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Gross, Franz (1913-1984), Pharmakologe

Category: Kurzbiografien Published: Monday, 05 May 2014 Written by Daniel

Gross Franz Heinrich, Pharmakologe

14.02.1913 Leipzig. Ev..+ 26.03.1984 Binningen (Schweiz).

Otto G. (1881-1916), Schauspieler

M  Stella Maria David (1883-1950), Schauspielerin

G keine

∞ 8.11.1941 Leipzig, Leopoldine Ida Margarete Liselotte Adomeit (1913-2008)

3: Maria Stella (*1942) verh. SumserFranziska Elisabeth (*1952) verh. Gross-BirbaumerVeronika Susanne (*1954) verh. Gross-Spinosi.

 

1919 – 1923                 Besuch d. Primärschule in Leipzig

1923 – 1932                  Besuch des Königin-Carola-Gymnasiums in Leipzig (bis Ende 1923) u. des König-Georg-Gymnasiums in Dresden; Abitur Ostern 1932

1932 – 1937                  Studium Biologie: SS 1932 TH Dresden (Physik, Chemie,  Zoologie, Botanik), dann Medizin: Univ. Leipzig (WS 1932/33-WS 1934/35, SS1936-SS 1937); Univ. Berlin (SS 1935-WS 1935/36), 14.10.1937 medizinisches Staatsexamen in Leipzig mit d. Note „sehr gut“

1938 I 28                      Promotion in Leipzig summa cum laude zum Dr. med.; Diss.: „Über die Reduktionszeit des Blutes“

1939 IV – 1940 I           Volontärarzt an d. Universitätsklinik Leipzig

1940 I – 1945 V            Kriegsdienst als Arzt, ab April 1943 Stabsarzt d. Luftwaffe in Leipzig

1945 VIII – 1946 VIII     Assistent am Physiologischen Institut d. Univ. Bern, Schweiz

1946 VIII – 1968 III       Arbeit bei d. Ciba AG, Basel: Zunächst als „Biologe“, ab April 1951 Vizedirektor, ab Januar 1953 Stellvertretender Direktor der Klinischen  Forschung des Pharma-Departements.

1957 VI – 1958 IX         Habilitation für Physiologie an d. Univ. Bern; H.-schrift: „Pathologische Veränderungen durch chronische Überdosierung von Corticoiden“ (nicht  publiziertes                Manuskript); Probevorlesung „Die Steuerung d. Sekretion 

                                     von Aldosteron“.

1965 V                          Honorar-Professor d. Univ. Bern

1968 IV – 1983 III         o. Prof. d. Pharmakologie u. Direktor des Pharmakologischen Instituts an d. Univ. Heidelberg, SS1981- WS 1982/83 Vertreter seines Lehrstuhls

1974                         Gründung d. „Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen    

                                  Blutdruckes e. V.“ (Heute „Deutsche Hochdruckliga e. V.“)

 

Ehrungen: Stouffer Award for Research in Hypertension (1969); Fellow American College of Physicians (1971); President of International Society of Hypertension (1970-1976); Mitglied d. Heidelberger Akad. d. Wiss. (1974); Leiter d. Symposien über “Clinical Pharmacological Evaluation in Drug Control” d. Europäischen Region d. World Health Organization (1972-1978); Generalsekretär d. Internationalen Union d. Pharmakologie (1975-1981); Präsident d. Internationalen Gesellschaft für Endokrinologie (1972-1976); Präsident d. Deutschen Gesellschaft für Kreislaufforschung (1976-1977); Vorsitzender d. Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes e.V. (1974-1983).

 

 

G. wurde in Leipzig geboren und verbrachte die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens in Sachsen. Bis 1945 war Sachsen seine Heimat, obwohl keiner seiner Vorfahren diesem Land entstammte. Seine Mutter kam aus Leimeritz in Österreichisch Böhmen, sie wurde Schauspielerin. Sein Vater, geborener Basler, studierte dort Zoologie, promovierte zum Dr. phil., aber statt der vorgesehenen Laufbahn als Gymnasiallehrer wurde er Schauspieler und ging nach Deutschland. Er starb, als G. erst drei Jahre alt war, so dass der Knabe als einziges Kind seiner Mutter aufwuchs.

