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Maier-Leibnitz, Hermann (1885-1962), Bauingenieur

Category: Kurzbiografien Published: Monday, 24 April 2017 Written by Alexander

Maier-Leibnitz (Zuname seit April 1910), Hermann, Bauingenieur

*18.06.1885 Schorndorf. Ev. +11.08.1962 Stuttgart

V Gottlieb Maier (1847-1924), Bauunternehmer.

M Anna Sophie, geb. Kornbrust (1857-1930).

G 4: Hedwig Julie (1888-1974), verh. Blank; Reinhold (1889-1971), Politiker; Selma (1892-1990), Pharmazeutin; Emma Sofie (1896-1942), verh. Liebendörfer, Pharmazeutin.

∞ 1909, Schorndorf, Marianne Leibnitz (1887-1969).

K 3: Heinz (1911-2000), Physiker (s. dort); Susanne (1913-1942); Magdalene (1916-1941).

              1892-1903              Schulbildung: Volks- u. Lateinschule in Schorndorf, 1898-1903 Realgymnasium in Stuttgart; Abitur im Sommer 1903

              1903-1909              Studium Bauingenieurwesen an d. TH Stuttgart u. an d. TH Danzig (SS 1905?); während des Studiums ein halbjähriges Praktikum bei d. Baugesellschaft Friedrich Buchner in Würzburg; erste Staatsprüfung im Frühjahr 1908 in Stuttgart; anschließend von Mai bis Dezember 1908 Arbeit bei Prof. Dr.-Ing. J. J. v. Weyrauch (1845-1917) u. während Januar-Juni 1909 Absolvierung des Vorbereitungsdienstes bei d. Kgl. Württ. Staatseisenbahn

               1909 VII                  Eintritt in die Firma Maschinenfabrik Esslingen (ME) als Statiker (Eisenkonstrukteur)

              1912 V?                  Zweite Staatsprüfung für das Bauingenieurwesen (Fachrichtung Eisenbahnbau); Erwerb des Titels: Regierungsbaumeister

              1912-1914              Beförderungen bei d. ME: 1912 Oberingenieur d. Abteilung für Stahlbau; 1914 - Prokurist

             1914 VIII – 1916 III   Militärdienst

              1917 X 11               Promotion mit Auszeichnung an d. TH Stuttgart zum Dr.-Ing.; Diss.: „Berechnung beliebig gestalteter einfachiger u. mehrfachiger Rahmen“

              1918 X                    ordentliches Vorstandsmitglied bei d. Maschinenfabrik Esslingen

              1919 XI – 1954 III    o. Professor für konstruktiven Ingenieurbau B (Stahlbau, Holzbau u. Industriebau) u. Statik B an d. TH Stuttgart; SS 1954-WS 1955/56 Vertreter seines Lehrstuhls

Ehrungen: Dr.-Ing. h.c., TH Darmstadt (Juli 1953); Großes Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens d. BRD (Juni 1955). „Goldener Nagel“ des VDI (1960).

M. wurde als erstes Kind des Bauunternehmers Gottlieb Maier in Schorndorf, (etwa 25 km östlich von Stuttgart) geboren. Sein Vater, „das Musterbild eines fleißigen und sparsamen Schwaben“ (Matz, 1989, 27), genoss Ansehen in dem Städtchen; bis 1896 war er auch als Stadtbaumeister tätig, bis er dieses Amt zugunsten seines Geschäftes abgab. „Mein Vater kannte in seinem Leben nur eine Leidenschaft, das Arbeiten“, bezeugte M.s Bruder Reinhold (HauptstaatsA Stuttgart, J1, Q 1/8, Nr. 448, S. 15). Sein Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern florierte; er selbst verbrachte seine Zeit hauptsächlich am Zeichenbrett und an Bauplänen. Als „sehr tüchtiger Patriarch“ (Matz, ebd.) herrschte er in der Familie, obwohl die Erziehung der Kinder bei der Mutter lag. M., so dessen Bruder Reinhold, „schlug im Aussehen und in seinen Neigungen dem Vater nach“ (ebd., 28).

