thorotrast ist kolloidales Thoriumdioxid, dessen Anwendung strittig war), der Einsatz von schnellen Neutronen in der Tumortherapie und die interstitielle Therapie von Hirntumoren.

Etwa 250 Veröffentlichungen S.s, die verschiedenen Aspekten der Nuklearmedizin gewidmet sind, spiegeln sein Lebenswerk aber nur teilweise wider: Der Aufbau der Nuklearmedizin bedingte eine breit angelegte lehrende, erklärende und organisatorische Tätigkeit.

Seine organisatorische Fähigkeit  erbrachte insbesondere 1962 die Gründung  der "Gesellschaft für Nuklearmedizin" in Freiburg, was bei den damaligen Umständen viel diplomatisches Geschick verlangte. Die Gesellschaft erweiterte sich allmählich zur "Gesellschaft für Nuklearmedizin Europa", seit 1985: European Association of Nuclear Medicine. S. war einer der ersten Präsidenten der Gesellschaft und er führte als solcher die Jahrestagung 1966 in Heidelberg durch.

S. kommt auch das Verdienst zu, durch viele Fortbildungen, insbesondere in Heidelberg, den Ärzten die Nuklearmedizin nahe gebracht zu haben. Für die niedergelassenen Ärzte war seine ständige Hilfsbereitschaft besonders wertvoll: Die Fragen des Strahlenschutzes und des Umgangs mit offenen Radionukliden wurden am häufigsten gestellt. Als Fachgutachter im Weiterbildungsausschuss der Bezirksärztekammer Nordbaden hat S. viele Jahre lang Weiterbildungsrichtlinien für das Gebiet Nuklearmedizin maßgeblich geprägt. Als Aufklärungsarbeit können auch zahlreiche, fast jährliche Vortragsreisen S.s genannt werden, von London bis Tokio und von Moskau bis Rio de Janeiro, über Deutschland ganz zu schweigen.

 

Als Mensch stellte S. eine markante, leidenschaftliche, vielseitige Persönlichkeit dar, er "hat ungewöhnlich intensiv gelebt". (Lorenz, Gedenkansprache, UA Heidelberg, Nachlass S.). S. liebte Musik, war ein geschickter Gärtner, betrieb intensiv Segelsport und besaß die zehn Meter lange Yacht "Skorpion". Bald nach Kriegsende bastelte er sich aus Autoschrott sein erstes Auto. Später war er leidenschaftlicher Autofahrer, der nicht nur einmal für sein rasantes Fahren gestraft wurde. Lebensfreudig verfolgte er gesetzte Ziele mit großer Hartnäckigkeit, was ihm auch Gegner schuf.

1982 ging S. frühzeitig in Ruhestand. Einen Anlass gab seine Kontroverse mit dem neuen Stiftungsvorstand, dessen autoritären Führungsstil er nicht annehmen wollte. Dazu kam eine Verschlechterung seiner Gesundheit, offensichtlich wegen der langjährigen intensiven, gelegentlich sogar riskanten Arbeit mit Radioaktivität. S. starb im Krankenhaus nach kurzem Leiden am Vorabend seines 65. Geburtstags.

 

Q UA Halle: Matrikelschein S.s; UA Heidelberg: Studentenakte S.; PA 9029, PA 9125, PA 9461 (Personalakten S.); Acc 11/10 (Nachlass S., noch nicht beschrieben u. systematisiert); H-III-024/3, H-III-079/1, H-III-079/3 (Akten d. Med. Fak. über DKFZ); Auskünfte des StadtA Frankfurt/M vom 13.04.2012, des UA Frankfurt/M vom 10.04.2012, des StadtA Mannheim vom 17.04.2012, des UA Halle vom 19.04.2012.

 