Nach der Grundschule erlebte G. einen „schwierigen Beginn“ (G. 1974, Antrittsrede, 120) am humanistischen Königin-Carola-Gymnasium in Leipzig, das streng traditionell betrieben wurde. Zu seinem Glück erhielt  seine Mutter 1923 einen Ruf an das Staatstheater in Dresden, und G. kam in das 1903 gegründete König-Georg-Gymnasium – die erste humanistische Reformschule Sachsens. „Ich verdanke dieser Schule und einzelnen ihrer Lehrer sehr Viel“, insbesondere die „Abwehr gegen den immer stärker vordrängenden nationalsozialistischen Ungeist“, erinnerte sich G. (ebd., 121).

Die Schule gab ihm auch die Anregung zur Beschäftigung mit Biologie (Aus dem Jahresbericht des Gymnasiums für 1930/31 ist zu sehen, dass G. der naturwissenschaftlichen Abteilung der realistischen Oberprima gehörte). So, nach dem Abitur; begann G. sein Studium an der TH Dresden, wo er an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Abteilung Physik, Chemie, Botanik und Zoologie hörte. Nach einigem Schwanken entschied G. jedoch, eher aus praktischen Erwägungen, Medizin zu studieren und wechselte nach Leipzig, wo er sein Physikum ablegte. Nach den klinischen Semestern in Berlin und Leipzig bestand G. Ende 1937 das medizinische Staatsexamen mit der Note „sehr gut“.

In die letzten Leipziger Studienjahren fällt die Begegnung G.‘s mit dem bedeutenden Internisten und Forscher Karl Matthes (1905-1962). Obwohl habilitiert, erhielt Matthes im Dritten Reich, wegen seiner halbjüdischen Ehefrau; keine Venia legendi und arbeitete im Laboratorium der Universitätsklinik. Matthes hatte G. in die wissenschaftliche Arbeit eingeführt und wurde nicht nur sein tatsächlicher Doktorvater, sondern auch Vorbild als Wissenschaftler und Mensch. Nach der Promotion arbeitete G. unter Anleitung von Matthes und führte gemeinsam mit ihm eine Reihe Untersuchungen durch, insbesondere – in zahlreichen Selbstversuchen – über den Einfluss von Medikamenten auf Atmung und Kreislauf. Die Ergebnisse wurden in 15 Artikeln publiziert.

Die Freundschaft mit Matthes bewahrte G. bis zu dessen Tod, er nahm auch am 16. Januar 1963 an der Gedenk-Tagung der Medizinischen Fakultät Heidelberg zum 60. Geburtstag Matthes‘ als erster Vortragender teil.

 

G.s‘ Pläne für eigene Forschungen in Leipzig wurden durch den Krieg zunichte gemacht, auch wenn er sich  als Arzt der Luftwaffe bei den fliegerärztlichen Untersuchungsstellen meistens in Leipzig befand. Zum Ende des Kriegs wurde G.‘s Haus in Dresden mit aller Habe zerstört. Als Leipzig, nach Abzug der Amerikaner, unter russische Besatzung kam, suchte G., zusammen mit seiner Mutter, Zuflucht in der Schweiz, derer Staatsangehörigkeit er von seinem Vater geerbt hatte. (Vermutlich befand sich seine Familie bereits dort).

G. fand Aufnahme am sog. Hallerianum, d. h. am Physiologischen Institut der Universität Bern, bei Alexander von Muralt (1903-1990), einem hervorragenden Vertreter der experimentellen Physiologie. G. musste Abschied von der klinischen Medizin nehmen und sich im neuen Fach und in der neuen Umgebung zurechtfinden. Es gelang ihm. Bald konnte er einige interessante Befunde über Hormone der Nebennierenrinde erzielen, woraus er später seine Habilitationsschrift entwickelte. Von Muralt erlernte G „die weltmännische Art, Wissenschaft gleichsam auf großem Fuße zu betreiben“ (Schäfer, 1985, 101).