M. besuchte zunächst die Volks- und Lateinschule in Schorndorf. Mit 14 Jahren wurde er in die 6. Klasse des renommierten Realgymnasiums in Stuttgart (heute Dillmann-Gymnasium) aufgenommen und bezog eine Schulpension in Stuttgart. Der Gründer des Gymnasiums, Christian von Dillmann (1829-1899), ein bedeutender Schulreformer, leitete es von Anfang an (1871) bis zu seinem Tod. Er war ein erfolgreicher Förderer mathematisch-naturwissenschaftlicher Bildung. Dies entsprach den Neigungen M.s. „Er war ein außerordentlich guter Schüler“, erinnerte sich sein Bruder (HauptstaatsA Stuttgart, J1,Q 1/8, Nr. 448, S. 89). Der älteste unter seinen Geschwistern, strebsam und souverän, war M. ihnen Ansporn, aber wohl auch Last. Jedoch blieb er „unzweifelhaft der Bahnbrecher der Familie. <…> Ohne Hermann hätte vielleicht nicht jedes studiert bzw. eine höhere Bildung erhalten“ (ebd.).

1903 bestand M. sein Abitur und begann, dem Vorbild seines Vaters folgend, Bauingenieurwesen an der TH Stuttgart zu studieren. Ein Semester, vermutlich SS1905, oder SS 1906, verbrachte M. an der 1904 eröffneten TH Danzig, wo er bei Professor Reinhold Krohn (1852-1932) Vorlesungen über Brückenbau und Statik hörte. Im Frühjahr 1908 bestand er die erste Staatsprüfung und danach arbeitete von Mai bis Dezember an der TH bei dem Professor für Ingenieurmechanik, Jacob J. von Weyrauch (1845-1917), wo er die analytische Theorie der Ingenieurkonstruktionen erlernte. M. hielt Weyrauch für seinen eigentlichen Lehrer (1948, Vorlesungen… I, Vorwort)

Anschließend absolvierte M. von Januar bis Juni 1909 den Vorbereitungsdienst bei der Kgl. Württembergischen Staatseisenbahn Nun konnte er sich als Bauingenieur bewerben. Ab Juli 1909 begann er seine Tätigkeit bei der Firma „Maschinenfabrik Esslingen GmbH“, anfangs als Statiker (Eisenkonstrukteur) bei der Brückenbauabteilung.

Bereits im folgenden Jahr publizierte M. seine erste Arbeit, mit einer eleganten Berechnung von Dreigelenkbögen, „die seinen aus der industriellen Praxis des Bauingenieurs resultierenden Hang zur Rationalisierung des statischen Rechnens erahnen lässt“ (Kurrer, 2005, 625). Mit dieser Arbeit wurde er als Mitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) angenommen und blieb diesem Verein lebenslang treu. Mehrmals referierte er für die Zeitschrift und für das Jahrbuch des Vereins.

Im Frühjahr 1912 bestand M. in Stuttgart die 2. Staatsprüfung für das Bauingenieurwesen (Fachrichtung Eisenbahnbau), was auch die Prüfung zum Regierungsbaumeister einschloss. Nun stieg er bei der Maschinenfabrik Esslingen zum Oberingenieur der Brückenbauabteilung auf, ihm wurde die Leitung des Büros dieser Abteilung übertragen. Im Mai 1914 erhielt er die Prokura der Firma und wurde Vorstand der Eisen- und Hochbauabteilung. Seine erfolgreiche Karriere wurde durch den Krieg unterbrochen: Im August 1914 wurde M. einberufen und leistete seinen Militärdienst im 4. Bataillon des 13. Regiments der Fußartillerie, zunächst als Soldat. Von November 1914 bis August 1915 war er an den West- und Ostfronten. Anfang 1916 wurde M. als Unteroffizier der Reserve wegen der kriegswichtigen Produktion der Firma und seiner Position als Oberingenieur und Prokurist vom Kriegseinsatz beurlaubt.

