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Kategorie: Persönliches
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Dr: Alexander Kipnis

Geb. 28.4.1930

Dieser Text wurde verfasst für das Buch "Die Ostjuden in Mannheim", Mannheim, 2021 das Herr Volker Keller vorbereitet hat

Ich wurde als einziges Kind der Augenärztin Bella Aleskovskaya (1900-1947) und des Eisenbahningenieurs Yakov Kipnis (1900-1987) am 28. April 1930 in Sankt-Petersburg, damals Leningrad, geboren.

Meine Eltern stammten aus dem „Ansiedlungsrayon“,  das war das Gebiet des europäischen Westens im Russischen Kaiserreich, auf das bis 1917 das Wohn- und Arbeitsrecht der jüdischen Bevölkerung beschränkt war. Meine Mutter wurde nicht weit von Gomel in Weißrussland geboren. Noch vor der Revolution besuchte sie das Gymnasium und lernte dort auch Deutsch. (In den 1920-er Jahren gab es keinen Fremdsprachenunterricht mehr in den Schulen). Sie machte 1917 das Abitur und begann ihr Medizinstudium in Kiew. Mein Vater wurde in Bendery, Bessarabien, geboren. Sein Vater war sehr früh gestorben und seine Mutter musste ihn und seinen jüngeren Bruder alleine erziehen.

Während der Revolution 1917 verschlug es meinen Vater nach Russland. Seine Mutter mit ihrem jüngeren Sohn blieb aber in Rumänien. Sie wanderten 1934 nach Palästina aus und starben dort ohne weitere Nachkommen. Mein Vater hat sie nie mehr gesehen. Der Briefwechsel zwischen ihnen brach etwa 1948 oder 1949 ab, ich weiß nicht, unter welchen Umständen.

Meine Eltern lernten sich 1925 in Kiew kennen und heirateten 1929 in Leningrad.

Dort pflegten sie keine jüdischen Traditionen, aber bei den Geschwistern meiner Mutter gab es Mazen zu Pessach und wir feierten dort, woran ich mich noch gut erinnere. Tanten von mir sprachen ein Gemisch aus Jiddisch und Russisch.

Natürlich identifizierten sich meine Eltern als Juden. In mein Gedächtnis hat sich die Reaktion meiner Mutter fest eingeprägt. 1946 machte ich leichtsinnig die Bemerkung, dass Juden früher im Russischen Reich sich nur taufen lassen mussten, um studieren zu dürfen. Das Studium sei also leicht zugänglich. Meine Mutter erwiderte empört: „Dies würde bedeuten, sein Volk zu verraten!“

Trotzdem blieben meine Eltern ganz weltlich. Meine Mutter wurde zwar auf dem jüdischen Friedhof begraben, der damals zum Vorort von Leningrad gehörte, aber ohne jüdischen Ritus. So viel zu meiner Herkunft.

Die glückliche Kindheit bei liebenden und sorgsamen Eltern war entscheidend für meine Entwicklung. Unter anderem brachte meine Mutter mir etwas Deutsch bei, was sich Jahrzehnte später als sehr wichtig erwies. Wie ungeheuer stark ich meinen Eltern verpflichtet bin, konnte ich erst als Erwachsener begreifen. Ihnen zum Gedenken widmete ich mein letztes Buch „August Friedrich Horstmann und die Physikalische Chemie“, Berlin 1997.

Die nächste Periode meines Lebens, als Flüchtling während der Kriegszeit, war hart und verwandelte den verwöhnten Bub in einen Jungen, der merkte, dass das Leben todernst  sein kann und man Vieles durchstehen muss. Erst damals erfuhr ich, dass ich Jude bin, aber dies war nicht das Wichtigste.

Mit Kriegsausbruch mussten meine Eltern an ihren Arbeitsplätzen bleiben. Sie entschieden, dass meine Tante Maria Pawlowna Aleskowskaja, eine Schwester meiner Mutter, mit mir vor den Deutschen nach Osten floh. Sie arbeitete damals nicht und durfte deswegen Leningrad verlassen.