Die drückenden materiellen Umstände veranlassten G. jedoch, in die Industrie zu gehen. Ende Sommer 1946 trat er in die biologische Abteilung der AG Ciba („Chemische Industrie Basel“) ein. Seine Aufgabengebiete waren experimentelle Pharmakologie und klinische Führung neuer Arzneimittel. Sein Vorgesetzter war bis Herbst 1960 der ideenreiche Kliniker und Pharmakologe Rolf Meier (1897-1966), Leiter der Biologischen Abteilung. Ihm verdankte G. „zahllose Anregungen und Hinweise auf aktuelle Fragestellungen“, sowie „viele anregende Einblicke in ferner liegende Gebiete“ (G. 1974, Antrittsrede, 123). Mehrere Arbeiten publizierten Meier und G. zusammen.

G. beteiligte sich an der Entwicklung  von vielen bekannten Arzneimitteln. Es war eine besondere Periode: Die 1950er Jahre sind als „Goldene Zeit“ der Pharmaindustrie bekannt. Analgetika, blutdrucksenkende Substanzen, insbesondere Hydralazin, Diuretika „und manche anderen auch heute verwendeten Arzneimittel gingen mit durch meine Hände“ (G., 1974, Antrittsrede, 122).

Dank des Entgegenkommens seiner Firma konnte G. auch eigene Forschungen durchführen und wissenschaftliche Kontakte mit Universitäten in der Schweiz und im Ausland, sowie mit verschiedenen wissenschaftlichen Gesellschaften aufnehmen. Er nahm aktiv an verschiedenen Versammlungen und Tagungen teil und regelmäßig trug über seine Arbeiten im Schweizerischen Verein der Physiologen und Pharmakologen vor.

Besonders enge Verbindungen hatte G. zur Medizinischen Fakultät der Universität Bern. Im Juni 1957 stellte G. dort sein Gesuch um Habilitation und legte das Manuskript „Pathologische

Veränderungen durch chronische Überdosierung von Corticoiden“ als Habilitationsschrift vor. Sein Gesuch wurde durch von Muralt unterstützt. Er charakterisierte G. als „intensiven ‚Schaffer‘, mit einer über das Mittelmaß ragenden scharfen Intelligenz und sehr raschen Auffassungsgabe und großer Begeisterung für wissenschaftliche Arbeit“. Das Verfahren dauerte länger als ein Jahr. Drei Gutachten – von den Direktoren des Physiologischen, des Pharmazeutischen und des Medizinisch-chemischen Instituts – wurden verlangt. Alle drei Gutachten waren durchaus positiv. Von Muralt betonte die „große klinische Bedeutung“, den sauberen methodischen Aufbau, „die Sorgfalt, die er darauf verwendet, reproduzierbare Ergebnisse zu gewinnen und die kritische Einstellung den eigenen und fremden Ergebnissen gegenüber“. Der Pharmazieprofessor Walther Wilbrandt (1907-1979) ergänzte diese Meinung durch den Hinweis auf interessante Interpretationen der Befunde, und der Biochemiker Hans Aebli (1923-1990) wies auf das beachtliche Niveau der Schriften von G. Das Manuskript mit den Gutachten zirkulierte dann unter den Mitgliedern der Fakultät; im Mai entschied diese einstimmig, G. zur Probevorlesung zu zulassen. Diese fand Ende Juni statt und erwies sich als erfolgreich: 18 „Ja“ gegen ein einziges „Nein“. Anfang September erteilte die Erziehungskommission des Kantons Bern die Venia legendi“ an G.

Seitdem fuhr G. jede Woche nach Bern und las „mit sehr erfreulichem Erfolg“, so v. Muralt, das Kapitel über innere Sekretion der großen Physiologie-Vorlesung, sowie einige spezielle Vorlesungen. Im Februar 1964 stellte von Muralt den Antrag auf Beförderung G.s zum Honorar-Professor, da die Lehrtätigkeit von G. „für uns unentbehrlich“ ist. Wieder wurden drei Gutachten von denselben Professoren verlangt und erstellt. Im Mai 1965 erteilte die Erziehungskommission G. den Titel Honorar-Professor „auf Beginn des Wintersemesters 1965/66“.

(Alle Zitaten aus den Akten G. im UA Bern, s. Q).