Der Umfang seiner Bautätigkeit für die Firma ist aus seiner Beschreibung „Eisenhochbauten des neuen Werkes der Maschinenfabrik Esslingen in Mettingen“ mit 46 Fotos und Zeichnungen ersichtlich (1917). Der Entwurf des Tragsystems der Gießereihalle mit einer Grundfläche von ca. 10000 m2 wird als M.s „industrielles Meisterstück“ bezeichnet (Kurrer, 2005, 625). M. führte drei miteinander zusammenhängende Innovationen ein, die den Eisenhallenbau revolutionierten: Erstens, benutzte er an Stelle von Eisenbetonteilen eiserne Rahmenträger; zweitens, entwickelte er, aufgrund der Arbeiten von Otto Mohr (1835-1918), effektive Berechnungsmethoden für jene Rahmen; drittens, veränderte er die Ausführung des Baus, indem er die Teile des Rahmensystems vorfertigen ließ und ein Verfahren für derer konsequente Montage ersann, so dass die Halle in nur 12 Tagen errichtet werden konnte – eine Rekordleistung..

Im Dezember 1916 legte M. der TH Stuttgart seine theoretischen und praktischen Ergebnisse als Dissertation zur Erlangung der Würde eines Doktor-Ingenieurs vor. Über die Promotion M.s sind keine Dokumente bekannt; belegt ist nur, dass der Gutachter der Dissertation Professor Emil Mörsch (1872-1950) war.

Nach seiner Promotion wurde M. zum ordentlichen Vorstandsmitglied berufen und mit der technischen Oberleitung der Fabrik und der Oberaufsicht über die Werkstätten betraut. Diese Funktion erstreckte sich auf alle Geschäftszweige der Firma einschließlich der Elektrotechnischen Abteilung mit Ausnahme jedoch des Konstruktionsbüros für Lokomotiven- und Zugbau. „Wir haben Herrn Dr. M. als in Theorie und Praxis aufs beste bewanderten Ingenieur und als einen in jeder Hinsicht zielbewusst arbeitenden, geschäftsgewandten Herrn mit ausgeprägtem Verständnis für allgemein-wirtschaftliche und organisatorische Fragen kennen und schätzen gelernt“, so charakterisierte M. der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Firma (HauptstaatsA Stuttgart EA 3/150 Nr. 1419).

M. bevorzugte jedoch eine akademische Laufbahn. Vermutlich spielten hier auch die damaligen Verhältnisse in der Industrie eine Rolle: Das ganze Land erlebte 1919 eine mächtige Streikbewegung. Als M. jedenfalls im Juli 1919 den Ruf der TH Stuttgart erhielt, den neuen Lehrstuhl für Konstruktiven Ingenieurbau B und Statik B ab November 1919 zu leiten, nahm er diesen Ruf an. Es ist offen, ob ein Habilitationsverfahren dieser Berufung vorausging; Hinweise darüber sind nicht erhalten. Man kann vermuten, dass die Publikationen M.s, besonders seine glänzende Dissertation als ausreichend für die Berufung galten.

Mit 34 Jahren war M. wohl einer der jüngsten Ordinarien in Technischen Hochschulen Deutschlands. Seine reichen praktischen Erfahrungen ermöglichten ihm von Anfang an eine konsequente Lehrkonzeption aufzubauen, um „den Studierenden durch Vortrag, Übungen und Seminare das Rüstzeug zu vermitteln, welches man in der Praxis von einem Diplomingenieur des Bauingenieurwesens verlangt; nämlich: 1) Die Ausbildung in der Einzel- und Gesamtgestaltung von Bauwerken im Industriebau unter voller Berücksichtigung der Betriebsbedürfnisse; 2) Die statischen Grundlagen für den Entwurf und die Ausführung der in das Gebiet des Lehrstuhls fallenden Bauwerke“ (1954, 98). Während der Lehrstuhl für Statik A unter der Leitung von Emil Mörsch sich auf die Statik der massiven Tragwerke, gewölbten Brücken und Eisenbetonbau konzentrierte, war M.s Lehrstuhl vor Allem auf den Eisenbau ausgerichtet. Themen von M.s Vorlesungen waren seit seinem ersten Semester (WS 1919/20) „Eiserne Brücken“ und „Eisenbau und Industriebau“. Mit dem Kursus „Grundlagen des Eisenbaus“ (WS 1922/23) begann M. den allgemeineren Kursus über die „Statik der Baukonstruktionen“ vorzubereiten, den er seit WS 1924/25 hielt. Seitdem änderten sich die Themen seiner Vorlesungen kaum (nur Eisenbau und Industriebau wurden seit 1923 getrennt), aber deren Inhalt wurde immer wieder durch neuere Ergebnisse bereichert. Der Aufbau seiner Kurse fand Niederschlag insbesondere in zahlreichen Artikeln für die neue Auflage des „Luegers Lexikons für die gesamte Technik“ (1926-1929).