Es war ein Glück für die ganze Familie. Sonst hätten meine Eltern im Winter 1941/42 versucht, mich auf Kosten ihrer ohnehin kargen Ernährung vom Hungertod zu retten. Bestimmt wären wir alle Opfer des Hungertodes geworden.

Der Abschied von meinen Eltern fand etwa am 20. August 1941 statt; man sagte, es sei der vorletzte Zug für Flüchtlinge aus Leningrad gewesen. Der Zug bestand aus sehr vielen Güterwagen, die überfüllt waren. Jedenfalls war es in unserem Wagen sehr eng, um auf dem Boden zu schlafen.

Es dauerte gute zwei Wochen, bis meine Tante und ich die Stadt Kuibyschew erreichten, die seit 1990 Samara heißt. Dort mietete sie ein Zimmer in einer Hütte am Rand der Stadt. Für uns war es eine Frage des Überlebens, wenn auch in ziemlich harten Verhältnissen. Doch meine Tante schaffte es, dass ich nicht verhungerte und die Schule in Kuibyschew besuchen konnte (die 5. und teilweise die 6. Klasse einer Mittelschule). Seitdem kann ich kein Stück altes Brot mehr wegwerfen.

Meine Eltern überlebten die schreckliche Zeit der Blockade in Leningrad. Im Februar 1942 wurde mein Vater nach Moskau abkommandiert. Er hatte eine Technik für den schnellen Bau von Eisenbahnbrücken erfunden und sollte den Wiederaufbau von Eisenbahnbrücken durchführen. Das war wegen des Vormarsches der Roten Armee im Januar-April 1942 vordringlich. Er war körperlich so schwach, dass er seine Aktentasche um den Hals hängen musste, um sie zu tragen.

Meine Mutter wurde im September 1941 als Ärztin zum Militär berufen. Sie arbeitete in einem Lazarett an der Leningrader Front bis August 1942. Dann wurde sie wegen einer inneren Verletzung in ein Hospital in Moskau evakuiert. Nachdem sie sich etwas erholt hatte, arbeitete sie weiter als Militärärztin 3. Ranges in einem Lazarett in Moskau, aber im April 1944 wurde sie als Kriegsverletzte entlassen.

Im Herbst 1942 wurde das Leningrader Eisenbahningenieur-Institut nach Moskau verlegt und die Dozenten, darunter auch mein Vater, bekamen Unterkunft in einem Wohnheim. Zuvor hatte er meistens in Militärzügen gewohnt und meine Mutter in ihrem Lazarett.

Nun konnte er meine Tante und mich abholen. Ab November 1942 wohnten wir zu viert in einem Zimmer  Es hatte 17 Quadratmeter, wo auch eine Küchenecke mit einem kleinem Kochplättchen insgeheim eingerichtet wurde. Das Leben in Moskau war jedoch viel leichter als in Kuibyschew. Ich besuchte eine Schule und beendete dort 7. Klasse.

Im August 1944 kehrte das Institut nach Leningrad zurück. Dem Wiedereinzug ins elterliche Haus folgten Schul- und Studienjahre. 1947 schloss ich meine Schulausbildung mit sehr gutem Reifezeugnis ab und begann das Chemiestudium an der Universität meiner Heimatstadt. Ich erlangte das Diplom des Physikochemikers mit Auszeichnung.

Es war im Jahr 1952, als der Antisemitismus in der UdSSR tobte. Der Professor, der meine Diplomarbeit begutachtet hatte, sagte mir vertraulich: „Ich möchte Sie hier auf eine Professur vorbereiten. Leider passt Ihre Blutgruppe nicht. Wenn ich den Antrag stellen würde, könnte das nur wenige angenehme Minuten für Sie und viel Ärger für mich bringen“.

So arbeitete ich als Chemiker bei einer geologischen Expedition, die für „Karabogassulfat“, eine Fabrik in Nord-Turkmenien, organisiert wurde. Dort stellte man Natriumsulfat her. Dieses ereignisreiche Jahr war für mich als Lebensschule sehr lehrhaft. Beispielsweise die Wasserversorgung. Jeden Monat brachte ein Schiff Süßwasser in den Hafen Bekdash am Kaspischen Meer. Es wurde mit einer Schmalspurbahn in kleine Zisternen verteilt. Wir hatten einen Waschraum und jeder musste für eine Woche mit drei Kübel Wasser auskommen. Da brach eine Seuche aus und wir standen unter Quarantäne. Das Schiff blieb aus und wir hatten drei Wochen lang extrem wenig Wasser. Wir im Labor behalfen uns ein wenig mit destilliertem Wasser, doch an Waschen war nicht zu denken. Ich erinnere mich an echtes Glück, als es endlich Wasser nach Herzenslust zu trinken gab.