 

Seine eigentlich wissenschaftliche Tätigkeit konzentrierte sich auf Forschungen über die Nebennierenrinde, besonders hinsichtlich des 1953 in den USA aufgefundenen Hormons Aldosteron, das natriumkonservierende Funktion hat. Nun machte G. eine Entdeckung, die wohl als sein bedeutendstes wissenschaftliches Ergebnis gilt, nämlich, die Zusammenhänge zwischen Aldosteron und dem Renin-Angiotensin-System der Niere, d. h. die stimulierende Wirkung des Angiotensins auf die Sekretion des Aldosteron. Seine Idee, dass das Renin-Angiotensin-System für die Regulation der Sekretion des Aldosterons verantwortlich ist, wurde 1958 in dem berühmt gewordenen Artikel „Renin und Hypertension, physiologische oder pathologische Wirkstoffe?“ publiziert. Um die entdeckten Zusammenhänge darzustellen, ersann G. ein scharfsinniges Schema, das sie graphisch anschaulich macht. Sein Artikel bildete „weltweit den Stimulus für viele Untersuchungen zur Blutdruckregulation und zur Pathogenese der renovaskulären Hypertonie, sowie die Natriumkonservierung“ (Ziegler, 2013, 37). Seine Arbeit ging bereits seit 1970er Jahren in die Literatur über die Geschichte der Pharmakologie ein. In die Schweizer Zeit G.s‘ fielen insgesamt etwa 180 seiner Veröffentlichungen.

 

Schließlich wurde die Tätigkeit in der Industrie zu aufreibend. G. musste sich viel mit Betriebs-Routine beschäftigen, so dass seine Arbeit immer mehr wissenschaftsferner wurde und er dachte daran, trotz guten Einkommens Ciba zu verlassen.

1967 wurde der Lehrstuhl für Pharmakologie an der Universität Heidelberg vakant. In der Liste der Berufungskommission stand der international anerkannte Basler Forscher, Autor von fast 200 Veröffentlichungen, an erster Stelle. Die Fakultät betonte insbesondere, dass G. „über alle Voraussetzungen verfügt, die klassische, zum Teil von der Klinik etwas ferne Pharmakologie in eine mehr kliniknahe, der gegenwärtigen Entwicklung der Medizin besser angepasste Pharmakologie zu überführen.“ (UA Heidelberg H-III-582/2).

Fast gleichzeitig erhielt G einen Ruf auch an das Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen. Obwohl die materielle Ausstattung der Max-Planck-Institute viel günstiger als der Universitätsinstitute war (und ist), entschied sich G. für Heidelberg: Ihm war es interessant und reizvoll, Nachwuchs in seinem Fach heranzuziehen. Bei den Berufungsverhandlungen stellte G. die Bedingung, das veraltete Pharmakologische Institut, das seit der Gründung (1890) baulich fast unverändert geblieben war, neu einzurichten.

Von Anfang an erarbeitete G. einen Plan der Umstrukturierung des Instituts. Er beabsichtigte vier Abteilungen – Toxikologie, Biochemische Pharmakologie, Pharmakologie körpereigener Wirkstoffe, Experimentelle Therapie – stufenweise aufzubauen, wobei die Reihenfolge „nach personellen Gegebenheiten“ sich richten sollte. Bald begann die Planung des Neubaus im Neuenheimer Feld. Das Institut bezog sich dort 1974.

G. las „Allgemeine Pharmakologie“, sowie spezielle Kurse für Fortgeschrittene; er führte  auch, zusammen mit Ellen Weber (s. dort), den Kurs über Klinische Pharmakologie ein. Die Zentralrolle gehörte aber der wissenschaftlichen Arbeit, vor Allem, der Biochemie und Pharmakologie des Bluthochdruckes – dies war der in Basel erschlossene Bereich. Das Institut wuchs – von 8 Mitarbeitern am Anfang auf 40, als G. emeritierte – und bald wurde es zu einem weltanerkannten Forschungszentrum im Gebiet der Hochdruckpharmakologie und -biochemie. Als Chef war G. gar nicht leicht, er duldete keine Mittelmäßigkeit, verlangte selbständige Leistungen, forderte die aber durch eigenen Fleiß heraus und war großzügig und für unkonventionelle Wege immer aufgeschlossen. 16 von seinen Mitarbeitern habilitierten sich, wobei 12 von ihnen Professoren wurden.