Gleichzeitig pflegte M. enge Verbindungen mit der Baupraxis als Prüfingenieur und Berater bei vielen Bauprojekten, was ihm stets Anlässe für Forschungsarbeiten gab: Er strebte immer nach theoretischen Verallgemeinerungen, die eine Lösung konkreter praktischer Aufgaben unterstützen könnten. Besonders wichtig wurden seine Pionierversuche zur Ermittlung der Tragfähigkeit von Profilträgern im plastischen Bereich. (1927-1930). Sie bildeten eine neue Forschungsrichtung, die sich seitdem während mehrerer Jahrzehnte, auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weltweit weiterentwickelte. M. selbst erarbeitete, aufgrund seiner Messungen, einfache Formeln für die Berechnungen der Träger.

1932 publizierte M. die bedeutende Monographie „Industriebau: Die bauliche Gestaltung von Gesamtanlagen u. Einzelgebäuden“. Zum ersten Mal in der Fachliteratur der Welt wurde hier der Industriebau als wissenschaftliche Disziplin dargestellt. Diese bahnbrechende Monographie M.s fand eine breite Anerkennung nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland. Sie diente auch als wichtiges Lehrbuch.

Nach der NS-Machtübernahme blieb M. als „Arier“ weiter o. Professor, war aber eher nur geduldet. Bei den Machthabern galt er als politisch nicht zuverlässig, umso mehr, als sein Bruder unter Verdacht stand und ihm das Reichstagsmandat aberkannt wurde. Tatsächlich war M. unpolitisch, gehörte keine NS-Organisation an und arbeitete nach wie vor rastlos, obwohl ihm keine Gehaltserhöhung genehmigt wurde und alle seine Anträge auf Genehmigung von Staatsmitteln auf Ablehnung stießen. Im November 1937 wurde er als Sachverständiger durch die „Deutsche Rechtsfront“ nicht mehr zugelassen. M. vermutete, dass der NS-Rektor dahinter stand. Diese Angelegenheit bedeutete für ihn, so er selbst, „eine wesentliche Behinderung in der Ausführung meines Berufs“ (UA Stuttgart: 57/372, Brief M.s vom 27.2.1953). Seine letzte große Arbeit in der Eigenschaft eines Prüfingenieurs und Beraters war die maßgebende Mitwirkung bei dem Projekt der Rheinbrücke Köln-Rodenkirchen, damals der größten Brücke Deutschlands.

In die Zeit des Dritten Reichs fielen zwei Familientragödien: Die Ermordung durch „Euthanasie“ seiner jüngeren Tochter Magdalene im April 1941 (s. Silberzahn-Jandt, 2015, 173) und der Selbstmord der älteren Tochter Susanne im nächsten Jahr „als Frau des aus rassischen Gründen verfolgten Professor Dr. P. Misch“ (UA Stuttgart, 57/372).

Auch wenn M. keine Unterstützung von Seiten seiner TH hatte, wurde er nach Kriegsbeginn wieder aus Berlin angefragt: Er erhielt zwei Forschungsaufträge der sog. Organisation Todt (eine halbmilitärische Bautruppe, die dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition unterstand) und einen Auftrag der IG Farbenindustrie, Werk Ludwigshafen. Dies ermöglichte M. grundlegende Versuche über das Zusammenwirken von stählernen Profilträgern mit der darüberliegenden Eisenbetonplatte durchzuführen (1940-1941). Diese Versuche und die entsprechenden Berechnungsvorschläge M.s „gaben den Anstoß zur Entwicklung der heute weitverbreiteten Verbundkonstruktionen“ (Pelikan, 1963, 104).

Im Herbst 1944 wurden M.s Räume in der TH, zusammen mit seiner Bibliothek, Lehrmittelsammlung und vielen Forschungsdaten durch Luftangriff vernichtet. Nun bemühte er sich, in seiner Wohnung rechnerisch und zeichnerisch weiter zu arbeiten.