Ende 1953 durfte ich nach Leningrad zurückkommen und erhielt eine Stelle als Ingenieur im Zentralen Institut für Schiffbautechnologie. Dort beschäftigte ich mich mit dem Korrosionsschutz von Marineschiffen und verbrachte etwa sechs Monate pro Jahr auf Dienstreisen. Ich erfuhr vieles über das Leben unter ganz anderen Verhältnissen als in Leningrad und lernte, überall mit großem Mangel auszukommen.

1958 trat ich in das Staatliche Projekt- und Forschungsinstitut für Nickel- und Kobaltindustrie („Gipronickel“) ein. Dort arbeitete ich, zuletzt als Leiter einer Forschungsgruppe, 35 Jahre lang über physikalisch-chemische Probleme der Nickelgewinnung. In dieser Zeit promovierte ich zum Dr. der Chemie, publizierte fünf Bücher und etwa 100 Artikel und erhielt darüber hinaus 20 Erfinderrechte der UdSSR.

Ich weiß, dass wenn ich diplomatischer und schlauer und nicht so unabhängig gewesen wäre, könnte ich wahrscheinlich sogar in der UdSSR mehr schaffen und erreichen. Trotzdem bereue ich das nicht. Denn so konnte ich meine Seele dem Teufel nicht verkaufen.

Natürlich identifizierte ich mich als Jude – ebenso wie meine Eltern. Und meine engsten Freunde waren auch Juden – nicht, weil sie Juden waren, sondern dank unserer geistigen Verbundenheit. Meine Frau aber war Russin und ich hatte mit dem Judentum nichts zu tun.

Vielleicht, wäre es ratsam, einige allgemeine Erklärungen davon hier zu geben.

Allererst: UdSSR war ein Land, wo offensiver, ja aggressiver Atheismus  – unter Unterstützung der politischen Macht – herrschte. Dass die Kirche von dem Staat offiziell sofort abgetrennt wurde, sagt noch nichts.

Seit 1920er Jahren wurden viele Kirchen, Kloster, Synagogen zerstört oder geschlossen und für weltliche Zwecke verwendet. Pogrome führten überall Jugendliche unter Parteileitung.

(Ein ziemlich indifferentes Beispiel: Der einzige buddhistische Tempel Russlands in Leningrad wurde geschlossen und das Gebäude bezog sich ein angeblich wissenschaftliches Institut, obwohl die Räume gar nicht dazu passten). Gleichzeitig gerieten zahllose Geistliche aller Konfessionen in Gefängnisse oder wenigstens in Verbannung.

 

Trotzdem war Religion nicht ganz verboten, der Staat proklamierte ja die Glaubensfreiheit. Doch fast alle Berufstätige in der UdSSR waren staatliche Beamte, weil alle Unternehmen dem Staat gehörten. Damit war man abhängig. Wenn jemand sein Kind in der Kirche taufen ließ, konnte er aufgrund politischer Unzuverlässigkeit aus dem Dienst entlassen werden. Die Folgen waren katastrophal. Unter solchen Umständen war es fast unmöglich, eine neue Stelle zu erhalten.

Aus diesem Grund spielte sich das religiöse Leben in der UdSSR meistens in Untergrund ab. Für die jüdische Religion galt dies, wegen des immer vorhandenen Antisemitismus, verschärft. Von den etwa 1970 Synagogen in Russland vor 1917 blieben im Jahr 1966 noch 62. Und sie waren fast wie ein Ghetto, weil sie beobachtet wurden und von der Mehrheit der Bevölkerung abgesondert waren. Dokumentiert sind viele Fälle, besonders ab 1967, in denen Leute bei den Gebetsworten „Nächstes Jahr in Jerusalem“ erwischt und wegen „zionistischer  Propaganda“ zum Gefängnis verurteilt wurden.