G. basierte bei seiner Tätigkeit auf seinen langjährigen Erfahrungen mit Organisation der Forschung, die er in der Industrie erworben hatte. Dazu gehörte insbesondere eine jeweils flexible, von der Aufgabe her bestimmte Zusammensetzung der Arbeitsgruppen, frei von Hierarchien. Solche moderne Organisationskultur war für die Fakultät neu, so dass sie nicht immer auf Verständnis traf. Der Ansatz G.s‘ bestand insbesondere darin, dass er von Anfang an in Heidelberg nach enger Kooperation von Fachdisziplinen strebte. Er behauptete: „Spezialisierung ist notwendig, es ist aber sinnvoll, wenn Zusammenhänge zwischen den einzelnen Fachrichtungen gewahrt bleiben und Gewähr für enge wissenschaftliche Beziehungen geboten ist“ (UA Heidelberg, H-III-582/2).

Solche Kooperation förderte G. auch in nationalen und internationalen Gremien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wo er entscheidenden Einfluss in pharmakologischen Fragen hatte.

In diesem Sinn war auch die Arbeit G.s‘ in der Schutzkommission beim Bundesminister des Innern beispielhaft. Zunächst Mitglied und Vorsitzender des Fachausschusses „Pharmakologie, Toxikologie und Körperschutz“, wirkte G. als Vorsitzender der gesamten Schutzkommission während zweier Amtsperioden, 1977-1983. Acht Ausschüsse mit insgesamt 80 Mitgliedern führten unter G. vierzig Projekte zum Zivilschutz, und seine stetige Sorge war, durch flexible Verbindungen der verschiedenen Ausschüsse, Aufgaben trotz beschränkter Mittel zu lösen.

Als Höhepunkt der organisatorischen Tätigkeit G.s‘ in seinem engeren Gebiet des Bluthochdrucks zeigte sich die Gründung der „Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes e. V.“ (heute „Deutsche Hochdruckliga e. V.“), deren Vorsitzender er seit der Gründung bis 1983 blieb.

 

Eine weitere Facette der wissenschaftlich-organisatorischen Aktivitäten G.s‘ bestand in seiner Tätigkeit als Herausgeber. Allein oder zusammen mit Kollegen gab er zwölf bedeutende Sammelbände insbesondere über Hypertonie-Therapie heraus. Von Anfang an, seit der Gründung im Jahr 1968 und bis zum Lebensende, wirkte G. als geschäftsführender Herausgeber der internationalen Zeitschrift „European Journal of Clinical Pharmacology“. Regelmäßig brachte er dort elegante redaktionelle Artikel. Darüber hinaus gehörte er zu Redaktionen weiterer Zeitschriften. Bei der Gründung immer neuer Fachzeitschriften wurde G. – fast selbstverständlich – Mitglied der Redaktionskollegien, zuletzt von neun Fachzeitschriften.

Offensichtlich war es seine wissenschaftlich-organisatorische Tätigkeit, die G. veranlasste, sich seit den 1970er Jahren mehr und mehr den übergeordneten, allgemeineren Fragestellungen zu widmen. Dazu gehörten die Regeln der Arzneimittelforschung, die Ethik des Experiments in der Pharmakologie, Aufgaben der Pharmaindustrie. G. wurde nie müde, in Wort und Tat seine allgemeine Förderung zu wiederholen: „Die Ärzteschaft, die Gesundheitsbehörden und die pharmazeutische Industrie können den vielseitigen Aufgaben, die ihnen gestellt sind, nur dann gerecht werden, wenn sie zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen“ (G., 1976, Die Arzneimittelherausforderung, 832). Von der pharmazeutischen Industrie, die man nicht ohne Gründe als „ungeliebte Industrie“ apostrophierte, verlangte G.: „Sie hat die Ärzteschaft sachlich zu informieren, und ihre Pflicht ist es, alles zu tun, um den Verbraucher vor Schädigungen zu bewahren“. „Noblesse oblige“, plädierte er (G., 1980, Die ungeliebte Industrie, 29). Dementsprechend blieb G. bis zuletzt mit der Firma, wo er mehr als zwei Jahrzehnte tätig gewesen war, als Freund und Ratgeber verbunden, er nahm stets regen Anteil an Ciba’s Anstrengungen bei der Entwicklung neuer Heilmittel.