Nach dem Zusammenbruch widmete sich M. selbstlos der schnellstmöglichen Wiederbelebung seiner TH. Im Dezember 1945 wurde M. mit vier anderen unbelasteten Professoren durch Militärregierung als Mitglied des Ausschusses zur Vorbereitung der Wiedereröffnung der TH genehmigt. (Erst später, im Februar 1947, erhielt M. von der Stuttgarter Spruchkammer den Bescheid, dass er „von dem Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März 1946 nicht betroffen“ sei (UA Stuttgart, 57/372)). Die Wiedereröffnung der TH fand am 23. Februar 1946 statt. Während der ersten drei Semester sollte M. beide Lehrstühle, Statik A und Statik B vertreten und zusätzlich kommissarisch das Institut für Bauforschung und Materialprüfung des Bauwesens leiten. Er las damals Vorlesungen und führte Übungen über Baustatik A und B, über Stahlbetonbau, Massivbrückenbau, aber auch über Stahlbrücken und Stahlhochbau durch.

Außerdem wirkte M. als ehrenamtliches Mitglied des Brückenbeirats des Staatsministeriums und beteiligte sich maßgebend an Entwurf und Ausführung mehrerer Brückenbauten, – wobei der damalige Baustoffnot zu beachten war, – nämlich: zwei Stabbogenbrücken in Holzbauweise mit lastverteilenden Querverbindungen; eine Straßenbrücke, deren Hauptträger im Fachwerksystem aus Stahlrohren bestanden; eine stählerne Stabbogenbrücke; „drei Verbundträgerbrücken, bei deren Bemessung die lastverteilende Wirkung der unmittelbar befahrbaren Betonplatte berücksichtigt, aber auf besondere lastverteilende Querverbindungen verzichtet wurde“ (1954, 99).

Ab WS 1947/48 konnte M. zu seiner „normalen“ Professorenarbeit zurückkehren. M.s Lehrtätigkeit wurde durch seine dreibändigen „Vorlesungen über Statik der Baukonstruktionen“ (1948-1953) gekrönt. Die „Vorlesungen“ basierten auf den langjährigen Unterrichtserfahrungen M.s: Das Werk ist sehr klar geschrieben mit allmählichen Übergangen von einfachen zu komplizierteren Problemen; es ist reich mit musterhaften Bildern und Übersichtstabellen versehen. In der Rezension des letzten Bandes steht: „Alle drei Bände zusammen stellen ein Lehrbuch der Stabstatik dar, wie es in dieser Form wohl schwerlich übertroffen werden kann. Das Werk ist sowohl für den Studierenden als auch für den reiferen Ingenieur der Praxis gleichermaßen geeignet“ (G. Worch, Die Bautechnik 31, 1954, 96). Tatsächlich blieben die „Vorlesungen“ Standardwerk für mehrere Jahrzehnte, wenn auch M.s Berechnungsansätze durch Einführung der elektronischen Rechner überholt wurden.

Nach seiner Emeritierung ab SS 1954 blieb M. noch vier Semester lang als Vertreter seines Lehrstuhls tätig. Er starb mit 77 Jahren.

Die Bedeutung M.s in der Geschichte des Ingenieurbauwesens ist vielseitig. Mit seiner ca. 95 Publikationen trug er bedeutend bei zur Umwandlung des bisher nahezu rein empirischen Industrie- und Eisenbaus in einen wissenschaftlich begründeten Bereich des Bauwesens. Als Hochschullehrer erzog er in diesem Sinne eine ganze Generation der Bauingenieure. Zusätzlich hatte M. bedeutende Verdienste direkt in der Praxis. Seine Entwürfe und Ausführungen zahlreicher Projekte machten ihn zum „Wegbereiter des fordistischen Industriebaus“ (Kurrer, 2004, 146).

Q StadtA Schorndorf: Geburtsregister Nr. 70/1885, Geburt M.; Heiratsregister Nr. 37/1909, Eheschließung M.; WirtschaftsA Baden-Württemberg, Stuttgart: Bestand B 250, Maschinenfabrik Esslingen, Akten M.; HauptstaatsA Stuttgart: EA 3/150, Nr. 1419, Personalakte M.; J1 Q 1/8 Nr. 252, Nr. 433. Nr. 448, aus dem Nachlass Reinhold Maier; UA Stuttgart: 57/372, Personalakte M.; Auskünfte aus dem: StadtA Schorndorf vom 13. u. 17.03.2017, A des Dillmann-Gymnasiums, Stuttgart vom 13.03.2017, StadtA Esslingen vom 15.03.2017, WirtschaftsA Baden-Württemberg, Stuttgart vom 21.03.2017.