Dieser Zustand erweckte geheimen Widerstand. In kleinen privaten Kreisen bemühten sich Juden, ihre Tradition zu pflegen, Bibel im Original zu studieren usw. Das war aber strafbar.

Ich erfuhr erst Anfang 1970er Jahre davon, als die jüdische Emigration begann. Damals hatte ich aber noch kein Interesse dafür. Ich war fast besessen mit meinen Forschungen beschäftigt.

Allmählich änderte sich diese Einstellung. Ende 1990 waren meine Frau und ich reif für Entscheidung, aus der UdSSR zu emigrieren. Wir wollten unseren Sohn vor dem Militärdienst und den schrecklichen Verhältnissen in der russischen Armee bewahren, aber auch in diesem von Gott verfluchten Land nicht weiter leben.

Hier möchte ich einen wesentlichen Umstand erwähnen. Die Idee, dass die sozialistische Gesellschaft und ihre lichte Zukunft der Höhepunkt in der Geschichte der Menschheit sei, hatte für uns schon lange ihre Glaubwürdigkeit verloren. Doch mein Unterbewusstsein war seit früher Kindheit durch Propaganda vergiftet. Das Misstrauen gegen die kapitalistische Welt saß tief, da bildete ich keine Ausnahme. Doch im Mai 1990 verbrachte ich auf Einladung eines Professors für physikalische Chemie zwei Wochen in Oxford, England. Niemand dort konnte sich vorstellen, dass ich mit 60 Jahren zum ersten Mal in Ausland war. Nach diesen zwei Wochen war jenes Misstrauen verschwunden.

Im April 1991 stellte ich für meine Frau, unseren Sohn und mich den Antrag auf Auswanderung beim OWIR, der Abteilung für Visa und Registrierung. Im Juni 1991 erhielten wir vom OWIR die Erlaubnis, nach Israel auszuwandern. Gleichzeitig eröffnete sich eine vage Möglichkeit, nach Deutschland zu emigrieren. Das fanden wir wegen der Sprache und besonders wegen des Klimas besser.  Meine Frau litt an schweren Herzkrankheiten und hätte das Klima in Israel kaum ertragen. Ich musste viele Formalitäten neu regeln. Im August 1992 erhielten wir die Genehmigung des Generalkonsulats der BRD.

Letztendlich fuhr ich im September 1993 nach Deutschland, zunächst allein, um die Ankunft meiner Familie vorzubereiten. Ich konnte mich in Mannheim im Oktober 1993 niederlassen. Im Januar 1994 folgten meine Frau und unser damals 13jähriger Sohn. Im Juli 1994 wurde ich als Mitglied der jüdischen Gemeinde Mannheim angenommen.

Unsere erfolgreiche Integration haben wir mehreren glücklichen Umständen zu verdanken.

Einerseits beschäftigte ich mich seit Jahren mit einer wissenschaftlichen Biographie über den bedeutenden Physikochemiker August Horstmann, der in Mannheim geboren und in Heidelberg tätig war. Es gelang mir, dessen Enkel, Otto Horstmann in Heidelberg, brieflich zu kontaktieren. Dieser Arbeit wegen bemühte ich mich bei meiner Ankunft im Flüchtlingsheim in Karlsruhe, entweder in Heidelberg oder in Mannheim eine Wohnung zu finden. Und ich hatte Glück.

Obwohl Otto Horstmann im Februar 1994 starb, bewahrten wir sehr gute Beziehungen mit seiner Witwe und seinen Kindern und Verwandten, die uns beim Eingewöhnen in unser neues Leben hervorragend unterstützten.

Andererseits hatte ich das Glück, bereits im Herbst 1993 die Familie Brehm kennenzulernen. Die Brehms wurden und sind bis heute echte Schutzengel zunächst für uns drei und jetzt für mich. Außerdem lernte ich viele andere Menschen kennen, die uns halfen.