Organisatorische Arbeit, zielgerichtet, insbesondere auf die Entwicklung der klinischen Pharmakologie in Deutschland, verlangte von G. riesige Anstrengungen, und er nahm kein Blatt vor dem Mund, wenn er die Situation seiner Disziplin erwähnte. So beendete er seine Übersicht über die Anwendung von sog. Beta-Blockern im Ausland zur Verhütung des plötzlichen Herztodes mit folgenden Worten: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein steiniger Boden für derartige randomisierte, kontrollierte, multizentrische Studien, und wir können die Ergebnisse aus Skandinavien, England oder der Vereinigten Staaten von Amerika nur mit Anerkennung und Achtung aufnehmen und unser Handeln danach richten. Die Gründe für diese Situation liegen im wesentlichen in der unzureichenden Stellung und Pflege der Epidemiologie in unserem Lande“ (G., 1982, Läßt sich…, 31).

Dies war auch ein Grund dafür, warum G. es bevorzugte auf internationalem Niveau zu wirken und auch eine Ursache, warum er im Ausland mehr Anerkennung als in Deutschland genoss. Zu seiner außerordentlichen Vitalität kam hinzu, dass er ein glänzender Redner war, sei es in  Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch, er konnte einigermaßen auch Spanisch und Japanisch. Kein Wunder, dass er ein weltweit sehr gefragter Teilnehmer zahlreicher Symposien und Tagungen war.

Ein rastloser Arbeiter, starb G. plötzlich und ganz unerwartet in seinem Haus in der Nähe von Basel; die Feuerbestattung fand am 3. April 1984 in Basel statt.

Manche seiner insgesamt 650 Publikationen erschienen posthum, ebenso sein letzter Vortrag – die Zusammenfassung der Ergebnisse des Symposiums über Bekämpfung von Herzkrankheiten, das G. leitete.

Wie G. einmal bemerkte, ist die Pharmakologie „das Fach, das neben scharfer Beobachtung quantitatives Denken, aber auch Phantasie erfordert“ (G., 1969, Erinnerungen…, 2029). Eben dies entsprach seiner vielfältigen Begabung.

 

Q StadtA Leipzig: 20031 Polizeipräsidium Leipzig PP-M 312 (Meldekarte G.); UA Leipzig: Quästurkartei, Gross, Med.Fak. Prom. Buch , Bd. 19, Gross; StaatsA Bern, UA, Personaldossier G; UA Heidelberg: PA 7898 (Personalakte G.), HAW 189 (Wahl G. in die Heidelberger Akad. d. Wiss.); H-III-582/2 (Lehrstuhl für Pharmakologie); Auskünfte aus: UA Dresden vom 18.06.2013; FirmenA Novartis AG, Basel vom 17.06.2013; UA Basel vom 28.06.2013; Státní oblastní archiv v Litoměřicích (Leimeritz), Tschechien vom 8.07.2013; des Instituts für Medizingeschichte d. Univ. Bern vom 12.07.2013,StaatsA Basel-Stadt vom 15.07.2013; Einwohnerdienste Bottmingen vom 26.u. 29.07.2013, Zivilstandsamt Basel-Stadt vom 2.08.2013, StadtA Dresden vom 5.08.2013.

 