 W Beitrag zur Dimensionierung von Dreigelenkbögen, in: Mitteilungen über Zement, Beton- u. Eisenbetonbau 7, 1910, 46-48; Die Eisenhochbauten des neuen Werkes d. Maschinenfabrik Esslingen in Mettingen, in: Industriebau 8, 1917, 49-73; Dreischiffige Halle mit vollwandigen eisernen Rahmenbindern, in: Eisenbau 8, 1917, 167-174, 238; Beitrag zu d. Theorie des beliebig gestalteten einfachigen Rahmens, ebd. 9, 1918, 145-152; Berechnung beliebig gestalteter einfachiger u. mehrfachiger Rahmen. Ausführungsbeispiele von Rahmenträgern des Eisenhochhaus, 1918; Auflager von Ingenieurbauwerken, in: Luegers Lexikon d. gesamten Technik, 3. vollständig neu bearbeitete Aufl., Bd. 1, 1926, 281-285; Belastungsgrenze, ebd. 540; Biegungspolygone von Fachwerkträgern, ebd. 663-668; Blechträger, ebd. 691-695; Bogensehnenträger, ebd. 778; Bogenzwickelträger, ebd. 780; Cremonascher Kräfteplan, ebd. Bd. 2, 1926, 193f; Culmanns Verfahren zur graphischen Berechnung d. Stabkräfte, ebd. 195; Dachkonstruktionen, eiserne, ebd. 198-209; Dreieckträger, ebd. 313; Einflußlinien u. Einflußzahlen d. Baustatik, ebd. 599-604; Eingeschoßbauten, industrielle, ebd. 605-609; Eisenbauweise, ebd. 678-698; Elastizitätsgleichungen d. Baustatik, ebd. 755-758; Ellipsenträger, ebd. Bd. 3, 1927, 9f.; Fachwerkträger, ebd. 79-102; Fachwerkwände, eiserne, ebd. 103-105; Formänderungswinkel, ebd. 390; Gelenke bei Ingenieurbauwerken, ebd. 513-517; Gelenkträger, ebd. 518; Genietete Träger, ebd. 521; Gerberträger, in Fachwerksystem, ebd. 541-543; Gitterträger, ebd. 623; Glasdächer, ebd. 638-641; Grenzwerte in d. Theorie d. Ingenieurbauwerke, ebd. 701; Halbparabelträger, ebd. 761f.; Hallenbauten, industrielle, ebd. 763-770; Hängewerke u. unterspannte (armierte) Balken, ebd. 807-810; Hauptsystem eines Fachwerkträgers, ebd. 825; Industriebau, ebd., Bd. 4, 1928, 145-152; Kette, ebd. 342-346; Ketten, Kettenlinien, ebd., 349; Knickfestigkeit, ebd. 399-403; Mehrgeschossbauten, ebd., Bd. 5, 1928, 30-34; Naviersche Kettenlinie, ebd. 221f.; Nebenspannungen, ebd. 224-228; Normalbedingungen für die Lieferung von Eisenbauwerken, ebd. 263; Parabelträger, ebd. 381f.; Parallelträger, ebd. 389f.; Paulische Träger, ebd. 399f.; Polonceauträger, ebd. 484f.; Schwedlerträger, ebd. Bd. 6, 1929, 129f.; Spannweite ebener Träger, ebd. 269-271; Sprengwerke, ebd. 307-309; Stabkraft, ebd. 318; Stoß von Stäben, ebd. 414; Streben, ebd. 430; Träger, 623-627; Träger, zusammengesetzte, ebd. 627; Überhöhung von Trägern, ebd. 692; Untergurt, , ebd. 735; Verschiebungsplan, ebd. 779-781; Walzeisennormalprofile, ebd. 802-811; Zulässige Beanspruchung bei Ingenieurwerken, ebd. 1025-1027; Zusatzspannungen, ebd. 1028; Zwischensystem von Fachwerkträgern, ebd.1033-1035; Zwischenträger, ebd. 1035; Beitrag zur Frage d. tatsächlichen Tragfähigkeit einfacher u. durchlaufender Balkenträger aus Baustahl St 37 u. aus Holz, in: Bautechnik 6, 1928, 11-14, 27-31; Der Einsturz d. Stuttgarter Stadthalle, ebd. 7, 1929, 121-123; Versuche mit eingespannten u. einfachen Balken von I-Form aus St 37, ebd., 313-318; Ein Entwurf für die Rheinbrücke bei Ludwigshafen, in: Festschrift d. TH Stuttgart zur Vollendung ihres ersten Jahrhunderts, 1929, 231-235; Über die Bemessungsgrundlagen des amerikanischen Stahl-Hochbaues, in: Stahlbau 3, 1930, 214f, 240; Industriebau: Die bauliche Gestaltung von Gesamtanlagen u. Einzelgebäuden, 1932; Amerikanische Praxis im Industriebau, in: Zs des VDI, 76, 1932, 193-201; Stand d. Stahlbauweise. Theorie u. Ausführung, ebd. 81, 1937, 319-324; Die Schwabenhalle in Stuttgart. Ein bemerkenswerter Holzhallenbau, ebd., 82, 1938, 87-90; Holztraggerippe d. Stuttgarter Schwabenhalle, in: Zentralblatt für Bauverwaltung 58, 1938, 463-468; Versuche über das Zusammenwirken von -Trägern mit Eisenbetondecken, in: Die Bautechnik 19, 1941, 265-270; Grundsätzliches über Modellmessungen d. Formänderungen u. Spannungen von verankerten Hängebrücken, ebd.,508—515, 522-526; Vorlesungen über Statik d. Baukonstruktionen, I, 1948; II, 1950, III, 1953; Der Lehrstuhl für konstruktiven Ingenieurbau B u. Statik, in: Die Technische Hochschule Stuttgart 1954: Bericht zum 125jährigen Bestehen, 1954, 98f.;