 

Mit 63 Jahren konnte ich keine Stelle als Physikochemiker mehr finden. So entschied ich mich, als Historiker der Naturwissenschaft – mein altes Hobby! – literarisch zu arbeiten. Ich publizierte zwei Bücher, einen größeren Beitrag in einem Sammelband sowie mehrere Artikel. 1994 begann meine dauerhafte Arbeit an Kurzbiographien von deutschen Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Medizinern für mehrere biographische Reihen, insbesondere „Baden-Württembergische Biographien“ und „Neue Deutsche Biographie“. Bis Herbst 2019 verfasste ich etwa 170 Kurzbiographien.

Außerdem schrieb ich, zusammen mit meiner Frau und unserem Sohn, mehrere Broschüren und kleine deutsch-russisch Fachwörterbücher auf dem Gebiet der Schulbildung  in der BRD. Sie hatten das Ziel, russischsprachigen Schülern und deren Eltern verschiedene Aspekte und Besonderheiten der hiesigen Schulbildung zu erklären. Diese Arbeiten wurden von manchen elektronischen Bibliotheken in Russland übernommen.

Auf Veranlassung meiner Frau wurde die Internet-Seite www.kipnis.de eingerichtet, wo u.a. diese Broschüren veröffentlicht sind.

Trotzdem fühlte sich meine Frau nie ganz wohl in Deutschland. Sie hatte eine Fähigkeit zu außersinnlichen Wahrnehmungen. Fremder Boden, besonders in Heidelberg, wirkte auf sie negativ. Sie fuhr jedes Jahr nach St. Petersburg in unsere Wohnung und traf sich mit ehemaligen Mitschülerinnen zusammen. Ihre Herzkrankheit aber konnte hier besser als dort behandelt werden. Sie starb 2009. (Zu ihrer Grabrede siehe

https://www.kipnis.de/index.php/nina/nina-zum-gedenken/81-nina )

Auf die Frage, welchen Ratschlag ich der jungen Generation geben könnte, muss ich sagen, das kann ich nicht. Die heutigen jungen Menschen haben ihr eigenes Leben, das für alte Leute unzugänglich und kaum verständlich ist. Ich bin ja ein Mensch des vorigen Jahrhunderts. Darüber hinaus können die Ratschläge der Alten den jungen Leuten nur in seltensten Fällen helfen.

Das einzige, was ich kann, ist zu versuchen, die wichtigsten Bekenntnisse meines langen Lebens zusammenzufassen:

Erstens. Es gibt ein gutes russisches Sprichwort „Охота пуще неволи“, buchstäblich „Lust ist stärker als Zwang“. Das entsprechende deutsche Äquivalent lautet: „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“. Aus diesem Grund macht eine kreative, von Arbeitsdrang geprägte Tätigkeit das Leben erfüllend. Für mich war es meine Wissenschaft, doch vermutlich gilt dies für jede schöpferische Arbeit.

Zweitens. Mir scheint nötig, jegliche Menschenmengen zu vermeiden. Die Massen denken kaum, die Masse ist dümmer als ein Einzelner. Organisationen sind ethisch und moralisch schlimmer als Individuen. Herdeninstinkte sind gefährlich und verhindern schöpferisches Arbeiten.

Drittens.  Geben ist besser als Nehmen. Wenn ein Mensch Anderen hilft, hilft er auch sich selbst. Eine solche Hilfe sollte aber Grenzen haben, denn eine Selbstaufopferung führt zur Selbstzerstörung. Als Folge würden auch Andere hilflos. Leo Tolstoi quälte sich mit diesem Problem. (Hier ist an das berühmte Prinzip Hegels von der Einheit und dem Kampf der Gegensätze zu erinnern).

Und letztens. Die Möglichkeiten des Menschen und der ganzen Menschheit sind beschränkt. Hinter den Schranken existiert eine unsichtbare Welt des Geistes, wo eine Höhere Macht (oder Mächte?) regiert und unser Leben beeinflusst Üblicherweise bezeichnet man diese Höhere Macht als Gott. Davon weiß ich nahezu nichts, bin aber überzeugt, dass die Welt des Geistes existiert.

Darüber hinaus möchte ich eine Aussage Albert Einsteins erwähnen: „Der Mensch denkt und Gott lenkt. Manchmal gibt er aber dieses Amt an des Teufels Großmutter ab.“