W  Über die Reduktionszeit des Blutes (Diss.), in: Zs. Für die gesamte experimentelle Medizin, 109, 1938, 766-777; (mit K. Matthes) Untersuchungen über die Absorption von rotem u. ultrarotem Licht durch kohlenoxydgesättigtes, sauerstoffgesättigtes u. reduziertes Blut, in: Archiv für experimentelle Pathologie u. Pharmakologie 191, 1939, 369-380; (mit K. Matthes) Untersuchungen über das Wirkungsbild gefäßaktiver Pharmaka bei Menschen, ebd., 203, 1944, 206-224, 204, 1947, 57-66; D. Einfluß von Desoxycorticosteron auf die Azetylcholinwirkung am isolierten Froschherz, in: Experientia 2, 1946, 191f.; Kombinierte Wasser- u. Kochsalzbelastungen an normalen u. nebennierenlosen Hunden, in: Helvetica physiologica et pharmakologica acta 6, 1948, 406-425, 426-452; (mit J. Dauey u. R. Meier) Eine neue Gruppe blutdrucksenkender Substanzen von besonderem Wirkungscharakter, in: Experientia 6, 1950, 19-21; (mit R. Meier) Versuch zur Differenzierung d. Wirkungen verschiedener Nebennierenrinden-Steroide auf  Wasser- u. Elektrolytstoffwechsel, in: Schweizerische medizinische Wochenschrift 81, 1951, 1013-1018; Die Bedeutung d. experimentellen Analyse für therapeutische Anwendung blutdrucksenkender Pharmaka, in: Klinische Wochenschrift 33, 1955, 1113-1118; Nebennierenrinde u. Wasser-Salzstoffwechsel unter besonderer Berücksichtigung von Aldosteron, ebd. 34, 1956, 929-941; Experimentelle Methoden zur Beurteilung blutdrucksenkender Pharmaka, in: Archiv für experimentelle Pathologie u. Pharmakologie 232, 1957/1958, 161-197; Renin u. Hypertensin, physiologische oder pathologische Wirkstoffe?, in: Klinische Wochenschrift 36, 1958, 693-706; Die Steuerung d. Aldosteronsekretion, in: Schweizerische medizinische Wochenschrift 89, 1959,1-24; Pathologische Physiologie des Hochdruckes, in: Nauheimer Fortbildungs-Lehrgänge 25, 1960, 34-52; Extrarenale Wirkungen von Aldosteron, in: Deutsche medizinische Wochenschrift 86, 1961, 1989-1995; Zur Pathophysiologie des experimentellen renalen Hochdruckes, in: W. H. Hauss, H. Losse (Hg.) Hypertonie, 1962, 75-89; Angiotensin, in: Archiv für experimentelle Pathologie u. Pharmakologie 245, 1963, 196-229; (Hg.) Iron metabolism, an international symposium, 1964; Renin-Angiotensin-System u. Hochdruck, in: Wiener klinische Wochenschrift 77, 1965, 609-614; Experimentell renaler Hochdruck u. experimenteller Hochdruck mit Nierenveränderungen, in: H. Schwiegk (Hg.) Handbuch d. Inneren Medizin Bd. VIII, Teil 2, 1968, 1-34; Physiologie u. Pathologie des Renin/Angiotensin-Systems, ebd. 35-168; Arzneimittelforschung im Wandel d. Medizin, in: Festschrift zur 75. Tagung d. Deutschen Ges. für Innere Medizin, 1969, 49-95, auch in: Die Medizinische Welt, 1969, Nr. 35, 1858-1968, Nr. 36, 1929-1938; Erinnerungen an Ludwig Lendle, in:  Arzneimittel-Forschung 19, 1969, 2029f.; Klinische Pharmakologie – Vorstellungen u. Realitäten, in:  Arzneimittel-Forschung 21, 1971, 1525-1528; Niere u. Hochdruck, In: Klinische Wochenschrift 50, 1972, 621-635; Future drug research – drugs of the future, in: Clinical Pharmacology and Therapeutics 14, 1973, 1-11; Zur Pathogenese des Hochdruckes – Hypothesen u. Tatsachen, in:  Verhandlungen d. Deutschen Ges. für Innere Medizin 80, 1974, 21-36; Erinnerungen an Karl Matthes, in: Die Medizinische Welt 26, 1975, 735-739; Die Arzneimittelherausforderung, ebd., 27, 1976, 823-833; (mit D. Ganten) Angiotensin-Antagonisten zur Diagnostik u. Behandlung des reninabhängigen Hochdruck, in: Medizinische Klinik 71, 1976, 2043-2050; (Hg. u. Mitverfasser) Antypertensive Agents (Handbook of Experimental Pharmakologie, Vol. 39), 1977; Vom Nutzen u. Schaden d. Arzneimittel, 1977; Homo Pharmaceuticus, in: Sitzungsberichte d. Heidelberger Akad. d. Wiss., Math.-naturwiss. Kl., 1977, Abh. 2, 1-30; Pharmacology: preclinical models, survey of their uses and limitations of their predictive value, in: A. F. De Schaepdryver, F. H. Gross L. Lasagna, D. R. Laurence (Eds.), The scientific Basis of official regulation of drug research and development, 1978, 17-23, 148-151; The thorny path of clinical pharmacology, in: Clinical Pharmacology and Therapeutics 24, 1978, 383-393; (Hg., mit F. Strasser) Mild hypertension: natural history and management, 1979; Notwendigkeit u. Ethik klinisch-therapeutischer Prüfungen von Arzneimitteln, 1979; Die ungeliebte Industrie, Vortrag anläßlich d. Ordentlichen Hauptversammlung des Bundesverbandes d. Pharmazeutischen Industrie, 1980; Emil Schlitter zum Gedenken, in: Ruperto Carola 64, 1980, 112f.; (Hg.) International Experience with nalodol, a long-acting ß-blocking agent, 1981; Die Ethik des Experimentes, in: Wissenschaft u. Ethik, Studium Generale an d. Univ. Heidelberg, Vorträge im Sommersemester 1981, 1-20; Läßt sich der plötzliche Herztod verhüten?, in: Münchener medizinische Wochenschrift 123, 1981, Nr. 1, 27-31; Medizinische Forschung: Qualität u. Leistung statt Klassenbildung8, ebd., Nr. 18, 710-713; Captopril: Profil eines neuen Antihypertensivums, ebd., Nr. 47, 1803-1809; Leichter Hochdruck – das Problem, Münchener medizinische Wochenschrift 124, 1982, Nr. 47, 20-22; 25 Jahre Hochdruck-Therapie mit Diuretika, ebd., 1036-1042; Unerwünschte u. unerwartete Wirkungen von Medikamenten, ebd., Nr. 48, 1089-1093; Placebo – das universelle Medikament? In: Placebo – das universelle Medikament? 1984, 9-23; (mit W. Rascher u. H. Meffle, Hemodynamic effects of argirine vasopressin in conscious water-deprived rats, in: American Journal of Physiology 249, 1985, H29-H33.