 L NDB 15, 1987, 699f.; Poggendorffs Biographisch-literarisches Handwörterbuch VIIa, Teil 3, 1959, 185f.; VIII, Teil 3, 2004, 1844; B. Fritz, H. M.-L. 65 Jahre alt, in: Bauingenieur 25, 1950, 355; Worch, Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. H.M. 70 Jahre, in: Die Bautechnik 32, 1955, 244; Pelikan, Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. H. M. 75 Jahre, in: VDI-Nachrichten, 14, 1960, Nr. 14, 14 (B); Anonym, H. M.+, ebd. 16, 1962, Nr. 38, 22; W. Pelikan, Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. H. M.+, in Stahlbau 31,1962, 349f.(B) ; Pelikan, Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. H. M.+, in: Bauingenieur 27, 1962, 399 (B); W. Pelikan, H. M. zum Gedenken, in: TH Stuttgart, Reden u. Aufsätze 28, 1963, 103-106 (B); Anonym, H. M.-L. +, in: Dillmann-Blättern Nr. 13, 1964, S. 215f.; Erhard Fischer, Lebensbilder aus Schorndorf, 1988, 61-63 (B); Klaus-Jürgen Matz, Reinhold Maier (1889-1971), 1989, 25-33; K.-E. Kurrer, Ein vergessener Wegbereiter des fordistischen Industriebaus in Württemberg – H. M., in: Die Universität Stuttgart nach 1945, 2004, 146-152 (B); Ders., H. M. (1885-1962): Wegbereiter des Industriebaus d. klassischen Moderne, in: Stahl 74, 2005, 623-634 (B); Gudrun Silberzahn-Jandt, Esslingen am Neckar im System von Zwangssterilisation und "Euthanasie" während des Nationalsozialismus. Strukturen - Orte - Biographien. 2015, 125.175 (B: Familienfoto 1919, 127)

B Foto 1929 (S.█) aus dem UA Stuttgart, Bildersammlung, H. M.; weitere Fotos: HauptstaatsA Stuttgart, J1 Q 1/8, Nr. 433, Familienfotos aus den 1890-1900er Jahren, Nr. 252 mit dem Bruder Reinhold als Soldaten, 1914; UA Stuttgart, Bildersammlung, H. M., Fotos 1940 u. ca. 1954; Vgl. L.

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