W  Die Verteilung d. radioaktiven Substanz nach intravenöser Zufuhr von Peteosthor, in: Ärztliche Forschung 4, 1950, I/-161-I/164; (mit K. Werner) Anwendung von radioaktivem Jod (J131) in d. Tumordiagnostik, in: Deutsche med. Wochenschrift 77, 1952, 541f.; (mit J. Becker) Ein neues therapeutisches Anwendungsprinzip radioaktiver Isotope in geschlossenen elastischen Applikatoren, in: Strahlentherapie 90, 1953, 546-552; (mit J. Becker) Die Internationale Genfer Atomenergie-Konferenz in ärztlicher Sicht, ebd., 80, 1955, 1545-1547; (mit J. Becker) Die radioaktiven Isotope in d. Geburtshilfe u. Gynäkologie, 1956; (mit J. Becker) Betatron u. Telekobalttherapie (Hg.), 1958; (mit J. Becker) Nutzen u. Schaden d. Anwendung radioaktiver Isotope in d. Medizin, in: Medizinische Klinik 53, 1958, 1203-1208; Nutzen u. Schaden d. Strahlungsenergie für das menschliche Leben, in: D. Weltenraum in Menschenhand, 1959, 28-37; (mit J. Becker) Die Hypophysenausschaltung bei fortgeschrittenem Karzinom, in: Strahlentherapie, Sonderbände 43, 1959, 130-136; Strahlenklinik u. Strahlenbiologie, ebd., 46, 1960, 180-185; Geräte u. Merkmale in: J. Becker, G. Schubert (Hg.) Die Supervolttherapie, 1961, 45-69; Methoden d. Bestrahlung mit schweren Partikeln, ebd., 236-244; (mit Fr. Gudden u. M. Bekerus) Gesichtspunkte zur Wahl d. Radioisotope für die radiologische Hypophysenausschaltung, in: Nuclear-Medizin 1, 1961, 91-100; (mit K. zum Winkel u. G. Schütterle) Die Isotopen-Nephrographie in d. Diagnostik d. Nierenkrankheiten, in: Deutsche med. Wochenschrift 86, 1961, 1751-1761; (mit K. zum Winkel u. I. Kazem) Studies of radioisotope-nephrography in patients with abdominal tumours, in: The British Journal of Radiology 34, 1961, 241-245; Die szintigraphische Darstellung d. Niere, in: Bulletin d. Schweizerischen Akad. d. Medizinischen Wissenschaften 19, 1963, 114-122; Die Behandlung maligner Ergüsse mit Radioisotopen, in: Strahlentherapie, Sonderbände 56, 1964, 301-307; (mit G. Hoffmann) Radionuklide in d. klinischen u. experimentellen Onkologie (Hg.), 1965; Das Institut für Nuklearmedizin des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, in: Strahlentherapie 168, 1965, 185-198; (mit G. Hoffmann) Radioisotope in d. Lokalisationsdiagnostik (Hg.), 1967; (mit W. J. Lorenz u. O. Krause) D. TRIGA-Reaktor des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, ebd., 479-492; Radioisotope in d. Tumordiagnostik, in: Deutsches Med. Journal 17, 1966, 685-690; Nuklearmedizin, in: J. Becker (Hg.) Klinische Radiologie, 1968, 463-508; The use of short-lived isotopes in medical diagnosis, in: The British Journal of Radiology 42, 1969, 641-650; Einführung, in: U. Feine, K. zum Winkel, Nuklearmedizin. Szintigraphische Diagnostik, 1969, X-XII; Prof. Dr. Dr. h.c. J. Becker, 65 Jahre, in: Nuclear-Medizin, 9, 1970, 101f.; Möglichkeiten u. Aussichten einer Strahlentherapie mit dicht ionisierenden Teilchen u. Neutronen, in: Strahlentherapie 148, 1974, 440-446; (mit K.-H. Höver) Neutronentherapieanlagen im Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, in: Atomkernenergie 27, 1976, 155-157; (mit V. Sturm u.a.) Intrakavitäre Kontaktbestrahlung von zystischen Kraniopharyngeomen durch stereotaktisch applizierendes Y-90, in: Strahlentherapie Sonderbände 76,1981, 113-118; Hg.d. Zeitschrift ?Nuclear-Medizin? (1961-1982);.Mithg.: Int. Journal of Nuclear Medicine and Biology; European Journal of Nuclear Medicine

 

L  Herbert Gawliczek. Report über die Institute, Kliniken u. Abteilungen d. Univ. Heidelberg, 1967, 181f.; DKFZ: Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, Festschrift, 1972, 21, 76-83; W. J. Lorenz, K. E. S. +, in: Ruperto Carola 38, H. 74, 1986, 296f.; W. J. Lorenz, Prof. K. S. +, in: Radiobiologia, radiotherapia 27, 1986, 491f. (B); G. Wagner, A. Mauerberger, Krebsforschung in Deutschland: Vorgeschichte u. Geschichte des Deutschen Krebsforschungszentrums, 1989, 96, 132, 138, 180, 192, 218; D. Drüll, Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933-1986, 2009, 524f..

 

B  UA Heidelberg, Pos I, Nr. 02692 u. 02693; Im Studentenbuch S. (Nachlass S); Selecta: Das Wochenmagazin des Arztes 10, 1968, 87; Rhein-Neckar-Zeitung, 23.07. 1964, Nr. 167, S. 6; Heidelberger Tageblatt,  Serie Werkstätten des Geistes, Jg. 5, 1970, Nr. 22; Gawliczek,1967, zw. S. 7 u.9; Gruppenphotos in: DFKZ, 1972 bei d. S. 17 (1964), bei d. S. 24 (1969);  Wagner, Mauerberger, 1989, 107 (1964), 116 (1966), 125 (1967) Vgl. L.

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