 

L DBE, 2. Aufl., Bd. 4, (2006), 175; D. Ganten, F. G. zum 65. Geburtstag, in: Ruperto Carola 61, 1978, 115f.; G. W. Liddle, An appreciation of Professor F. G. on the twentieth anniversary of the publication of his concept of the interrelationships between aldosterone and renin, in: Klinische Wochenschrift 56, 1978, Suppl. 1, 3f.; Festschrift für F. G. zum 70.Geburtstag am 14. Februar 1983, Zivilschutz-Forschung, Bd. 15, 1983 (B, S. 44); D. Ganten, In Memoriam Prof. Dr. F. G., in: Arzneimittel-Forschung 34, 1984, 643f. (B); D. Ganten, F. G.+, in: Trends in Pharmacological Sciences 5, 1984, 368f.(B);H. J. Dengler, In Memoriam F. G., in European Journal of clinical Pharmacology 26, 1984, 411 (B); H. P. Wolff, F. G.+, in: Deutsches Ärzteblatt, Ausgabe B, 81, 1984, H. 17, 1388 (B); J. Thesing, H. Kleinsorge, In Memoriam F. G., in: Placebo – das universelle Medikament? 1984, 5f.; J.I.S. Robertson, Obituary Notice: F. G., in: Journal of Hypertension 2, 1984, 221f. (B); F. R. Bühler, In Memoriam F. G., in: Journal of Cardiovascular Pharmacology 6, 1984, Supplement 1, I-II (B); Hans Schaefer, Nachruf: F. H. G., in: Jahrbuch d. Heidelberger Akad. d. Wiss. für 1985, 100-104 (B); D. Ganten, The F. G. Hypertension Symposium Series, in: Journal of Cardiovascular Pharmacology 20, 1992, Supplement 1, V-VI; J. Lindner, H. Lüllmann, Pharmakologische Institute u. Biographien ihrer Leiter. Zeittafeln zur Geschichte d. Pharmakologie im Deutschen Sprachraum von Anbeginn bis 1995, 1996, 82, 196, 285; Schweizer Lexikon 5, 1999, 212; D. Drüll, Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933-1986, 2009, 237f.; M. Ziegler, In Memoriam Prof. Dr. F. G. 1913-1984, in: D. Kardiologe 7, 2013, 37f. (B).

 

B UA Heidelberg:  Photo in d. PA 7898; Pos I 01106, Pos I 07744; Münchener med. Wochenschrift 124, 1982, Nr. 47, S. 20 u. 105; Vgl. L.

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